AZ-Check Hat der FC Bayern wirklich nie der Konkurrenz Spieler weggekauft?

Vorstandsvorsitzender des FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge. Foto: Matthias Balk/dpa

"Der FC Bayern hat noch nie einen Spieler mit dem Ziel verpflichtet, einen seiner Konkurrenten zu schwächen", sagt Karl-Heinz Rummenigge. Die AZ macht den Check. Von Matthäus, Götze und Basler bis Kahn.

 

München - Der Deal des FC Bayern mit dem französischen Toptalent Tanguy Nianzou Kouassi von Paris Saint-Germain hatte Signalwirkung. Zumindest bei PSG wird das Abwerben ihres 18 Jahre alten Abwehrjuwels nämlich als nichts anderes gewertet als offener Frontalangriff durch einen direkten Konkurrenten um den Champions-League-Titel.

So denkt Rummenigge über den Kouassi-Transfer

"Soweit wir wissen, wollte er sein Abenteuer mit Paris Saint-Germain nicht verlängern, und wenn ein solches Talent seine Karriere im Ausland plant, ist es logisch, dass ein Verein wie die Bayern Teil seines Interesses sein sollte", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge "France Football" dazu und fügte noch süffisant hinzu: "Der FC Bayern hat noch nie einen Spieler mit dem Ziel verpflichtet, einen seiner Konkurrenten zu schwächen."

Damit widersprach Rummenigge einem alten gegen seinen Klub bestehenden Vorurteil, das zumindest in der Bundesliga bereits eine lange Tradition hat.

Die AZ macht den Check und blickt auf einige der wichtigsten Transfers zurück, bei denen sich die Bayern bei der Konkurrenz bedienten.

Bayern-Rivale Borussia Dortmund

Mit der Meisterschaft 2011 und dem Double 2012 rüttelte der BVB mit Trainer Jürgen Klopp gewaltig an dem Bayern-Thron. Mit Mario Götze (2013) und Robert Lewandowski (2014) lotsten sie dann zwei Schlüsselspieler des BVB nach München. 2016 folgte noch Mats Hummels.

Ob gewollt oder nicht: Mit allen drei Transfers wurde der BVB massiv geschwächt. Im Fall von Lewandowski und Hummels – der wie Götze später wieder nach Dortmund zurückkehrte – Bayern aber in erster Linie deutlich verstärkt. Götze hingegen entpuppte sich als Münchner – und mittlerweile auch Dortmunder – Missverständnis.

Bayern-Rivale Bayer Leverkusen

Wenn man Reiner Calmund auf Bayern anspricht, dauert es nicht lange, bis der frühere Bayer-Manager einem sämtliche Spieler, die er nach München gehen lassen musste, gebetsmühlenartig aufsagt. Um die Jahrtausendwende war er mit Leverkusen und Trainer Christoph Daum schließlich tatsächlich drauf und dran, die Bayern von der Spitze zu verdrängen.

Beim Streben nach dem ersehnten Meistertitel stand sich die Werkself im entscheidenden Moment meist selbst im Weg. Dass das Team, wichtige Stützen verlor, dafür sorgten aber die Bayern: 2001 holten sie Robert Kovac, nach Leverkusens "Vize-Triple" 2002 folgten Zé Roberto und Michael Ballack, 2004 dann Lucio. Alle wurden auch in München zu wichtigen Leistungsträgern. Nachdem Jupp Heynckes Leverkusen 2011 zur Vizemeisterschaft geführt hatte, ging auch er zurück zu Bayern – und wurde 2013 Triple-Trainer.

Bayern-Rivale Werder Bremen

Nach der Meisterschaft 1993 avancierte Werder unter Trainer Otto Rehhagel zum Dauer-Rivalen, wurde 1995 Vizemeister. Dann holte Bayern Rehhagel – der Andreas Herzog gleich mitbrachte – an die Isar. Das Experiment scheiterte krachend, Rehhagel wurde bereits im April entlassen und Herzog ging nach nur einer Saison zurück nach Bremen.

Im Gegenzug wechselte ein gewisser Mario Basler, im Vorjahr mit 20 Treffern Torschützenkönig, 1996 zum FC Bayern. Erst Jahre später schaffte es Werder, Bayern wieder auf Augenhöhe zu begegnen, man wurde 2004 Meister und zwei Mal (2006, 2008) Zweiter. Wieder funkte Bayern dazwischen, holte Valérien Ismaël (2005), Miroslav Klose (2007) und Tim Borowski (2008). So richtig glücklich wurden Klose und Borowski bei Bayern nicht, in Bremen dafür umso mehr vermisst. Um Jan Schlaudraff, der 2008 aus Aachen kam, ranken sich Gerüchte, dass er nur geholt wurde, damit er nicht zu Werder ging.

Bayern-Rivale 1. FC Kaiserslautern

Nach der Meisterschaft 1991 schnappten die Bayern dem FCK Torjäger Bruno Labbadia weg, 1993 folgte Jungstar Marcel Witeczek. 1995 holen sie auch noch Spielmacher Ciriaco Sforza.

Nachdem der mit Lautern 1998 als Aufsteiger Meister und wieder zum Kopf des Teams geworden war, wechselte er zwei Jahre später erneut nach München. Und funktionierte dort abermals nicht.

Bayern-Rivale Borussia Mönchengladbach

Für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen Mark holte Bayern 1980, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Manager Uli Hoeneß, Calle Del'Haye vom Dauer-Rivalen der 1970er Jahre.

Dabei passte der Flügelstürmer nicht wirklich ins System. Als Gladbach 1983 und 1984 wieder heranrückt, verpflichteten die Bayern auch noch Lothar Matthäus. Ein Königstransfer.

Bayern-Rivale Karlsruher SC

Was wäre das nur für eine Mannschaft des KSC in den 1990ern gewesen, wenn sie denn auch mal so zusammengespielt hätte.

1990 wechselte Michael Sternkopf zu Bayern, 1991 Oliver Kreuzer, 1992 Mehmet Scholl, 1995 Oliver Kahn, 1997 folgen Thorsten Fink und Michael Tarnat. Beim heutigen Zweitligist wurden sie alle schmerzlich vermisst, beim FC Bayern teils zu Legenden.

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