Was ist los beim FC Bayern München? Die Chaos-Theoroie

Beim Remis gegen Schalke 04 spielen die Bayern schwach. Trainer Ancelotti fehlt „Opferbereitschaft“, Breitner das "Durcheinander in der Offensive". Und auch im Team scheint nicht alles zu stimmen.
| Patrick Strasser
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"So kann man in den nächsten Wochen nicht agieren": Deutliche Worte von Kapitän Philipp Lahm (2.v.l.).
sampics/Augenklick "So kann man in den nächsten Wochen nicht agieren": Deutliche Worte von Kapitän Philipp Lahm (2.v.l.).

Beim Remis gegen Schalke 04 spielen die Bayern schwach. Trainer Ancelotti fehlt "Opferbereitschaft", Breitner das "Durcheinander in der Offensive". Und auch im Team scheint nicht alles zu stimmen.

Am Ende des Tages stand bei den Bayern unterm Strich: Vorsprung an der Tabellenspitze auf Verfolger Leipzig um einen auf vier Punkte ausgebaut. Die Bullen verloren 0:1 in Dortmund. Und dennoch dürfte die Laune der Leipziger besser gewesen sein als der Gemütszustand beim Titelverteidiger. Das schwache, ja, ernüchternde 1:1 gegen Schalke bedeutete das Ende der Siegesserie, zuletzt hatte man acht Mal hintereinander gewonnen. Was aber noch das geringste Problem war.

Das Bayern-Spiel hängt durch, der Haussegen an der Säbener etwas schief. Das eine bedingt das andere. Wer in die Gesichter der Bayern-Profis während des Spiels sah, wer bei den Statements nach Abpfiff zuhörte, der muss feststellen: Da braut sich was zusammen. Trainer Carlo Ancelotti raunzte mit zerknirschter Miene: "Das war zu wenig." Die Meinungsführer aus der Mannschaft, bereits nach den glücklichen 2:1-Siegen zum Jahresauftakt in Freiburg und Bremen kritischer als ihr Coach, äußerten sich deutlich wie nie in dieser Spielzeit. Torhüter Manuel Neuer: "Wir hätten uns gewünscht, dass wir spielerisch weiter sind. Man muss sich Gedanken darüber machen, wie wir Fußball spielen." Philipp Lahm schaute säuerlich drein, als er sagte: "Wir lassen zu viele Chancen zu und kreieren selbst zu wenige. Ich weiß nicht, wo man den Hebel findet, dass es wieder besser läuft." Der Kapitän schickte eine Warnung hinterher: "Die Mannschaft muss sich bewusst sein, dass man die nächsten Wochen so nicht agieren kann. Sonst sind wir ganz schnell in mehreren Wettbewerben auf einmal raus."

Mit Dämpfer in die Englischen Wochen

Zwei Spieler, eine Meinung – und eine Menge Sprengstoff. Und das zu Beginn der Englischen Wochen mit dem bevorstehenden DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfL Wolfsburg am Dienstag (20.45 Uhr) und dem eminent wichtigen Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Arsenal (15. Februar). Die entscheidende Phase der Saison beginnt. Es soll die Ancelotti-Spezialität sein, diese Crunchtime-Phase im Frühjahr. Und obwohl man seit November kein Spiel verloren hat, hat sich die Software im Bayern-Spiel aufgehängt. Ein Systemfehler des Programmierers?

"Es war kein Problem der Qualität, eher der Opferbereitschaft", analysierte Ancelotti, "wir müssen besser zusammenarbeiten." Fehlt abgesehen vom Engagement nicht vielmehr das überraschende Moment im Spiel, die taktische Flexibilität der Mannschaft, die unter Pep Guardiola zur erdrückenden Dominanz durch Power-Ballbesitzfußball geführt hat? Paul Breitner, dem 1974er Weltmeister und aktuellen Markenbotschafter der Bayern, vermisst das positive "Chaos", "das schnelle und hektische Durcheinander" in der Offensive. Die bayerische Chaos-Theorie.

Es gibt unterschiedliche Gruppen im Team

Ohne Thiago (kurz vor dem Comeback) fehlt eine ordnende Hand im Mittelfeld. Die meisten Akteure machen ihr Ding. