Auf den Spuren seines Idols FC Bayern: Kimmich wird immer mehr zum neuen Schweinsteiger

Zumindest beim Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger im August 2016 durfte Joshua Kimmich an der Seite seines Idols auflaufen. Foto: firo/Augenklick

Bayerns neuer Leader brilliert gegen Tottenham auf zwei Positionen – und als Torschütze. "Das ist ein Junge, der eine Top-Einstellung hat", schwärmt Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

 

München - Es wird oft nach Typen im Fußball geschrien – und dann gemeckert, wenn ein Spieler seine Meinung sagt. Öffentlich. Geradeaus. Klug. Aber eben ohne Angst vor dem, was danach passiert. Allein schon deshalb ist Joshua Kimmich so erfrischend anders. Und vor allem: authentisch.

Nach der Aufforderung von Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic, seinen großen Worten nach dem Paderborn-Spiel doch bitte auch große Taten folgen zu lassen, gab Kimmich die passende Antwort. Er spielte gegen Tottenham eine klasse Partie, zunächst im zentralen Mittelfeld, dann als Rechtsverteidiger, und er brachte Bayern mit seinem Distanztor zum 1:1 auf den richtigen Weg (15. Minute).

Joshua Kimmich profiliert sich als Chef-Kritiker

"Ich glaube, das Tor hatte jetzt nichts mit dem, was vorher gesagt wurde, zu tun. Meine Leistung hat das nicht beeinflusst", sagte Kimmich nach der Partie. Gleichzeitig stellte er klar, dass er sich weiter so kritisch äußern wird wie zuletzt ("Wir laufen unserem Anspruch hinterher"), wenn Bayern nicht überzeugt: "Das würde ich auch in der Art und Weise wieder so tun, weil das einfach meine Meinung ist. Mich verbiegt keiner." Es sind Sätze, die man beim FC Bayern lange nicht mehr gehört hat. Die Stefan Effenberg oder Oliver Kahn früher nicht besser hätten formulieren können. Sätze eines Anführers, der Kimmich mittlerweile zweifellos ist. Bayerns Mann mit Power.

"Das ist ein Junge, der eine Top-Einstellung hat, der gerade an sich Ansprüche hat und an die Mannschaft auch Ansprüche hat", schwärmte Sportdirektor Salihamidzic. Was Kimmichs Kritik ja auch so gesund macht, ist: Es geht ihm dabei eben nicht um sich oder seine eigene Perspektive – er ist beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft ohnehin unantastbar. Kimmich sieht das große Ganze. Er will seine Mannschaft und die Mitspieler verbessern, die großen Titel gewinnen.

Und das geht nur mit ehrgeizigen Spielern wie Kimmich, die Fehlentwicklungen klar ansprechen. Das wissen und respektieren die Teamkollegen – ebenso wie die Führungskräfte. "Für mich kann er einer der Nachfolger sein, wenn Manuel Neuer die Binde irgendwann abgibt – sowohl beim FC Bayern als auch in der Nationalmannschaft", sagte Lothar Matthäus erst kürzlich in der AZ. Kimmich stehe Philipp Lahm "in nichts nach". Das stimmt – zumindest was die Positionen angeht.

Kimmich war traurig über Schweinsteiger-Wechsel

Kimmich ist mittlerweile sowohl im Mittelfeldzentrum als auch rechts hinten auf internationalem Spitzenniveau angekommen. Was ihn aber von Lahm unterscheidet: Er ist wesentlich lauter, forscher, mutiger. Und erinnert mit seiner Spielweise eher an eine andere Bayern-Ikone, die einst auch von der Außenbahn ins Zentrum wechselte: Bastian Schweinsteiger.

Nicht umsonst ist der deutsche WM-Held von 2014 neben Xavi Hernández Kimmichs großes Vorbild. "Ich bin ein bisschen traurig, dass er weggegangen ist", sagte Kimmich 2015 im AZ-Interview, nachdem Schweinsteiger die Münchner Richtung Manchester United verlassen hatte. "Ich hätte gerne mal zusammen mit ihm auf dem Platz gestanden."

Doch auch so hat Kimmich offenbar einiges von Schweinsteiger gelernt: die Härte gegen den Gegner und sich selbst, die Gewinner-Mentalität und dieses Nie-zufrieden-Sein. "Ich glaube, dass es insgesamt von der ganzen Mannschaft die ersten 30 Minuten nicht so gut war", kritisierte Kimmich nach der 7:2-Gala bei Tottenham völlig zu Recht. Sollen die Bosse ruhig schimpfen. Kimmich verbiegt sich nicht.

 

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