Interview

Kult-Sechzger Winkler: "Die Löwen müssen sagen: Wir wollen aufsteigen!"

Ex-Löwe Bernhard Winkler spricht im AZ-Interview über das Duell der Roten Teufel gegen den TSV 1860, seine größten Erfolge bei beiden Klubs und die unliebsame Favoritenrolle der Sechzger
| Matthias Eicher
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Bernhard Winkler, Ex-Torjäger des TSV 1860, stieg 1994 mit den Löwen in die Bundesliga auf..
sampics/Augenklick Bernhard Winkler, Ex-Torjäger des TSV 1860, stieg 1994 mit den Löwen in die Bundesliga auf..

AZ: Herr Winkler, immer dann, wenn die beiden Traditionsklubs TSV 1860 und 1. FC Kaiserslautern aufeinandertreffen. . .
BERNHARD WINKLER: . . .denke ich sehr gerne an meine Zeit bei beiden Vereinen zurück. Jedes Jahr um die Juni-Zeit erinnere ich mich an 1991: die Meisterschaft mit dem FCK. Der größte Moment meiner Karriere.

Kein Wunder, denn weder damals, noch aktuell ist der FC Bayern leicht zu ärgern.
Absolut, das war damals eine ganz enge Geschichte. Bei den Bayern ist es nicht ganz rund gelaufen und wir hatten ein absolutes Team, keine Querelen. Ich denke mir immer wieder: So ruhig, wie es damals war, hat rund um Kaiserslautern kaum einer mitbekommen, dass wir die Bundesliga-Tabelle anführen, bis wir Meister geworden sind. Ich bin sehr glücklich, dass ich damals dabei sein durfte und werde dem FCK immer verbunden bleiben.

Winkler: "Köllner und Gorenzel machen einen sehr guten Job"

Wenn man Sie so hört, könnte man glatt glauben, Sie wären eher ein Teufel als ein Löwe.
Sie kennen mich ja und wissen, dass es anders ausschaut. (lacht) Natürlich bin ich den Löwen noch enger verbunden. Das Saisonfinish 1994 in Meppen werde ich nie vergessen, als uns der Peter Pacult hochgeschossen hat. Da hab ich ja auch ein bisserl mitgeholfen.

Mit ihrem kongenialen Partner Pacult (18 Tore) haben Sie (16 Treffer) 1860 die Rückkehr in die Bundesliga beschert.
Als ich nach dem Aufstieg aus der Bayernliga kam, galten wir als Abstiegskandidat - und sind direkt durchmarschiert! Insgesamt ist es also keine Frage: Sechzig ist mein Verein, ich war neun Jahre lang als Spieler hier und später in anderen Funktionen (Jugendtrainer, Teammanager, d. Red.) Das war eine Wahnsinns-Zeit, die ich nicht missen möchte. Bei uns war auch viel mehr los als in Lautern 1991, viel mehr Leute haben mitgefiebert.

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Von den guten, alten Zeiten in die Gegenwart: 1860 hat mit fünf Punkten aus drei Spielen einen soliden Auftakt hingelegt, wenngleich mit viel Luft nach oben. Wie bewerten Sie den Saisonstart?
Michael Köllner und Günther Gorenzel machen einen sehr guten Job, holen viel aus ihren Möglichkeiten. Leider hat es im letzten Jahr nicht ganz für den Aufstieg gereicht, aber wenn man ehrlich ist, hat einfach ein Stück Qualität gefehlt. Sicher ist auch jetzt noch nicht alles Gold, was glänzt. Vielleicht hat Sechzig jetzt mehr Leistungsfähigkeit, wenn wichtige Leute fehlen. Aber das lässt sich noch nicht beurteilen.

Haben Sie das Derby gegen Türkgücü gesehen?
Ja, und ich muss ehrlich sagen: Wenn Türkgücü nicht bei jeder Gelegenheit probiert hätte, die Hundertprozentigen auch noch ins Tor zu tragen, hätten die 4:1 gewonnen. Aber es spricht für Sechzig, in Unterzahl noch mal so zurückzukommen.

Winkler: "Wenn 1860 effektiver wird, können sie das Ding heimschaukeln"

Ein Knackpunkt dürfte sein, ob die Systemumstellung funktioniert - und das neue Sturmduo so performt wie damals Pacult und Winkler.
Meine Spielphilosophie ist: immer zwei Spitzen. Du brauchst Präsenz im Strafraum. Sascha Mölders hat seine Torjäger-Qualitäten über den Sommer sicher nicht verloren. Marcel Bär hat sein Können schon angedeutet, aber er braucht natürlich eine Eingewöhnungszeit, die man ihm geben muss. Du kannst auch im 4-3-3-System Torgefahr erzeugen, aber dann brauchst du über die Außen zwei Raketen. Das sind Merveille Biankadi und Stefan Lex, aber keine Goalgetter. Ich habe manchmal gerade bei Biankadi das Gefühl, dass der gar nicht weiß, wie gut er ist und bringt sich manchmal mit überhasteten Aktionen um den Lohn. Aber ich bin guter Dinge, dass sich das einpendelt.

Am besten, es klappt am Samstag, vor 20.000 Fans auf dem legendären Betzenberg. Wie muss der TSV 1860 bei krisengeschüttelten Lauterern auftreten?
Sechzig muss das Thema mit der Favoritenrolle in den Griff kriegen. Mit dem Druck musst du umgehen können und ja auch selbst den Anspruch haben. Die Löwen müssen sich sagen: "Mensch, wir wollen aufsteigen!" Da wehrt sich auch kein Fan, wenn du mal mit 1:0 gewinnst. Für Lautern geht es schon um viel und sie müssen schon jetzt etwas riskieren. Das Torverhältnis von 0:5 spricht Bände, dabei hat Lautern eigentlich die Qualität. Von daher schätze ich, dass es eine enge Kiste wird, vielleicht ein 2:2. Wenn 1860 effektiver wird, können sie das Ding heimschaukeln - das wär' mir natürlich am liebsten.

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