Zwei Löwen-Ikonen warnen vor Größenwahn

Nach dem starken Start warnen die 1860-Ikonen Winkler und Miller die Löwen vor Größenwahn: "Da gibt es nur eins: weiterarbeiten."
| Matthias Eicher
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Lob für Trainer Köllner (l.) und Sportchef Gorenzel: "Die Mischung im Kader stimmt", sagt Winkler.
Lob für Trainer Köllner (l.) und Sportchef Gorenzel: "Die Mischung im Kader stimmt", sagt Winkler. © imago images/MIS

München – Der Blick auf die Tabelle der Dritten Liga gestaltet sich derzeit durch eine ganze bestimmte Fan-Brille ganz besonders reizvoll: durch die weiß-blaue Sechzger-Brille.

3:1-Auftaktsieg beim SV Meppen, gemeinsam mit dem FC Hansa Rostock ist der TSV 1860 - Moment, es kommt gleich - Spitzenreiter. Zeit zu träumen? Im Gegenteil!

Zwei Löwen, die wissen, wie es sich an der Tabellenspitze anfühlt, mahnen zum realistischen Umgang mit dem gelungenen Start in die Saison 2020/21.

Thomas Miller könnte sich an Löwen auf Platz 1 gewöhnen

"Es ist spitze, wenn du den Auftakt gewinnst. Das gibt Selbstvertrauen. Sechzig an der Tabellenspitze - daran könnte man sich glatt gewöhnen", sagt Kult-Löwe Thomas Miller der AZ vor der Heimpremiere gegen den 1. FC Magdeburg am Samstag (14 Uhr).

Früherer Kult-Löwe: Thomas Miller
Früherer Kult-Löwe: Thomas Miller © Rauchensteiner/Augenklick

Doch Miller stellt klar: "Aber am ersten Spieltag interessiert das noch keinen! Da gibt es nur eins: weiterarbeiten. Wo der Hase hinläuft, kann man ab dem zehnten Spieltag sagen."

Der 57-Jährige, einst auf dem Rasen Inbegriff des Löwen-Kämpfers und mit 1860 aus der drittklassigen Bayernliga bis in die Bundesliga marschiert, kennt die Reflexe auf Giesings Höhen. "Manche Fans, die träumen schon wieder", weiß Miller und hebt vor dem Duell Erster gegen Letzter am zweiten Spieltag mahnend den Finger: "Löwen, fangt jetzt bloß nicht zu spinnen an!"

Bernhard Winkler: Fans dürfen Träumen, Verantwortliche müssen realistisch bleiben

Bernhard Winkler stößt in dasselbe Horn. Dem früheren Aufstiegs- und Bundesliga-Knipser hat die weitgehend souveräne Premiere durchaus imponiert. "Die Art und Weise, wie Sechzig in Meppen gespielt hat, war sehr erfreulich", sagte er.

Früherer Löwen-Torjäger: Bernhard Winkler.
Früherer Löwen-Torjäger: Bernhard Winkler. © sampics/AK

Doch auch Winkler warnt: "Es ist noch zu früh, um von einem guten Start zu sprechen. Die Fans dürfen ruhig träumen. Aber die Verantwortlichen müssen realistisch bleiben. Bei 1860 darf keiner größenwahnsinnig werden." Für Michael Köllner und Sport-Boss Günther Gorenzel hat Winkler lobende Worte parat: "Die Mannschaft gibt auf dem Platz ein gutes Bild ab, jeder ist für den anderen da. Die Mischung im Kader stimmt."

Was beide Löwen-Legenden freut: Auch abseits des Platzes läuft es derzeit rund, wenngleich Winkler dem Frieden noch nicht so recht traut: "Zur Vereinspolitik will ich mich lieber nicht äußern. Man weiß ja: Fußball ist Tagesgeschäft."

Miller zum Burgfrieden bei 1860: "Jetzt haben sie wahrscheinlich alle einen Hals gehabt"

Heißt: Gerade die nächste Krise wird zum Gradmesser, wie groß die Harmonie bei den Blauen wirklich ist. Winklers Worte zeigen auch: Frisch sind noch die Spuren, als das Vereinsidol auf der Mitgliederversammlung 2018 von vielen Fans angefeindet worden war.

Millers Theorie, weshalb sich die Gesellschafter endlich zusammengerauft haben: "In den letzten neun Jahren ist so viel schief gegangen. Es ist einfach Wahnsinn, wie lange da immer wieder gegeneinander gearbeitet worden ist. Jetzt haben sie wahrscheinlich alle einen Hals gehabt, dass so natürlich nie etwas vorwärts geht."

Hoffen auf die Fan-Rückkehr ins Grünwalder Stadion

Schade nur, dass Sechzigs Heimpremiere gegen Magdeburg unter Ausschluss der Zuschauer stattfinden muss. "Das wäre sicher ein Fußballfest geworden, wobei ich schon den Tag herbeisehne, wenn wieder 15.000 Fans im Grünwalder sind", sagt Miller: "Aber die Sechzger-Anhänger sind so leidensfähig, da schaffen wir das auch noch - und die Löwen sind hoffentlich auch noch vorn dabei, wenn wir wieder ins Stadion dürfen."

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Bis dahin hoffen Miller, Winkler und die Fans darauf, dass sich zwei Dinge fortsetzen: Sechzger-Erfolge und bodenständige Arbeit statt Größenwahn. Millers Schlusswort, das er lachend wiederholt: "Also, bloß ned spinnen."

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