1860-Trainer Michael Köllner: Mir hat kein Gesellschafter was getan

Der zweite Teil des großen Weihnachts-Interviews der AZ mit Michael Köllner: Der neue Löwen-Trainer über verschenkte Punkte, Sturm-Oldie Mölders, Spielmacher Bekiroglu und Giesinger Grabenkämpfe.
| Interview: Matthias Eicher und Krischan Kaufmann
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Die Rivalität zwischen 1860 und dem FC Bayern ist natürlich vor allem beim Stadtderby in der 3. Liga zu sehen.
sampics/Augenklick Die Rivalität zwischen 1860 und dem FC Bayern ist natürlich vor allem beim Stadtderby in der 3. Liga zu sehen.

AZ-Interview mit Michael Köllner. Der ehemalige Nürnberger Aufstiegstrainer (50) übernahm den TSV 1860 nach dem Abgang von Daniel Bierofka und hat die Sechzger seitdem nicht nur sportlich stabilisiert. Teil 1 noch nicht gelesen? Hier entlang!

AZ: Herr Köllner, nach dem Aus von Vereins-Ikone Daniel Bierofka beherrschten Giesings Höhen Unsicherheit und Skepsis. Wie begeistert sind Sie selbst von Ihrem gelungenen Start beim TSV 1860?
MICHAEL Köllner: Mit unserer Entwicklung in den ersten Wochen bin ich zu 100 Prozent zufrieden. Ein Vorteil war sicherlich, eine intakte Mannschaft zu übernehmen. Leider hatten wir einige Verletzungen, aber die gehören zum Fußball. Natürlich hatte ich mir erhofft, dass ich schnell ankomme. Wir haben sehr hart für die erbrachten Leistungen gearbeitet. Ich freue mich sehr, dass die Mannschaft den Trainerwechsel so schnell verkraftet hat und sich auf mich einlässt.

Unter dem Strich stehen zwei Siege und drei Remis. Wie ärgerlich ist für Sie im Nachgang, dass Sechzig den Lohn zwei Mal in Überzahl noch hergeschenkt hat?
Die Frage ist: Wie definiert man Lohn? Natürlich ärgert es mich im ersten Moment, dass wir den Sieg gegen Großaspach und in Ingolstadt noch aus der Hand gegeben haben. Als Trainer sitzt man ja nicht gemütlich in der 50. Reihe auf der Tribüne und trinkt in Ruhe einen Kaffee oder ein Bier. Man geht emotional mit, keine Frage. Wichtig ist aber, dass man eine Entwicklung sieht – die Ergebnisse stellen sich dann automatisch ein.

Köllner: Nicht gekommen um im Mittelfeld der Dritten Liga zu bleiben

Bei Ihrer ersten Pressekonferenz haben Sie erklärt: "Wenn wir die nächsten fünf Spiele gewinnen, gehen wir als Dritter in die Winterpause."
Das habe ich in einem humoristischen Kontext gesagt. Die Tabelle zeigt, dass wir mit dieser Punktzahl tatsächlich Dritter wären (lacht). Viel wichtiger: Gegen den FC Bayern II, in Unterhaching oder Ingolstadt hatten wir brutal schwere Spiele, da hättest du auch chancenlos sein können. Unser Ziel war eine sorgenfreie Saison. Jetzt sind wir froh, dass wir uns ein Polster nach unten geschaffen haben.

Die Rivalität zwischen 1860 und dem FC Bayern ist natürlich vor allem beim Stadtderby in der 3. Liga zu sehen.
Die Rivalität zwischen 1860 und dem FC Bayern ist natürlich vor allem beim Stadtderby in der 3. Liga zu sehen. © sampics/Augenklick

Bei 1860 herrschen grundsätzlich hohe Erwartungen. Wie denken Sie über die Sehnsucht nach dem Aufstieg?
Ich bin nicht hergekommen, um in den nächsten drei Jahren 11., 13. und 14. zu werden. Wir müssen sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Erstmal ist wichtig: Was können wir bis zum Sommer leisten? Parallel dazu müssen wir Entwicklungen für die kommenden Jahre anstoßen. Jeder, der Geld in Profiteam und ins NLZ steckt, muss merken: Dieses Geld ist gut angelegt.

Was können Sie als Trainer dazu beitragen? Der Etat für die kommende Saison soll Stand jetzt auf 2,4 Millionen Euro gekürzt werden.
Als Trainer musst du deinen Job im sportlichen Bereich erledigen, die Spieler besser machen: Nicht nur junge Spieler, auch einen Sascha Mölders. In Nürnberg wurde der Etat auch immer kleiner und kleiner. Nichtsdestotrotz ist es möglich, etwas zu erreichen. Der TSV 1860 ist ein Verein mit großer Strahlkraft. Wenn er für Spieler eine attraktive Adresse ist, weil sie wissen, dass sie sich hier verbessern, ist das eine wichtige Facette. Wenn das Potenzial von außen positiv wahrgenommen wird, stellen potenzielle Sponsoren vielleicht fest, dass ein Engagement interessant sein kann, weil hier etwas möglich ist.

Mölders vom Rücktritt abhalten? Er wird selbst entscheiden

Apropos Mölders: Wann setzen Sie Ihre Überredungskünste ein, um ihn von seinen Abschiedsplänen abzubringen?
Wenn ihm da einer jetzt permanent im Genick sitzt, nervt ihn das doch nur. Der Junge ist ja keine 17 mehr, sondern doppelt so alt. Er wird seine Entscheidung treffen. Jetzt ist nur wichtig, dass er sich wohlfühlt und in jedem Spiel an seinen Leistungshorizont herankommt. Alles andere wird man sehen.

Sie hatten kürzlich mit Günther Gorenzel eine Kadersitzung. Wie bekommt man die Situation mit rund 20 auslaufenden Verträgen in den Griff – und wie hält man einen so beschlagenen Spielmacher wie Efkan Bekiroglu?
Entscheidend ist: Wie kann man die Jungs entwickeln? Wenn wir 30 Spieler länger unter Vertrag hätten, bliebe null Spielraum, das wäre auch nicht gut. Efkan muss am Ende für sich selbst bewerten: Ist es richtig, hierzubleiben? Kann ich mich hier weiterentwickeln? Jeder Spieler will eine Liga höher spielen, das ist ganz normal. Aber am Ende kommt es auf die Mentalität jedes Einzelnen an: Es müssen elf Männer, elf Löwen, auf dem Platz stehen, die voller Überzeugung alles dafür tun, dass Sechzig erfolgreich ist. Die Löwen sind nämlich ein Pfund. Der Verein möchte perspektivisch die Zweite Liga anpeilen. Er hat Charisma, die Stadt eine hohe Lebensqualität. Es gibt nur wenige Klubs mit diesem attraktiven Gesamtpaket.

Damit wären wir bei den Gesellschaftern angelangt: Die Kluboberen und Investor Hasan Ismaik sind von einer Gemeinschaft weit entfernt.
Ich habe bislang von allen Seiten ausnahmslos eine große Unterstützung erfahren. Am Ende möchten alle das Beste für den Verein – und das ist entscheidend. Insofern bin ich guter Dinge, dass dies auch in den nächsten fünf Jahren so ist. Mir hat kein Gesellschafter was getan und ich denke, das wird auch so bleiben (lacht). "Gemeinsam für Sechzig" – das ist der richtige Weg.

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