DFB-Elf: Was Jogi Löw bis zur EM noch verbessern muss

Nordirland 6:1 besiegt, Gruppenerster in der Quali für die EM 2020 – der Neubeginn in der DFB-Elf nach dem WM-Debakel schreitet gut voran. "Das Jahr war gespickt mit Problemen", sagt Löw. Ein Zwischenfazit.
| Patrick Strasser
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"Wir können zufrieden in die Länderspiel-Winterpause gehen", sagt Bundestrainer Joachim Löw nach dem 6:1-Sieg über Nordirland.
Uwe Anspach/dpa "Wir können zufrieden in die Länderspiel-Winterpause gehen", sagt Bundestrainer Joachim Löw nach dem 6:1-Sieg über Nordirland.

Frankfurt - Ob es für die ominösen Töpfe, die Lostöpfe, das richtige Ergebnis war, wird sich in neun Tagen bei der Auslosung der Vorrunden-Gruppen der EM 2020 zeigen. Für die eigenen Taschen war das 6:1 der Nationalelf gegen Nordirland genau das Richtige. Denn durch den Gruppensieg kassieren die DFB-Kicker insgesamt drei Millionen Euro Prämie (statt zwei Millionen für Platz zwei), die sie unter sich aufteilen dürfen.

Ein Dreierpack von Serge Gnabry, ein Doppelschlag von Leon Goretzka und ein einsames Nachspielzeit-Tor von Julian Brandt – fertig war ein perfekter Jahresausklang. Sechs Tore gegen ein Team, das in sieben Gruppenspielen zuvor lediglich sieben Gegentore kassiert hatte.

Die Umbruch-Mannschaft zeigte zum Abschluss des Länderspieljahres Spielfreude, Torhunger und damit ihr Potenzial für künftige Aufgaben. Unterm Strich steht in zehn Spielen nur eine Niederlage, das durch den Gruppensieg zu verschmerzende 2:4 gegen Holland. Und zwei Unentschieden in den Tests gegen Serbien (1:1) und Argentinien (2:2).

In den übrigen sieben Quali-Spielen lieferte man ab: zwei Siege gegen Nordirland (insgesamt 8:1 Tore), zwei gegen Weißrussland (6:0) und zwei gegen Estland (11:0). Herausragend: das 3:2 im März in Amsterdam.

"2019 ist für die deutsche Nationalmannschaft das Jahr des Neubeginns", erklärte Bundestrainer Löw, nachdem er am Faschingsdienstag Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller an der Säbener Straße persönlich mitgeteilt hatte, dass sie vorerst nicht mehr zum Kreis der Nationalelf zählen. Nach dem Kehraus für das Weltmeister-Trio von 2014 kündigte Löw an: "Wir wollen den Umbruch, den wir Ende letzten Jahres eingeleitet haben, fortsetzen."

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Das funktioniert bei der Nationalmannschaft bereits:

Löw hat neue Hierarchien geschaffen, klare Ansagen gemacht. Kapitän Manuel Neuer hat der Bundestrainer gestärkt, weil er den Anfang des Jahres ausgerufenen Konkurrenzkampf mit seinem Rivalen Marc-André ter Stegen wieder kassiert hat. Neuer ist die klare Nummer eins – und zahlt das mit Leistung zurück. Joshua Kimmich machte Löw zum unumstrittenen Sechser, der im neuen Mittelfeld-Dreieck mit Toni Kroos und Ilkay Gündogan (bei einer offensiveren Aufstellung würde für ihn Leverkusens Super-Talent Kai Havertz spielen) agiert. Die Offensive um Gnabry, Brandt sowie Timo Werner und Marco Reus ist treffsicher. Das Gefüge stimmt, ist von der Mannschaft akzeptiert.

Daran hapert es bei der DFB-Elf derzeit noch:

Gegen Nordirland zeigte die verjüngte Mannschaft, was sie zuvor oft vermissen ließ: Konsequenz. Das Tempo durchziehen, nicht nachlassen. Ging zu oft schief in diesem Länderspieljahr. Gegen Holland führte man 1:0, geriet in Rückstand, konnte dann auch das zwischenzeitliche 2:2 nicht halten. Gegen Argentinien verlor man die Kontrolle und den Sieg: Aus 2:0 wurde ein 2:2. Hier fehlten noch Cleverness und Abgezocktheit. Das muss öfter klappen als gegen Nordirland. Aber der Reifeprozess läuft.

Daran muss Joachim Löw noch arbeiten:

Das Abwehrverhalten muss entschlossener werden. In die Aufstellungen muss Konstanz rein. Was man Löw nach den Langzeitverletzungen von Niklas Süle und Antonio Rüdiger, das für die EM eingeplante Innenverteidiger-Pärchen, nicht vorwerfen kann. Matthias Ginter und Jonathan Tah sind hervorragende Verteidiger, aber auf international höchstem Niveau nicht die Aushängeschilder. Auf den Außenverteidigerpositionen hat die DFB-Elf viel Auswahl (Klostermann, Kehrer und Can rechts sowie Schulz, Halstenberg und Hector links), aber keine Weltklasse. Hier sucht Löw nach der besten Lösung.

Das sagt Joachim Löw zum Umbruch-Jahr:

"Das Jahr war gespickt mit Problemen und Herausforderungen, aber wir können zufrieden in die Länderspiel-Winterpause gehen." Ende März stehen die ersten EM-Tests an, unter anderem in Madrid gegen Spanien. Auf ein Neues in 2020 – in 208 Tagen steigt in München das erste Gruppenspiel.

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