TSV 1860 gegen Kaiserslautern im AZ-Check: Der Pakt mit den Teufeln

Am Samstag kommt es zum Duell TSV 1860 gegen 1. FC Kaiserslautern. Die AZ vergleicht die Vereine. "Beide müssen die Gratwanderung zwischen traditionellen Werten und Kommerzialisierung hinbekommen", meint Sportchef Günther Gorenzel.
| Matthias Eicher
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Wer darf feiern, wer muss jammern? Am Samstag empfängt Sechzig um Mölders (l.) Kaiserslautern mit Thiele.
dpa/Tobias Hase/Augenklick/Kunz/Rauchensteiner/AZ Wer darf feiern, wer muss jammern? Am Samstag empfängt Sechzig um Mölders (l.) Kaiserslautern mit Thiele.

München - Blaue Löwen gegen Rote Teufel. Sechzig Mal gab es das Duell TSV 1860 gegen den 1. FC Kaiserslautern bereits, meistens in der Bundesliga. Mit 15 Siegen, 17 Remis und 28 Niederlagen hat der TSV klar das Nachsehen. Aktuell sind beide Traditionsklubs nur noch ein Schatten ihrer selbst – und in einer vergleichbaren Notlage. "Sechzig gegen Lautern, es ist das Duell zweier Traditionsvereine mit langer Geschichte.

Beide Klubs müssen die Gratwanderung zwischen traditionellen Werten und Kommerzialisierung hinbekommen", erklärt Sportchef Günther Gorenzel vor der Neuauflage: Am Samstag treffen sich die beiden Schwergewichte im Grünwalder Stadion zum zweiten Duell in der Dritten Liga (14 Uhr im AZ-Liveticker). (Lesen Sie auch: Lautern träumt noch vom Aufstieg)

1860-Sportchef Gorenzel mit Lautern-Vergangenheit

Gorenzel kennt nicht nur die Sechzger: Zwischen Sommer 2011 und März 2012 war er unter Marco Kurz Co-Trainer der Pfälzer, die 1860 in der Hinrunde mit 1:0 am Betzenberg geschlagen hatten. "Ich kenne die Situation da oben", sagt er über Lauterns Entwicklung: "Sie haben massiv investiert, aber nie den Sprung in die Bundesliga geschafft." Gorenzel bescheinigt den Lauterern dabei "eine ähnlich Situation wie bei uns".

Sechzigs (unfreiwilliger) Pakt mit den Teufeln – die AZ zieht den Vergleich zwischen den Löwen und dem FCK:

Sportliche Situation: Beide Klubs vereint traditionell hohes Anspruchsdenken. Die Kluft zur bitteren Realität? Enorm! Drittliga-Aufsteiger Sechzig hat mit der leicht negativen Bilanz von fünf Siegen, acht Remis und sechs Niederlagen als Zwölfter 23 Punkte auf dem Konto und droht mit einer Pleite gegen Lautern noch näher an den Abstiegsrängen zu überwintern. (Lesen Sie auch: Sechzig ist reif für die Winterpause)

Einzigartige Fotos von der Wiedergeburt des TSV 1860

Zweitliga-Absteiger Lautern ist mit 25 Punkten Zehnter – und hegt nach Michael Frontzecks Rauswurf und der Trendwende unter Neu-Trainer Sascha Hildmann (vier Punkte aus zwei Spielen) tatsächlich sanfte Aufstiegsträume: "Ich lasse nicht zu, dass jemand aufgibt. Die Mannschaft hat ein großes Potenzial", sagte der FCK-Trainer dem "Kicker" über die Herausforderung, die bei 13 Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz größer kaum sein könnte. Gorenzel zum Duell: "Lautern fährt mit den eineinhalb Erfolgserlebnissen mit einem guten Gefühl her, sie haben die etwas bessere Ausgangslage."

Auch der 1. FC Kaiserslautern hat Geldprobleme

Finanzielle Lage: Zwei Traditionsklubs, über beiden schwebt das Damoklesschwert. 1860 wirtschaftet derzeit defizitär, laut Geschäftsführer Michael Scharold drohen ohne die Unterstützung von Investor Hasan Ismaik, die von den Vereinsbossen um Präsident Robert Reisinger künftig nur noch in Form von (frühzeitigem) Sponsoring akzeptiert werden soll, deutliche Einschnitte. Gorenzel erhofft sich "Klarheit im Januar" über den Etat der kommenden Spielzeit. Der 47-Jährige weiß auch, wie schlimm es um die Lauterer steht: Es sei "Wahnsinn", in welcher "Schere" sich Lautern befinde.

Die Roten Teufel brauchen rund zwölf Millionen Euro bis Anfang März, sonst drohen Lizenzentzug und Zwangsabstieg. Gorenzel: "Das ist eine Teufelsspirale."

Stadionproblematik: Sechzigs Stadionfrage ist bekannt: Mieter im Grünwalder Stadion, derzeit mit unrentabler Auslastung von 15.000 Zuschauern – und keine Zweitligatauglichkeit. Im Januar soll es seitens der Stadt Klarheit bezüglich Kosten und Ausbau-Möglichkeiten geben. Lautern hat ein ähnliches Problem wie Sechzig einst mit der Allianz Arena. Das Fritz-Walter-Stadion fasst zwar 49.850 Zuschauer, aber: "Die Miete ist brutal", weiß Gorenzel. Nach AZ-Informationen muss Lautern jährlich fünf Millionen Euro für das Stadion hinblättern, das der Klub 2003 an die Stadt verkaufen musste.

Anhänger: Hier sind beide Fan-gruppen, die eine Freundschaft verbindet, top. Lautern verzeichnet mit 23.352 Zuschauern den Drittliga-Bestwert, 1860 ist mit 15.000 Zuschauern Dritter und hat mit 100 Prozent die mit Abstand beste Auslastung. Insgesamt für beide zu wenig – weshalb das Fußball-Fest am Samstag von den Leiden beider Traditionsklubs überschattet wird.

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