AZ-Interview Reschke erklärt Verbleib von Bayern-Wunschkandidat Pavard in Stuttgart

Benjamin Pavard und sein Sportdirektor Michael Reschke. Foto: firo/Augenklick

Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke spricht in der AZ über das Bayern-Interesse am Weltmeister, Comans Verletzung und Juwel Davies. "Wir waren auch in Vancouver und wollten ihn verpflichten."

München - Michael Reschke, der 60-jährige Sportvorstand des VfB Stuttgart, arbeitete von 2014 bis 2017 als Technischer Direktor für den FC Bayern. Im AZ-Interview spricht er über den Verbleib von Benjamin Pavard und verrät das Stuttgarter Interesse an Bayern-Neuzugang Alphonso Davies.

AZ: Herr Reschke, der Saisonstart verlief für den VfB Stuttgart mit dem Pokalaus und der Niederlage in Mainz unbefriedigend. Kommt Bayern am Samstag (18.30 Uhr, Sky) gerade recht, um den Turnaround zu schaffen?
MICHAEL RESCHKE: Die Bayern kommen eigentlich immer zur falschen Zeit. In der Regel gewinnt Bayern 26 bis 28 seiner Bundesligaspiele pro Saison und uns allen war klar, dass es ein problematischer Saisonstart werden kann, wenn wir in Mainz verlieren und dann der FCB kommt.

Wie muss der VfB den Bayern am Samstag begegnen, um einen Sieg einzufahren? Hoffenheim hat es mit Härte versucht.
Tayfun Korkut wird sich etwas einfallen lassen und wir werden dementsprechend gut vorbereitet in das Spiel gehen. Wir wissen aber auch, dass die Qualität der Bayern so hoch ist, dass auch der beste Plan nur selten zum Erfolg führt.

Reschke: Pavard bleibt "aus tiefster Überzeugung"

Sind Sie eigentlich froh, wenn an diesem Freitag die Transferperiode endet – und die Gerüchte um Benjamin Pavard (vorerst) ein Ende haben?
Die Transferzeit bringt immer wieder interessante Phasen und auch unruhige Momente. Bei Benjamin Pavard gab es einfach einen Moment, in dem wir gespürt haben, dass er bereit ist, unseren Weg noch eine Saison mitzugehen. Für uns war es ganz wichtig zu wissen, dass er aus tiefster Überzeugung beim VfB bleibt. Er ist einfach ein Topspieler und Toptyp!

Sie haben bestätigt, dass Pavard für 2019 eine Ausstiegsklausel hat. Trauen Sie ihm von seinen Fähigkeiten her eine Karriere beim FC Bayern zu? Die Münchner sollen ja stark interessiert sein.
Benji hat das Niveau, in jedem europäischen Spitzenklub spielen zu können und wir respektieren voll und ganz, wenn das ab dem 1. 7. 2019 so sein wird. Er hat extrem lukrative Anfragen, von denen wir wissen, weil wir ein offenes Verhältnis haben. Er ist ein herausragender Zweikämpfer, hat ein sehr gutes Kopfballspiel und eine starke Spielöffnung. Der Klub, der ihn am Ende verpflichtet, wird jahrelang Freude an einem Ausnahmeathleten haben.

Was trauen Sie dem VfB in dieser Saison zu? Sie haben sich ja mit Gonzalo Castro und Daniel Didavi prominent verstärkt.
Wir hatten in der vergangenen Rückrunde einen unglaublichen Lauf und wurden Rückrunden-Zweiter. Dies haben wir uns verdient erarbeitet. Und ja, wir haben uns gut verstärkt. Aber Fakt ist natürlich auch, dass neben den Bayern Klubs wie Schalke, Dortmund, Leverkusen, Leipzig, Hoffenheim und Mönchengladbach, die letzte Saison teilweise etwas geschwächelt haben, einfach stärker besetzt sind. Wir wollen uns in der Bundesliga stabilisieren.

Können Sie erklären, welchen Stellenwert Holger Badstuber in Ihrer Mannschaft hat?
Holger war an unserer guten vergangenen Saison maßgeblich beteiligt. Er hat sich auf und neben dem Platz einen hohen Stellenwert erarbeitet. Ganz wichtig: Er fühlt sich sehr wohl beim VfB.

Reschke: Coman-Ausfall "hat mich erschreckt"

Vorne gibt es mit Mario Gomez einen weiteren Ex-Bayern-Spieler. Gehört er noch immer zur deutschen Stürmer-Elite?
Mario hat in der Rückrunde für uns acht wichtige Treffer erzielt und war auch mit seiner Persönlichkeit und Strahlkraft für unser Team extrem wichtig. Speziell im Strafraum ist er immer noch ein Stürmer der Extraklasse.

Beim FC Bayern hat sich gegen Hoffenheim mit Kingsley Coman ein Spieler verletzt, den Sie einst nach München geholt haben. Wie schmerzhaft ist dieser Ausfall für Bayern?
Ich habe mich am Fernseher erschreckt bei der Szene und hatte auch Kontakt mit Kingsley. Ich mag ihn sehr als Mensch und er besitzt die Qualität, sich zu einem der besten Außenstürmer der Welt zu entwickeln. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er bald wieder fit ist. Wer die Reaktion von Karl-Heinz Rummenigge nach seiner Verletzung registriert hat, weiß, welche Bedeutung King für den FC Bayern hat.

Im Januar wechselt mit Alphonso Davies (17) ein weiteres Offensivjuwel zu den Bayern. Sie sind ja weltweit gut vernetzt – hatten Sie diesen Spieler auch unter Beobachtung?
Herzlichen Glückwunsch, FC Bayern. Wir waren zur gleichen Zeit wie Bayern in Vancouver und haben versucht, den Jungen zu verpflichten. Da hatten die Bayern am Ende aber ein paar Pfeile mehr im Köcher.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Joshua Kimmich, der sich zum Stammspieler bei Bayern und der Nationalelf entwickelt hat? Jupp Heynckes traut Kimmich zu, irgendwann Bayern-Kapitän werden zu können.
Dazu nur ganz kurz: Jo ist ein außergewöhnlicher Spieler und seine Mentalität ist unglaublich. Ihm ist alles zuzutrauen. Ich glaube, in München ist man sehr froh, diesen damals überraschenden Transfer umgesetzt zu haben.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Transferphilosophie des FC Bayern? Der Klub will wieder mehr auf deutsche Jungstars setzen. Mit Leon Goretzka und Serge Gnabry kamen im Sommer zwei Talente.
Der FC Bayern gehört seit vielen Jahren zu den europäischen Top 5, weil der Klub immer intelligente Lösungen im Kader-Management gefunden hat. Dies wird auch in Zukunft so bleiben.

 

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