DFB-Pokal: FC Bayern in Jena Ancelotti kassierte schlimme Niederlage: Carlos Trauma

Verlor einst als Spieler mit dem AS Rom 0:3 in Jena: Carlo Ancelotti. Foto: dpa

Gegen Carl Zeiss Jena kassierte Bayern-Coach Carlo Ancelotti eine der schlimmsten Niederlagen seiner Karriere. Nun kehrt er im DFB-Pokal mit dem FC Bayern zurück. „Das Spiel von damals ist unvergesslich.“

 

München - Carl Zeiss Jena? Carlo Ancelotti lächelt. Heute, 36 Jahre danach, kann der Italiener entspannt über das sprechen, was damals auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena passierte. Am 1. Oktober 1980 konnte er das nicht. Viel zu schlimm war diese Niederlage. Ancelotti, 21 Jahre alt, verlor mit dem AS Rom 0:4 gegen Carl Zeiss um Trainer Hans Meyer, in der ersten Runde des Europapokals der Pokalsieger war Schluss für die hochfavorisierten Römer.

„Das Spiel ist unvergesslich“, sagt Ancelotti nun, einen Tag vor seiner Rückkehr an den Ort des Schreckens: „Manche Niederlagen in deiner Karriere vergisst du nie. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Wir hätten sogar 10:0 verlieren können. Ich hoffe, es wird diesmal anders.“

Jena, Carlos Trauma. Mit dem FC Bayern will der 57-jährige Coach heute (20.45 Uhr, live bei Sky) eine weitere Blamage verhindern. Und die Chancen stehen natürlich sehr gut. „Es war eine andere Zeit damals“, sagt Ancelotti treffend. Jena zählte vor der Wende zu den Top-Mannschaften der DDR, in der Saison 1980/81 schaffte es der Klub sogar bis ins Europacup-Finale. Und heute? Spielt Jena in der Regionalliga. Provinz, Gegner wie Neustrelitz oder Auerbach, ganz weit weg von der großen Fußballwelt. Am Mittwoch verursachten die Carl-Zeiss-Kicker einen Feuerwehreinsatz, weil sie in der Kabine Spiegeleier und Speck gebraten hatten. Mehr Kontrast zum Edelklub aus München geht kaum.

Ancelotti: " Die großen Teams müssen im Pokal immer aufpassen "

Ancelotti warnt trotzdem vor den Thüringern, die von ihren ersten vier Spielen in der Liga vier gewonnen haben. „Wir brauchen viel Konzentration, weil Jena eine gute Mannschaft ist. Die großen Teams müssen im Pokal immer aufpassen. Es ist ein spezieller Wettbewerb in jedem Land. Wir werden morgen bereit sein.“ Doch der Bayern-Trainer hat Sorgen: Ihm gehen kurz vor dem Saisonstart die Spieler aus. Neben Kingsley Coman, der sich am Mittwoch im Training verletzte, fehlen in Jena auch die Spanier Thiago und Xabi Alonso.

„Sie haben seit dem Dortmund-Spiel im Supercup kleine Probleme“, sagt Ancelotti, „morgen sind sie noch nicht bereit zu spielen, gegen Bremen plane ich aber wieder mit ihnen“. Jérôme Boateng, Arjen Robben, Douglas Costa, Renato Sanches und Holger Badstuber müssen ebenfalls weiter passen. Acht verletzte Stars – eine Woche vor dem Bundesliga-Start gegen Werder. Kaufen die Bayern doch noch mal ein? „Nein“, sagt Carlo, „ich habe gesagt, dass ich glücklich mit der Mannschaft bin. Nach der Länderspielpause sind die meisten Spieler wieder fit.“

In Jena sind sie trotz des Verletzungspechs der Bayern nicht so vermessen, auf die ganz große Sensation zu hoffen. „Es muss schon viel passieren, damit wir die Bayern schlagen. Aber wir wollen mutig sein“, sagt Trainer Mark Zimmermann, der Carl Zeiss nach fünf Jahren Regionalliga zum Aufstieg führen soll: „Das Spiel ist etwas Besonderes, weil der Gegner besonders ist. Das ist das Traumlos, ein absolutes Highlight.“

Jena baut Stadion provisorisch aus

Für das Spiel gegen die Bayern hat der Klub zusätzliche Stahlrohrtribünen errichten lassen, um die Kapazität auf 18 800 Zuschauer zu erhöhen. Das bedeutet einen Nach-Wende-Rekord, allerdings hätten mehr als 100 000 Tickets verkauft werden können. Für 22 Millionen Euro soll 2017 ein modernes Stadion gebaut und so der Grundstein für eine bessere Zukunft gelegt werden.

Und kurzfristig? Will Jena den Giganten aus München zumindest ärgern. „Ich hoffe, dass die Spieler den Kampf genauso annehmen wie im letzten Jahr“, sagt Zimmermann. Da warf Jena den Hamburger SV in der ersten Pokalrunde raus (3:2 n.V.), schied anschließend gegen den VfB Stuttgart (0:2) nur knapp aus. 2008 schaffte es Jena sogar sensationell bis ins Halbfinale des Cups, scheiterte schließlich an Borussia Dortmund (0:3). Nervös wird Ancelotti angesichts dieser Ergebnisse nicht. „Ich freue mich, nach 36 Jahren zurückzukehren und zu sehen, was sich in Jena verändert hat.“ Vor allem eines soll sich ändern: das Ergebnis.

 

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