Entfesselte Löwen: Die Gründe für Sechzigs Pokal-Sensation

Der TSV 1860 überzeugt beim 1:0-Triumph über Zweitligist Schalke 04 in der 2. Runde des DFB-Pokals, der Plan von Trainer Michael Köllner geht voll auf. "Es gab überhaupt keinen Klassenunterschied."
| Matthias Eicher
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Die Löwen jubeln über das 1:0 gegen den FC Schalke 04.
imago images/Sven Simon 4 Die Löwen jubeln über das 1:0 gegen den FC Schalke 04.
Sechzig eins, Schalke null: Underdog 1860 schafft ausgerechnet gegen den favorisierten Zweitligisten den Befreiungsschlag.
picture alliance/dpa 4 Sechzig eins, Schalke null: Underdog 1860 schafft ausgerechnet gegen den favorisierten Zweitligisten den Befreiungsschlag.
Sechzigs Schlitzohr: Torjäger Sascha Mölders, gebürtiger Essener, klebt auf dem Trikot den Namen der Schalker ab (siehe Kreis).
sampics 4 Sechzigs Schlitzohr: Torjäger Sascha Mölders, gebürtiger Essener, klebt auf dem Trikot den Namen der Schalker ab (siehe Kreis).
Ein Hoch auf Euch: "Es war die perfekte Symbiose", sagt Torschütze Stefan Lex über Fans und Mannschaft der Löwen.
imago images/MIS 4 Ein Hoch auf Euch: "Es war die perfekte Symbiose", sagt Torschütze Stefan Lex über Fans und Mannschaft der Löwen.

München - Der Sascha hatte es vorgemacht. Sechzigs Schlitzohr Mölders hatte den königsblauen Kontrahenten schon vor Anpfiff von seinem Löwen-Leiberl gestrichen. "Ich bin ein Essener Junge und dann tue ich mir schwer damit, wenn Schalke 04 auf meinem Trikot steht und deswegen habe ich es abgeklebt", meinte Mölders hinterher bei "Sky". Die Sechzger taten es ihrem Kapitän auf dem Rasen gleich – und entfernten S04 aus dem DFB-Pokal.

Sechzig eins, Schalke null: Underdog 1860 schafft ausgerechnet gegen den favorisierten Zweitligisten den Befreiungsschlag.
Sechzig eins, Schalke null: Underdog 1860 schafft ausgerechnet gegen den favorisierten Zweitligisten den Befreiungsschlag. © picture alliance/dpa

Drittligist TSV 1860 agierte gegen den Bundesliga-Absteiger im Grünwalder von der ersten Sekunde an so, wie es sein muss, wenn man seinen Gegner (aus dem Bewerb) entfernen will: Sechzig zeigte sich entfesselt – und die AZ zeigt auf, warum es dann auch für die Pokal-Sensation reichte.

Die Gründe für den Pokal-Erfolg

Bärenstarkes Löwen-Rudel: Nicht nur die elf Sechzger, die von Beginn an auf dem Platz standen, wuchsen über sich hinaus. Auch Quirin Moll, der den gelb-rot-gefährdeten Daniel Wein ersetzte, sowie die eingewechselten Fabian Greilinger, Marius Willsch, Semi Belkahia und Tim Linsbichler.

Dieses Pokal-Duell offenbarte, was Trainer gerne gebetsmühlenartig predigen: Damit es zum Sensationssieg reicht, muss (fast) jeder über sich hinauswachsen. "Wir haben zur Pause gesagt: Wir werden das bei dieser Intensität nur miteinander schaffen", meinte Stefan Lex. "In Amerika heißt es so schön: 'Next man up.' Da muss der nächste Spieler ran – und seine Leistung bringen. Das ist uns heute gelungen." Torhüter Marco Hiller stellte daher fest: "Es gab überhaupt keinen Klassenunterschied."

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Neue Marschroute für Königsblau

Endlich keine Favoritenrolle, die Sechzig in dieser Saison oft zu erdrücken scheint, der Drittliga-Goliath 1860 durfte endlich in die Rolle des Pokal-Davids schlüpfen. "Es ist immer schwerer für den Verein, der eine Liga weiter oben spielt. Das hat man bei uns gegen Buchbach gesehen, heute hat man es bei Schalke gesehen", erklärte Hiller und schob genüsslich hinterher: "Wir haben beide Spiele gewonnen."

Köllners Matchplan: Der 51-Jährige hatte sich für Schalke eine neue Marschroute zurechtgelegt. Neu-Löwe Marcel Bär, der bisher oft nicht recht zur Geltung kam, lief im zentralen Mittelfeld auf. Eine Maßnahme, die sich auszahlte. Zudem setzte Köllner gegen den (über-)mächtigen Gegner darauf, von Beginn an voll darauf, "aggressives Pressing und Forechecking zu spielen". Der einfache Grund: Der Funke sollte sofort überspringen. "Damit wir die Fans gleich hinter uns bringen", sagte Lex über die Trainer-Ansage. Ein Plan, der voll aufging – und mit der frühen Führung (5. Minute) gekrönt wurde.

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Lex: Im Pokal "treffe ich fast immer"

Ein 1860-Held vorne wie hinten: Lex machte ausgerechnet gegen Schalke einen Haken hinter seine Ladehemmung (seit Februar 2020 kein Ligatreffer). "Es ist ja Pokal, da treffe ich fast immer", scherzte er. Mindestens ebenso wichtig war Torwart Hiller (siehe unten). Ein Held vorne, einer hinten – die Pokal-Protagonisten.

Königsblaue (Ver-)Zocker: Mancher Löwen-Fan sah wohl nicht recht: S04-Trainer Dimitrios Grammozis ließ gleich mehrere Leistungsträger draußen, auch Zweitliga-Rekordtorjäger Simon Terodde. 1860 hatte freilich nichts dagegen und hielt in Überzahl auch nach Teroddes Einwechslung dicht (62.).

Wieder volles Grünwalder

Die Rückkehr der Ultras: Mit einer eindrucksvollen Choreographie, die sich gegen den DFB und den BFV richtete und 1860 "die besseren Trümpfe" attestierte, kehrten die "Münchner Löwen" in ihre Kurve zurück. "Mich hat ein Gegenspieler in der Halbzeit gefragt, was wir denn für Fans haben und ob das immer so sei", meinte Lex lachend über Schalkes Zalazar, der sich ungläubig über die ohrenbetäubenden TSV-Anhänger erkundigt hat. Ganz normaler Löwen-Wahnsinn. Comebacker und Schalke-Fan Willsch meinte: "Das ausverkaufte Haus hat uns die letzten Prozente gebracht."

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Der 1860-Traum im Pokal geht weiter. Und welchen Namen würden Sie dann am liebsten im Achtelfinale durchstreichen, Herr Mölders? "Ich wünsche mir einen Bundesligisten. Am liebsten das große Derby." Die schier übermächtigen Goliath-Bayern – aber die sind ja seit Mittwochabend raus...

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