AZ-Analyse Mal kein Bayern-Sieg: Ein Patzer – fünf Lehren

Sandro Wagner (links) bekam von Trainer Niko Kovac seine Chance im Sturmzentrum – nutzte sie jedoch nicht. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Durch das 1:1 gegen den FC Augsburg steht der FC Bayern erstmals in dieser Saison nicht als Sieger da. "Ein kleiner Ausrutscher, nicht so schlimm", sagt Klubpräsident Uli Hoeneß. Doch was ergibt sich daraus? Eine Analyse der AZ.

 

München - Kann passieret. Das ist Fußball. Sagt Franck Ribéry gerne in seinem charmant-komischen Fußball-Deutsch, das nicht immer allen Regeln der Grammatik Gehorsam erweist.

Passiert ist den Bayern am Dienstagabend: Ein Unentschieden, das 1:1 gegen den FC Augsburg. Nach sieben Siegen hintereinander. "Ein kleiner Ausrutscher, aber den finde ich jetzt nicht so schlimm", sagte Präsident Uli Hoeneß tags darauf. Der 66-Jährige machte die vielen Spiele und Reisen für den Punktverlust verantwortlich.

"Am Ende der Partie waren unsere Spieler doch ziemlich müde", erläuterte Hoeneß, "da konnten sie nicht mehr so nachlegen, wie es nötig gewesen wäre. Wir haben in Lissabon gespielt mit einer langen Reise. Dann hatten wir ein sehr schweres Spiel auf Schalke. Auch da sind die Spieler erst spät heimgekommen. Es war uns klar, dass diese zwei Wochen hart werden." (Hier gibt's weitere Stimmen zum Spiel)

Also ließ Trainer Niko Kovac kräftig rotieren. Gegen Augsburg ver-rotierte er sich, überstrapazierte er es mit gleich fünf Startelf-Wechseln, vor allem mit dem Experiment von Leon Goretzka als Linksverteidiger. Dass kurz vor Spielschluss Kapitän Manuel Neuer mit seinem Ballverlust die zwei Punkte tatsächlich und sprichwörtlich aus den Händen gleiten ließ, ist kein Beinbruch, "tut aber schon sehr weh, weil es unnötig war", meinte Thomas Müller.

Doch ohne Fehler gibt es eben auch keinen Lerneffekt. Die AZ-Liste der Lehren...

Weniger rotieren!

Kovac hatte das Gerüst der Mannschaft verändert, die spielstarken Thiago und James im Mittelfeld draußen gelassen. Dem Bayern-Spiel fehlte Esprit, im Mittelfeld gab es zu viele Lücken. Das aggressive, laufintensive Spiel der Gäste (Robben: "Mit Eins-gegen-Eins auf dem ganzen Platz!") schmeckte den Bayern nicht. (Lesen Sie hier: Ausgleichstor gegen Bayern "ist für Mario")

"Ich weiß als ehemaliger Fußballer, was es heißt, drei Mal in einer Woche zu spielen", verteidigte Kovac seine Aufstellung und erklärte: "Daher müssen wir rotieren." Ob Kovac auch am Freitag bei Hertha BSC (20.30 Uhr, Eurosport live und im AZ-Liveticker) wieder so viel tauscht?

Nicht auf Robert Lewandowski verzichten!

Es war das erste Saisonspiel ohne den Torjäger, der in den ersten sieben Pflichtspielen acht Treffer erzielt hatte. "Nur zwei Spieler haben alle acht Spiele bisher gemacht, Manuel (Neuer, d.Red.) und Josh (Joshua Kimmich, d.Red.)", erklärte Kovac. Lewandowski war also dran, Sandro Wagner erhielt seine Chance im Sturmzentrum – nutzte sie jedoch nicht.

Das Augsburg-Spiel hat gezeigt: Wenn einer aus dem Bayern-Kader wirklich unverzichtbar ist, dann Torjäger Lewandowski. "Solange wir Torchancen haben, bin ich nicht beunruhigt", meinte Hoeneß, "ganz abgesehen davon, dass wir noch Robert haben." Die Tore-Versicherung.

Öfter Renato Sanches bringen!

Der Portugiese war die prägende Figur des Spiels, dabei lediglich im Abschluss zu ungestüm und ungenau. "Ihn zeichnet seine Wucht aus. Er ist im Mittelfeld einer, der den Gegner abschütteln kann und mit Tempo mit dem Ball geht", lobte ihn Mats Hummels, "das haben wir nicht so oft in unserer Mannschaft. Wenn er das einbringen kann, dann ist er sehr wertvoll für uns."

Sanches (21) spürt: Er ist dabei, er ist wichtig. Und glücklich. "Ich bekomme Vertrauen von den Mitspielern." Mit leiser Stimme sagte er, er sei nun angekommen, fühle sich "glücklich".

Leon Goretzka nicht links spielen lassen!

Diese Rolle war eine Fehlbesetzung. "Ich war nicht zufrieden", sagte Goretzka zu seinen allerersten 45 Minuten als Linksverteidiger: "Es ist klar, dass ich nicht den David Alaba mache und eine Flanke mit links nach der anderen reinschlagen kann. Es war kein gutes Spiel von mir."

Kovac ("Ich fand, dass Leon es gut gemacht hat") musste zur Pause dann Alaba bringen, weil Goretzka ein "dickes Sprunggelenk" hatte. Sein Einsatz am Freitag in Berlin ist fraglich.

Auch mal Manuel Neuer ein Spiel Pause geben!

Wird Kovac nicht machen. "Ich weiß nicht, warum ich einen Torhüter rotieren muss, er hat wenig Belastung läuferischer Art", sagte der Trainer. (Lesen Sie hier: Niklas Süle fordert von Manuel Neuer - "Hätte mich umwichsen können")

Schlechte Aussichten für Stellvertreter Sven Ulreich. Im Grunde ist er – und nicht Neuer – der Verlierer dieses Unentschiedens. 

 

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