Interview

Marco Hiller im AZ-Interview: "Weicheier gibt's bei Sechzig nicht!"

Unumstrittene Nummer eins und Leistungs-Löwe: Der Sechzig-Keeper spricht in der AZ über seinen blutigen Derby-Crash mit Bayerns Zirkzee, Vereinstreue - und natürlich das Spitzenspiel gegen den FC Ingolstadt.
| Matthias Eicher
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Der gezeichnete Derby-Held des TSV 1860: Marco Hiller
Der gezeichnete Derby-Held des TSV 1860: Marco Hiller © imago images / Fotostand

München - AZ-Interview mit Marco Hiller: Der 23-jährige Derby-Held aus dem Spiel gegen den FC Bayern II ist unter Trainer Michael Köllner die unumstrittene Nummer eins bei den Löwen.

AZ: Herr Hiller, Sie sind nach dem 2:0 gegen den FC Bayern II trotz zwei tiefer, blutender Wunden im Gesicht wieder aufgestanden und zu einem Derby-Helden geworden, obwohl Sie laut Sportchef Günther Gorenzel aussahen, als hätten Sie "gegen Klitschko gekämpft". Wie sollen wir Sie nennen, Vitali oder Wladimir?
MARCO HILLER: Das können Sie sich aussuchen. (lacht) Es ist unglaublich, welch hohe Wellen diese Aktion geschlagen hat. "Klitschko", "Braveheart", "Teufelskerl", "Kämpfer" - ich habe viele neue Spitznamen bekommen. Viele Leute haben mir witzige Bilder geschickt, wo mein Kopf auf Boxern oder sonst wem per Photoshop drauf montiert war. Dieses Spiel werde ich nie vergessen.

Marco Hiller behält nach Sieg gegen FC Bayern II Narben zurück

Der Übeltäter, Jung-Star Joshua Zirkzee, wurde von vielen Löwenfans kritisiert. Wie bewerten Sie selbst die Szene, was bleibt zurück?
Es war einfach eine blöde Situation: Er zieht voll durch, das muss er natürlich nicht machen. Aber es war keine Absicht, dass er mich getroffen hat. Er kam gleich nochmal her und hat sich entschuldigt. Er hat mir danach auch persönlich nochmal geschrieben. Aber das Wichtigste war sowieso der Derbysieg - und den haben wir geholt. Ansonsten geht's mir wieder gut, ich konnte schon am nächsten Tag wieder trainieren. Wenn ich in den Spiegel schaue, sind da halt jetzt zwei Narben.

1860-Keeper Marco Hiller blutet nach einem Foul von Bayern-Angreifer Joshua Zirkzee im Gesicht.
1860-Keeper Marco Hiller blutet nach einem Foul von Bayern-Angreifer Joshua Zirkzee im Gesicht. © imago images/Lackovic

"Weicheier gibt's bei Sechzig nicht"

Da müssen wir fast ganz plakativ fragen: Sind Sie der härteste Hund der Löwen - und wer ist der größte Jammerlappen?
Ich denke, wir haben viele harte Hunde und hoffe, dass wir das in dieser Hinsicht so schnell nicht mehr zeigen müssen. Einen richtigen Jammerlappen haben wir zum Glück nicht drin. Kein Wunder, wir sind Löwen - das passt gar nicht zu unserer Vereinsphilosophie. Aber in der Kabine wird schon mal gemeckert: Der Vino (Daniel Wein, d. Red.) sitzt neben mir, der sagt schon mal: "Boah, heute nochmal Training!" (lacht) Aber Weicheier gibt's bei Sechzig nicht.

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Ihr Trainer Michael Köllner erlebte einen schweren Abend: Nach dem Derby wurde die traurige Nachricht vom Tod seines Vaters publik. Wie ist die Mannschaft damit umgegangen?
Es war für uns alle ein Schock: Alle hatten gute Laune, wir haben zum ersten Mal das Derby gewonnen und der Sascha Mölders geht mit uns in die Westkurve, um den Fans etwas dafür zurückzugeben, dass sie auch in schweren Zeiten immer da sind und hinter uns stehen. Dann erfährt man eine so traurige Nachricht. Aber ich fand es unglaublich gut vom Trainer, wie er damit umgegangen ist. Vor dem Spiel hat das ja kein einziger von uns mitbekommen. Umso schöner, dass wir auch für ihn die drei Punkte geholt haben.

