Großer Final-Schwur: «Hauen alles raus» - Beckenbauer adelt Löw

Im großen WM-Finale müssen Kapitän Lahm und Co. einen letzten Brocken aus dem Weg räumen, um Fußball-Geschichte zu schreiben. Argentinien ist vor allem Messi, Deutschland hat indes viele Trümpfe zu bieten.
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Mit Vollgas Richtung Titel: Das DFB-Team will gegen Argentinien den vierten WM-Titel für Deutschland holen.
dpa Mit Vollgas Richtung Titel: Das DFB-Team will gegen Argentinien den vierten WM-Titel für Deutschland holen.

Im großen WM-Finale müssen Kapitän Lahm und Co. einen letzten Brocken aus dem Weg räumen, um Fußball-Geschichte zu schreiben. Argentinien ist vor allem Messi, Deutschland hat indes viele Trümpfe zu bieten. Bundestrainer Löw möchte in die Trainer-Ruhmeshalle.

Santo André - "Jogis Jungs" sind bereit für das Spiel ihres Lebens - ohne den goldenen Weltpokal wollen sie das mystische Maracanã-Stadion nicht verlassen. Die deutschen Fußball-Lieblinge haben sich vor dem dritten großen WM-Finale gegen den Rivalen Argentinien auf einen historischen Triumph in Südamerika eingeschworen.

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"Ein WM-Finale ist das größte Spiel, das man als Fußballspieler erleben kann", schwärmte Thomas Müller am Freitag und versprach der Nation: "Wir hauen alles raus! Wir werden alles auspacken, was wir fußballerisch und kämpferisch in unserem Rucksack haben." Zwei besondere Edelfans, Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel als Glücksbringerin, zittern im Stadion mit.

Philipp Lahm will am Sonntag, kurz vor Mitternacht deutscher Zeit, als vierter Kapitän nach den Ehrenspielführern Fritz Walter (1954), Franz Beckenbauer (1974) und Lothar Matthäus (1990) die begehrteste Trophäe in die Höhe recken. "Es gibt nur eins", sagte der 30-Jährige. "Den Pokal, den wir uns so lange gewünscht haben, für den wir so viel gearbeitet haben, nach Deutschland zu holen. Das ist unsere Aufgabe!"

Auch Argentiniens "brandgefährliche Offensive" um Weltstar Lionel Messi, auf die Joachim Löw sein extrem erfahrenes Team akribisch vorbereitet, soll den deutschen Tor-Express (17 Turniertreffer) am Sonntag (21.00 Uhr/ARD) in Rio nicht mehr aufhalten. Spätestens nach dem 7:1 gegen Brasilien glauben fast alle Deutschen daran, dass die schon 18 Jahre währende Titel-Durststrecke seit dem EM-Triumph in England am 13. Juli 2014 enden wird. Auch für "Kaiser" Franz Beckenbauer, der als Spieler (1974) und Trainer (1990) die höchsten Fußballer-Weihen errang, kann der neue Weltmeister "nur Deutschland heißen".

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Nach 33 Tagen löste der riesige DFB-Tross am Freitag das ruhige Stammquartier Campo Bahia auf. Nach dem letzten Geheimtraining in Santo André war der Umzug in die pulsierende brasilianische Millionen-Metropole Rio de Janeiro terminiert. "Es ist eine große Aufbruchstimmung da", berichtete Teammanager Oliver Bierhoff, warnte aber auch vor dem bisweilen überbordenden Temperament der Südamerikaner: "Wir müssen damit rechnen, dass es sehr hitzig wird."

In Videoschulungen, Sitzungen und mit gedrosseltem Training bereitet Bundestrainer Löw seine Mannschaft auf die angestrebte historische Krönung vor - noch keine Mannschaft aus Europa ist in Südamerika bisher Weltmeister geworden. Für Torjäger Miroslav Klose liegt der Schlüssel zum vierten Titelgewinn wie beim Jahrhundertspiel gegen Gastgeber Brasilien in einem weiteren Gemeinschaftswerk. "Es geht nur über die Truppe", sagte der 36-Jährige vor seinem zweiten WM-Finale nach 2002.

