1860-Präsident Reisinger zum Stadionumbau: "Ich kann nicht alles auf eine Karte setzen"

Die Pläne für den Umbau des Grünwalder Stadions stehen, doch Löwen-Präsident Robert Reisinger will sich vorerst nicht nur auf eine Option festlegen.
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Robert Reisinger, Präsident des TSV 1860 München.
Robert Reisinger, Präsident des TSV 1860 München. © imago images / MIS

München - Sieben Spieltage vor Saisonende findet sich der TSV 1860 München auf Tabellenrang vier. Mit nur fünf Zählern Rückstand auf die Tabellenspitze bzw. vier auf einen direkten Aufstiegsplatz, darf man in Giesing durchaus noch von einer Rückkehr in die 2. Bundesliga träumen.

Sportlich hätten die Löwen sicherlich nichts dagegen, doch ein Aufstieg wäre aktuell mit einem Problem behaftet. Für die technischen Anforderungen, die in der 2. Liga herrschen, ist das Grünwalder Stadion in seinem derzeitigen Zustand nicht tauglich. Pläne für einen Ausbau und eine Überdachung sind vorhanden, Baukosten werden kolportiert, aber wie steht es derzeit um die Modernisierung des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße und was will man beim TSV 1860?

Reisinger: "Ich bin ein Verfechter wirtschaftlich tragfähiger Lösungen"

Gegen die Gerüchte, dass es bei den Umbauplänen des Grünwalders stockt, wehrt sich Robert Reisinger vehement. "Die Stadt München hat 2019 eine Machbarkeitsstudie für einen Umbau in Auftrag gegeben und im gleichen Jahr das Ergebnis den Vereinen und der Öffentlichkeit vorgestellt. 2020 wurde ein positiver Bauvorbescheid erlassen. Das geschieht nicht, wenn die Stadt überhaupt kein Interesse daran hätte. 2021 will der Stadtrat darüber entscheiden. Wie die Politik warten auch wir als Klub derzeit noch auf konkrete Details und Planungszahlen", so der Löwen-Präsident in einem Interview mit dem Münchner Wochenanzeiger.

Dass Reisinger ein Verfechter eines Stadionneubaus an andere Stelle als Giesing sei, weist der 56-Jährige vehement zurück. "Ich bin ein Verfechter wirtschaftlich tragfähiger Lösungen für den TSV 1860 und einer genauen Prüfung aller Umstände". In der Stadionfrage mit einem kategorischen Ausschluss à la "Grünwalder und sonst nix" alles auf eine Karte setzen, könne er, ohne alle entscheidungsrelevanten Fakten zu kennen, als Präsident und Gesellschaftervertreter gar nicht. 

Problem beim geplanten Stadionumbau ist, wie meistens, das liebe Geld. Ursprünglich hatte das Architekturbüro Albert Speer und Partner für den Umbau Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro veranschlagt. Wie viel die Ertüchtigung des Sechzgerstadions in der Praxis tatsächlich kosten würde, lässt sich aber noch nicht exakt abschätzen. Kein Wunder also, dass die Stadt von den Vereinen ein Bekenntnis zum Ausbau fordert.

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Das sich die Löwen im Grünwalder wohlfühlen und das Stadion für den TSV 1860, sowohl kulturell als auch sportlich, sehr wichtig ist, hat der Verein seit mehreren Jahren immer wieder öffentlich betont. Allerdings gibt Reisinger deutlich zu verstehen, dass dieses Bekenntnis nicht als formelle Erklärung zu verstehen ist.  "Die kann es aber auch nicht geben, solange nicht klar ist, was wann wie und in welchem Umfang umgebaut werden soll, welche Nutzungs- und wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten sich für die Profi-Fußballgesellschaft daraus ergeben und wie hoch die künftige Miete sein wird", so der Löwen-Boss, der damit in dasselbe Horn bläst, wie 1860-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer.

Aktuell beträgt die Miete 8,5 Prozent der Bruttoeinnahmen pro Spieltag. Bei Spielen ohne Zuschauern wird lediglich ein Mindestentgelt in Höhe von 2.500 Euro fällig.

Der Verein könne sich erst dann auf einen bestimmten Zeitraum festlegen, wenn konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen, mit denen die Geschäftsführung Berechnungen anstellen kann. Fehler aus der Vergangenheit, wie bei der Allianz Arena will man nicht wiederholen. 

"Der Mythos Sechzger-Stadion bewegt Menschen"

Einen Neubau im Münchner Stadtgebiet hält Reisinger aktuell für illusorisch und auch einem Umzug ins altehrwürdige Olympiastadion, in dem die Löwen am Samstag zum kleinen Stadtderby gegen Türkgücü München antreten (14 Uhr live im BR und im AZ-Liveticker), steht Reisinger skeptisch gegenüber. "Das Olympiastadion Ist ein Leichtathletikstadion und für Fußball nur bedingt geeignet. Zudem können bis zum Jahr 2080, dann ist der Tod des Architekten 70 Jahre her, aus urheberrechtlichen Gründen keine baulichen Veränderungen durchgeführt werden", klärt der Löwen-Präsident im Münchner Wochenanzeiger auf.

Von der Wichtigkeit des Grünwalder Stadions in Giesing ist Reisinger überzeugt: "Der TSV 1860 München hat hier eine emotionale Heimat, die durch nichts zu ersetzen ist. [...] Der Mythos Sechzger-Stadion bewegt Menschen und ist für den Klub ein Rettungsanker."

Ein umgebautes Grünwalder Stadion mit einem reduzierten Fassungsvermögen von 18.100 Zuschauern, hält Reisinger sowohl in der 3. als auch in der 2. Liga für geeignet. "Die Hälfte der aktuellen Zweitliga-Klubs spielt in Stadien mit geringerer Kapazität", begründet er seine Haltung. Für den 56-jährigen Löwen-Boss ist es wichtig, dass es einen wirtschaftlich zu betreibenden VIP- und Businessbereich gibt und aus dem Stadion-Catering Einnahmen erzielt werden können. 

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