Champions-League-Finale Das war der Tag vor dem großen Finale

Das britische Königshaus wettet auf den FC Bayern München, und der hofft im „German Endspiel“ gegen Borussia Dortmund auch auf höchste Mächte. „Vielleicht“, sagte Trainer Jupp Heynckes leicht schmunzelnd am Abend vor dem dritten Endspiel des Fußball-Rekordmeisters in der Champions League innerhalb von vier Jahren, „vielleicht ist der Fußballgott mit uns.“

 

London – Die Favoritenbürde lastet auf den Bayern – und das will sich der BVB zunutze machen. 'Wenn man als Außenseiter den gleichen Druck spüren würde wie der Favorit – wie doof wäre das denn?", fragte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp eineinhalb Stunden nach Heynckes im Bauch des Wembley-Stadions rhetorisch, und betonte selbstsicher: „Dortmund ist ein Verein, der Titel gewinnen kann, und das schon mehrfach bewiesen hat.“ D

er BVB wäre „nicht der erste“ Underdog, der den Henkelpott gewinnt. Auch deshalb wollen sich die Münchner am Samstag (20.45 Uhr/Sky und ZDF) vor allem auf sich selbst verlassen – auch dann, wenn es wie im vergangenen Jahr zu einem Elfmeterschießen kommen sollte. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich davor irgendwer in die Hosen scheißt“, versicherte Thomas Müller. Auch Prinz William, Thronfolger und Präsident des englischen Fußball-Verbandes FA, glaubt an die Münchner. Er setzt auf ein 2:0. „My money is on Bayern Munich, two-nill“, sagte er bei einer Rede auf dem UEFA-Kongress.

Doch die Zusammenkunft der Europäischen Fußball-Union war am Freitag in London nur eine Nebenveranstaltung. Spätestens ab kurz vor 17.00 Uhr richteten sich die Blicke in die „Kathedrale des Fußballs“, wie sie Pele einst nannte. Klopp zog da vor dem Abschlusstraining auf dem „heiligen Rasen“ seine gewohnte Show ab und hatte die Lacher der Weltpresse auf seiner Seite. Auf dem Weg nach Wembley hatten die Bayern die Nase knapp vorne. Sie landeten bereits um 11.30 Uhr Ortszeit, der BVB erreichte den Flughafen in Stansted um 13.53 Uhr Ortszeit.

Dennoch hatten beide Mannschaften bei der Anreise Probleme. Der Anflug des BVB wurde von einem Zwischenfall gestört, als eine Linienmaschine der Pakistan International Airlines nach Stansted umgeleitet wurde. Kampfjets kreisten über der Hauptstadt des Königreichs, weil es an Bord der Maschine einen „Zwischenfall“ gegeben hatte. Der BVB Und die Bayern steckten auf der letzten Etappe der „Road to Wembley“ im Stau fest.

Klopp schimpfte augenzwinkernd über den „verdammten Traffic“. Während sich Dortmund als Außenseiter präsentierte, srahlten die Bayern bei der letzten Fragerunde wieder die Gelassenheit und die Gier aus, die sie zuletzt ausgezeichnet hatte. Kapitän Philipp Lahm beschrieb das Vorgehen am Finaltag lapidar so: 'Wecken. Frühstück. Training im Hotel. Mittagessen. Besprechung. Kaffee, Kuchen. Abfahrt. Spielen. Gewinnen – und hoffentlich Feiern!"

Nein, betonte Heynckes, er werde nicht schlecht schlafen. „Ich habe ein paar Songs dabei...“ Unabhängig von musikalischen Vorlieben steigt in den Stunden vor dem Endspiel bei allen der Adrenalinpegel. „Wir sind alle froh, dass es endlich losgeht. Wir wollen endlich Fußball spielen nach dem ganzen Gerede. Wir sind bereit und sehr heiß“, sagte Arjen Robben, ehe er den Lufthansa-Sonderflug von München zum City-Airport nach London bestieg.

Den Gedanken an eine dritte Finalniederlage des FC Bayern nach 2010 und 2012 wollte er Niederländer gar nicht zulassen. „Wir gehen da hin, um zu gewinnen. Und Aus.“ Bei der Landung bei nasskaltem Schmuddelwetter wurde der Tross des FC Bayern ein wenig durchgeschüttelt, danach allerdings von etwa 300 Anhängern gebührend in Empfang genommen. Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Ich finde, wir gehen nicht arrogant, hochmütig oder überheblich nach Wembley.

Wir werden einen guten Tag brauchen und so spielen müssen, wie wir das die ganze Saison abgeliefert haben.“ Präsident Uli Hoeneß schrieb vor dem Abflug Autogramme für die zahlreichen Fans und sagte, seine Vorfreude sei „sehr groß“. Dortmund wurde von einigen Hundert Anhängern verabschiedet – und checkte stilgerecht am Gate „09“ ein. Anschließend bestiegen die Borussen erstmals eine eigens für sie in Weiß und Gelb umlackierte Maschine – auf dem Heckleitwerk prangte ein BVB-Emblem. Nicht dabei war der verletzte Mario Götze, er musste sich einer Zahn-Behandlung unterziehen.

Götze will am Samstag nachfliegen. „Wir werden ein Feuerwerk abbrennen“, versicherte Spielführer Sebastian Kehl. Dass der BVB ohne den zum FC Bayern wechselnden Götze antreten muss, bereitet ihm angeblich keine Sorgen. „Das ist kein Problem“, betonte Sportdirektor Michael Zorc, „wir konnten uns ja darauf vorbereiten.“ Klopp bekräftigte, er habe sein Finalteam „schon im Kopf“. Mats Hummels gehört dazu. „Es geht ohne Probleme“, sagte der Verteidiger über seine Knöchelblessur.

 

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