Für eine finale magische Nacht muss Löw (54), der seine achtjährige Amtszeit als Chefcoach ebenfalls toppen und sich in die Ruhmesreihe der deutschen Weltmeister-Trainer Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer einreihen möchte, einen letzten Masterplan entwickeln. "Mit kluger Taktik, Einsatz und Willen wollen wir das Spiel für uns entscheiden", kündigte Assistent Hansi Flick an. "Ich denke, dass er alles richtig gemacht hat", sagte Beckenbauer über Löw, dem er unabhängig vom Finalausgang zum Weitermachen rät.

Löw kann aller Voraussicht nach die zuletzt so starke Stammelf aufbieten. Auch Mats Hummels behindert eine leichte Knieblessur nicht mehr entscheidend. Oder überrascht der Bundestrainer personell noch mal? "Jeder muss versuchen, im Finale etwas Neues zu machen, etwas Entscheidendes. Das wird ein sehr taktisches Spiel", sagte Klose.

Große Geheimnisse bergen beide Teams eigentlich nicht, abgesehen davon, dass Argentinien noch mit einem Blitz-Comeback des verletzten Champions-League-Siegers Angel di Maria von Real Madrid pokert. Messi? Di Maria? Agüero? Keine Frage: Deutschland ist nach der 7:1-Gala im Halbfinale gegen Rekordweltmeister Brasilien auf den gesamten Globus der klare Favorit, auch wenn Argentinien im Turnierverlauf mehrere schmucklose Willenssiege aneinanderreihen konnte.

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"Es ist ein WM-Finale, da kommt ein Brocken auf uns zu", sagte Toni Kroos. Der Münchner hat sich zu einer Kapazität aufgeschwungen. "Unser Mittelfeld ist bei dieser WM immer sehr dominant", lobte Löw das Kraftzentrum, in dem sich Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira an der Seite von Kroos ins Turnier quälten.

Die Mannschaft hat in den mehr als 40 Tagen seit dem Start ihrer Titelmission am 21. Mai mit dem Trainingslager in Italien eine enorme Entwicklung durchlaufen. "Was sich in den sieben Wochen von Südtirol bis hier getan hat, ist ein Wahnsinn", sagte Flick staunend.

Vieles, wenn nicht alles, dreht sich bei Argentinien um den viermaligen Weltfußballer Messi, der wie vor vier Jahren in Südafrika beim deutschen 4:0-Erfolg im Viertelfinale wieder auf dem Rasen leiden soll. Der vierfache Turniertorschütze ist der Schlüsselspieler beim Gegner, ihn gilt es vor allem zu stoppen. "Die Nummer 10 bei Argentinien war schon immer gefährlich, das war Maradona und ist jetzt Messi", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Messi kann Spiele im Alleingang entscheiden", warnte Klose.

Aber Deutschland hat Thomas Müller (5 Tore), der wie 2010 nach der Torjägerkrone greift. Deutschland hat den WM-Rekordschützen Klose (16 Treffer). Deutschland hat Manuel Neuer, den Giganten im Tor. Und Deutschland hat eine Generation von Nationalspielern um Lahm, Klose, Schweinsteiger, Mertesacker und Podolski, die nach mehr als 100 Länderspielen und mehreren vergeblichen Anläufen endlich als goldener Jahrgang vor den Augen der Weltöffentlichkeit triumphieren will.

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"Wir gehen in das Spiel nicht als Underdog. Die Mannschaft ist mittlerweile gnadenlos, das durchzuführen", sagte Bierhoff stolz. "Wir sind jetzt so weit gegangen, das wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen." Der lockere Müller, der Messi bei diesem Turnier als Topstar ausstechen könnte, versuchte sich sogar als Spielertrainer: "Wir müssen von hinten gut aufbauen, viel verlagern, die Zwischenräume finden und schnell nach vorne kommen. Wenn das nicht hilft, machen wir ein Standardtor, da sind wir ja neuerdings die Könige." Ob Ecke oder Freistoß - diese Tore sind eine Stärke.

Das "beschissene" Gefühl, bei der Siegerehrung einem jubelnden Messi mit dem rund 6,2 Kilogramm schweren Weltpokal zusehen zu müssen, wollen sich Klose und Co. gar nicht ausmalen. "Wir sind einen Schritt davon entfernt, unser großes Ziel und unseren großen Traum zu erfüllen", beschrieb Lahm die historische Chance. 300 000 Euro Titelprämie winken jedem der 23 Akteure, 25,6 Millionen Euro würde der DFB als Preisgeld vom Weltverband kassieren. Der Ruhm, wieder führend in der Welt zu sein, wäre ungleich wertvoller.

 

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