Wie Oliver Kahn dem FC Bayern das Mia-san-mia-Gen einimpft

Oliver Kahn sollte beim FC Bayern nach und nach als Erbe von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aufgebaut werden. Durch die Corona-Krise rückt er sofort in eine Führungsrolle - und nimmt diese mit Elan an.
| AZ/sid
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Lenken bald die Geschicke beim FC Bayern zusammen: Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn.
imago/Sven Simon 2 Lenken bald die Geschicke beim FC Bayern zusammen: Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn.

München - Vom "Praktikanten" zum Chef in nur wenigen Wochen: Eigentlich sollte Oliver Kahn langsam in seine neue Rolle als Nachfolger von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge eingearbeitet werden - doch durch die Coronakrise ist der 50-Jährige bei Bayern München plötzlich in vorderster Front als Krisenmanager gefragt.

"Krisenzeiten erfordern spezielle Maßnahmen. Da kann ich es mir nicht auf dem Sonnendeck gemütlich machen, sondern muss im Maschinenraum mithelfen, dass das Schiff auf Kurs bleibt", sagte Kahn der Sport Bild.

Der frühere Weltklasse-Torhüter, der mit seinem Amtsantritt als Mitglied des Vorstands am 1. Januar beim Rekordmeister in die "Lehre" gehen sollte, ist nun unvermittelt zum Leiter der internen Corona-Task-Force aufgerückt.

Oliver Kahn lebt das "Mia san mia"

Kahn geht in diesen schwierigen Zeiten wie früher auf dem Fußballplatz vorneweg, er lebt das "Mia san mia" und übernimmt Verantwortung. Zuletzt richtete er zusammen mit Trainer Hansi Flick eine Videobotschaft an die 1080 Mitarbeiter. Der angedachte Lernprozess, der spätestens mit Rummenigges Abschied zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein sollte, findet nun eben unter Extrembedingungen statt.

Lenken bald die Geschicke beim FC Bayern zusammen: Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn.
Lenken bald die Geschicke beim FC Bayern zusammen: Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn. © imago/Sven Simon

Und Kahn nimmt die Leute in den vielen Konferenzen mit. "Ich bevorzuge einen partizipativen Führungsstil und kann mit steilen Hierarchien und starren Vorgaben nicht viel anfangen", betonte er.

Entscheidungen zu treffen bedeute heutzutage, "das vielfältige Wissen der Mitarbeiter einzubeziehen und offen zu sein für neue Perspektiven und gegensätzliche Standpunkte. Daraus erwachsen kreative Ideen und positive Veränderungen". Und natürlich, darauf legt Kahn großen Wert, geschehe alles "in enger Abstimmung mit dem gesamten Vorstand, unseren Führungskräften und den Mitarbeitern des FC Bayern". 

Neuzugänge müssen auch charakterlich zum FC Bayern passen

Auch bei der Auswahl möglicher Neuzugänge ist der "Mia san mia"-Faktor eine bedeutender Aspekt: "Um beim FC Bayern eine tragende Rolle zu spielen, müssen sowohl die sportlichen Fähigkeiten als auch die charakterlichen, mentalen Aspekte gut entwickelt sein", erklärte der Welttorhüter.

"Siegermentalität, Demut, Disziplin und Durchhaltevermögen gehören genauso zum Anforderungsprofil wie die sportliche Qualität des Spielers."

Entfesselter Jubel: Eigentlich wollte Oliver Kahn am 19. Mai 2001 den am Ende entscheidenden Freistoß in Hamburg schießen. Dann erledigte das Patrik Andersson und sicherte den Münchner mit dem 1:1 die Last-Minute-Meisterschaft im Fernduell mit dem FC Schalke 04.
Entfesselter Jubel: Eigentlich wollte Oliver Kahn am 19. Mai 2001 den am Ende entscheidenden Freistoß in Hamburg schießen. Dann erledigte das Patrik Andersson und sicherte den Münchner mit dem 1:1 die Last-Minute-Meisterschaft im Fernduell mit dem FC Schalke 04. © Rauchensteiner/Augenklick

Corona-Krise: Erinnerungen an den 11. September werden wach

Der derzeitige Ausnahmezustand stelle allerdings auch für den Titan noch "absolutes Neuland dar". Doch Kahn, ganz Sportler, sieht die Krise als "Chance, gestärkt aus ihr hervorzugehen und widerstandsfähiger gegen solche Schocks zu werden". Auch wenn man im Moment noch nicht so weit sei, wie er einräumt. Vielmehr gehe es in erster Linie noch darum, "gemeinsam mit allen Beteiligten großen Schaden vom Fußball abzuwenden".

Zumal die Corona-Pandemie für Kahn ein "epochaler" Einschnitt ist, wie etwa der 11. September 2001. Solche Erlebnisse brächten es mit sich, "dass wir innehalten und reflektieren". Doch niemand könne zum jetzigen Zeitpunkt "glaubwürdig vorhersagen, wie sich unser Leben und die Fußballwelt verändern wird". Vielleicht, so hofft Kahn, "wissen wir es wieder mehr zu schätzen, was den Fußball im Kern ausmacht, nämlich Spaß, positive Emotionen und gemeinsame Erlebnisse - und nicht Hass, Pöbeleien und Gewalt".

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