Sprechen wir über Ihre Entwicklung: Sie sind nun schon öfter einer der besten Spieler gewesen. Wie zufrieden sind Sie damit?
Ich bin schon recht zufrieden. Nach dem Bayern-Spiel musste ich mir für meine Nominierung zum "Ultimate Team" von Fifa Sprüche anhören: "Das war nur, weil er sich ins Gesicht treten lässt…" Es ist wichtig, konstant auf hohem Niveau zu spielen. Meine Vorderleute müssen ja wissen, dass man sich auf den da hinten verlassen kann. Ich habe auch viel an meinen Schwächen gearbeitet. Wir haben eine starke Achse, das geht hinten los und zieht sich nach vorne durch bis zu Sascha.

Hiller: "Lauter zu sein als Mölders, ist schwer"

Sie sind mit 23 Jahren schon ein Führungsspieler. Wie wollen Sie bei 1860 wahrgenommen werden, als Akteur und Persönlichkeit?
Ich bin jetzt nicht der größte Lautsprecher, aber das ist schon besser geworden. Lauter zu sein als Mölders, ist eh schwer. (lacht) Ich denke, ich habe sportlich den nächsten Karriereschritt gemacht. Es reicht mir vollkommen, wenn mich die Leute als echten Löwen wahrnehmen, der sehr gerne für den Verein spielt und alles für Sechzig gibt.

Das führt uns zu der Frage, ob Sie es früher oder später machen wie Hachings Torhüter-Talent Nico Mantl: Er soll vor einem Winter-Wechsel zu RB Salzburg stehen. Muss sich auch 1860 Sorgen machen, seinen Schlussmann (Vertrag bis 2022, d. Red.) zu verlieren?
Zur Zeit muss sich da keiner Sorgen machen.

Sie haben schon mal ein höherklassiges Angebot ausgeschlagen, soweit wir wissen.
Ja, das stimmt. Aber für mich war immer klar, dass ich mit 1860 hochgehen will. Klar, wenn ein Bundesligist anklopft, würde man sich Gedanken machen. Wenn Borussia Dortmund sagt: "Hey, wir wollen Dich als unsere Nummer eins", da würden wohl wenige Torhüter Nein sagen. Aber mein Traum ist es, mit 1860 aufzusteigen und irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Das wäre doch auch ein toller Eintrag in die Geschichtsbücher.

Hiller: "Mit dem Derby-Sieg haben wir endlich einen Fluch abgelegt"

Um der Zweiten Liga ein Stück näher zu kommen, steht am Montag Abend das Duell mit dem FC Ingolstadt an (19 Uhr, MagentaSport und im AZ-Liveticker). Wie kann 1860 die Schanzer packen?
Ich denke, das ist ein Duell auf Augenhöhe. Klar ist Ingolstadt sehr stark und hat einen breiteren Kader, aber wir haben mit Merveille Biankadi auch einen guten Typen dazu bekommen. Er passt gut in die Mannschaft, und hat gegen die Bayern einen optimalen Einstand gefeiert. Ich hoffe, er macht gleich so weiter. Es wird die Mannschaft gewinnen, die es schafft, ihre Leistung auf den Punkt abzurufen.

Wenn da nur nicht dieser "Spitzen-Fluch" wäre: Sechzig konnte noch nie gegen ein Top-Team der Liga gewinnen…
…wird Zeit, dass sich das ändert. Wir haben auch schon oft gute Leistungen gegen diese Mannschaften gezeigt. Mit dem Derby-Sieg haben wir letzte Woche endlich einen anderen Fluch abgelegt. Am besten, wir machen gegen Ingolstadt dort weiter, wo wir gegen die Bayern aufgehört haben.

Und im Sommer wird eine Aufstiegsparty gefeiert?
Bis dahin ist es noch ein langer Weg, jetzt ist dann gerade mal die Hinrunde vorbei. Wenn es so kommen würde, dann hoffentlich wieder mit Fans im Stadion. Es ist schon komisch, in der leeren Westkurve zu feiern. Was nach unserem Aufstieg 2018 abgegangen ist, war unglaublich. Natürlich würden wir das alle gerne nochmal erleben und eine Liga höher spielen.

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