Blaues Bankproblem: Der Kader des TSV 1860 stößt an seine Grenzen

Beim 1:2 des TSV 1860 in Dresden offenbart sich eine große Schwachstelle - der dünn besetzte Kader. Alles eine Frage der Alternativen? "Es war von vornherein klar, dass wir konsolidieren müssen", sagt Trainer Michael Köllner.
| Matthias Eicher
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Müssen die Saison mit einem überschaubaren Kader planen (v.l.): Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel und Coach Michael Köllner.
Müssen die Saison mit einem überschaubaren Kader planen (v.l.): Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel und Coach Michael Köllner. © sampics / Stefan Matzke

München/Dresden - Löwen, das war nix: Trotz der 1:0-Führung durch den Volley-Volltreffer von Phillipp Steinhart gingen die Sechzger bei Dynamo Dresden als Verlierer vom Platz.

Und zwar, weil sie in vielfacher Hinsicht nichts nachzulegen hatten. Das 1:2 des TSV 1860 beim Zweitliga-Absteiger offenbarte einmal mehr: Bei den Löwen fehlt es noch zum absoluten Spitzenteam.

"Es war ein extrem hart umkämpftes Spiel. Von Beginn an hat man gemerkt, dass beide Mannschaften Feuer reinlegen", erklärte Sechzigs Cheftrainer Michael Köllner nach der ersten Auswärts-Niederlage des TSV in der laufenden Saison. Feuer, Leidenschaft, Kampfgeist: All das haben die Köllner-Löwen und legen es regelmäßig in ihre Spiele.

Dem TSV 1860 fehlt die Konstanz

Auch in Dresden. Der 50-Jährige hat 1860 auch spielerisch weiterentwickelt, wovon gegen den alles andere als überzeugenden Ost-Klub aber nicht allzu viel zu sehen war.

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Das Problem: Der TSV reiht zwischen seine siegreichen Spiele immer wieder Misserfolge ein - und zwar zumeist solche, die unter anderen Umständen womöglich vermeidbar wären. Alles eine Frage der Alternativen? "Ich kann gerne nochmal an die Phase Ende Juli, Anfang August erinnern", sagte Köllner: "Da haben uns viele - auch unsere eigenen Fans - als Abstiegskandidaten gehandelt. Wir haben nicht viele Transfers gemacht, haben 17 Spieler verloren. Dass wir nicht Woche für Woche auf Top-Niveau spielen, war klar."

TSV 1860: Dennis Erdmann musste als Stürmer ran

Die Achillesferse der Blauen ist nicht unbedingt die Startelf. Performt das Stammteam um Sascha Mölders, Stefan Lex und Co., dann läuft's bei 1860 zumeist. Erwischt der ein oder andere Leistungsträger (wie in Dresden) einen schwachen Tag oder kommen gar Verletzungen hinzu (wie erneut bei Marius Willsch), fehlen die Impulse. Wo gerade Gegner Dresden und viele anderen Teams hochkarätige Auswechselspieler haben, kommt die Bank der Blauen ziemlich dünn, jung und unerfahren daher.

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Selbst Investor Hasan Ismaik, der die Niederlage in den Sozialen Medien als "ärgerlich" bezeichnete, hakte diese nicht zu Unrecht als "Lernprozess" ab. Joker Fabian Greilinger (72.) konnte ebenso wenig Akzente setzen wie Johann Djayo, der erst in der 85. Minute eingewechselt wurde. Beim 6:1 gegen Halle gelang dem Youngster zwar ein Assist für Erik Tallig, der ebenfalls eingewechselt worden war - allerdings war das Spiel zu diesem Zeitpunkt auch längst gelaufen.

Auffällig: Köllner wechselt zumeist recht spät, was nicht unbedingt auf seinen bedingungslosen Glauben an eine schlagkräftige Auswechselbank zeugt. "Es war von vornherein klar, dass wir konsolidieren müssen und es war auch klar, dass wir jungen Spielern eine Chance geben", verteidigte sich Köllner bereits vergangene Woche. Schon zuvor durfte sich Dennis Erdmann zwei Mal in der Schlussphase (erfolglos) als Brecher im Angriff versuchen - als gelernter Abwehrspieler. Ein zweiter Stoßstürmer ist in Sechzigs Kader erst gar nicht zu finden.

Muss ab und zu als Stürmer aushelfen: Abwehrspieler Erdmann.
Muss ab und zu als Stürmer aushelfen: Abwehrspieler Erdmann. © sampics / Stefan Matzke

Köllner über Transfers: Wir haben den Markt im Blick

In personeller Hinsicht hat Köllner in naher Zukunft nach dem Ausfall von Stürmer Martin Pusic eine Option weniger. Der Österreicher hat bei einem Zweikampf im Abschlusstraining nämlich einen Bruch des Mittelhandknochens erlitten und wurde am Montag operiert. Er wird nun etwa zwei Wochen fehlen und das blaue Bankproblem verschärfen. "Wir müssen Schritt für Schritt unseren Weg weitergehen. Ich bin damit zufrieden. Auch mit der Situation, dass wir auf der Bank viele junge Spieler haben", sagte Köllner: "Du musst auch den Mut haben, zu diesen Spielern zu stehen - und ihnen das Vertrauen zu geben."

Ob in ihm und Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel dennoch die Erkenntnis reift, im Winter nachzulegen? Köllner hält "nichts von einer Panikmache", doch er sagt auch: "Wir erledigen im Verein unsere Hausaufgaben, dass wir den Markt und alle Positionen im Blick haben. Damit können wir, wenn irgendwas sein sollte, reagieren."

Alles eine Frage des (fitten) Stammpersonals, der Entwicklung von Sechzigs Ersatzspielern und der Größe des Lazaretts.

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