TSV 1860: Michael Köllners Traum vom Löwenhaus

Sechzigs Chefcoach Köllner beschreibt seine Vision mit der Mannschaft und dem Verein. "Wir haben hier kein Fertighaus gekauft", sagte er. Die AZ erklärt Fundament und Säulen des blauen Bauwerks.
| Matthias Eicher
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Sechzigs Chefcoach Köllner beschreibt seine Vision mit der Mannschaft und dem Verein
Sechzigs Chefcoach Köllner beschreibt seine Vision mit der Mannschaft und dem Verein © IMAGO / Lackovic

München - Liebe Löwen-Fans, schließt Eure Augen. Knipst eure Fantasie an, stellt es euch vor: Wie würde es aussehen, das Sechzger-Haus? Ein Gebäude, das die Mannschaft von Cheftrainer Michael Köllner bildlich darstellt. Irgendwo zwischen einer amateurhaft aufgebauten Bruchbude kurz vor dem Abriss - und einer schillernden, international bekannten Luxus-Villa.

Michael Köllner: "Wir haben kein Fertighaus gekauft"

Oben auf dem Giesinger Berg würde sie stehen, die Höhle der Löwen. Getreu den Vereinsfarben der Fußballer mit weißen Wänden und blauen Fenstern, ganz klar. Alles andere, geplant, konstruiert und eingerichtet von Köllner und Günther Gorenzel, befindet sich noch mitten im Umbau. Auch, wenn es manchem Anhänger nicht schnell genug gehen kann mit der Einweihungsfeier.

"Wenn ich mal so einen Vergleich ziehen darf", meinte Köllner während der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Samstag beim 1. FC Saarbrücken (14 Uhr) - und zog diesen mit einem ausführlichen Ausflug in die Bau-Branche: "Wir haben hier kein Fertighaus gekauft. Ich bin nicht zu 1860 München gekommen, habe zu Hasan Ismaik, unserem Präsidenten und der bayerischen Versicherung gesagt: 'Ich brauche zehn Millionen! Kauft mir ein Fertighaus, das stellen wir hin, morgen kommen wir mit den Möbeln, ziehen ein und in vier Wochen garantiere ich euch: Wir marschieren durch die Liga!' So ist es nicht."

Vielmehr gelte es, sie weiter zu hegen und zu pflegen - die Giesinger Großbaustelle von Michl, dem Baumeister.

Michael Köllner ist Bau- und Hausmeister

Das Fundament des köllnerschen Hauses, es ist derzeit dank weiß-blauer Einigkeit unter den Gesellschaftern stabil. Nicht zuletzt dank (Finanz-)Planer Marc-Nicolai Pfeifer und Sport-Kollege Gorenzel. Köllners passende Weisheiten: "Du kannst keine Möbel reinstellen, wenn noch kein Estrich drin ist. Du kannst es schon machen, aber dann stehst du im Rohbau, hast noch keine Fenster - und stellst eine teure Ledercouch rein?"

Vielmehr müsse man "die Dinge nach und nach entwickeln". Hier kommt wieder der 51-Jährige ins Spiel: Neben seiner Funktion als Baumeister ist der Oberpfälzer auch Hausmeister, wenn man so will: Er kümmert sich um alle Bereiche, platziert neues Inventar und versucht, sämtliche Schäden zu reparieren. "Wir sind keine Mannschaft, die davon lebt, 20 fertige Spieler für ein Schweinegeld gekauft zu haben."

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Vielmehr soll das sorgsam ausgewählte Interieur um Sascha Mölders wachsen, jeder Baustein an die richtige Stelle gesetzt werden. Umso besser für 1860, dass der Toptorjäger als eine der stabilsten Säulen nach seiner Verlängerung auch 2021/22 noch mithilft, die Tragfähigkeit zu gewährleisten.

Michael Köllner: "Es fehlt noch ein Stück weit die Qualität"

Zurück zur hohen Erwartungshaltung der Blauen, das laufende Projekt endlich fertigzustellen: "Man denkt immer: Ihr müsst doch schon weiter sein, die Fenster sind doch schon längst drin", führt Köllner aus, um dieser These zu widersprechen: "Nein, so ist es nicht, auch wenn es manchmal gut scheint." Tabellenplatz vier und gerade Sechzigs phänomenaler Start in die laufende Spielzeit sind hier zu nennen.

Dabei weiß Köllner, der etwas genauer auf das Innere seines Löwen-Häuschens zu sprechen kommt, "wir haben Spieler, die viel Potenzial haben, aber es fehlt noch ein Stück weit die Qualität". Gerade gegen Abwehr-Bollwerke, wie zuletzt Meppen (1:1), Zwickau (0:1) und Aufstiegsrivale Hansa Rostock (0:0) offenbaren sich viele von Köllners Kicker als unfertig. Ungewohnt deutlich kritisiert er: "Wir sind technisch nicht gut genug. Wir verbribbeln uns, nehmen Bälle nicht gut genug an."

Für die Überzahlphase gegen Rostock gelte: "Wir hatten zu wenig Chancen. Punkt, aus."

Wie gut, dass seine Jungs lernwillig sind und Gegner Saarbrücken laut Köllner als "fußballerisch gute Mannschaft" offensiver agiere. Zudem sind in 15 verbleibenden Spielen noch satte 45 Punkte zu vergeben. Zeit genug also, um das Giesinger Gebäude in die Höhe zu ziehen - und es vielleicht schon Ende Mai zu einem zweitklassigen Bauwerk zu küren.

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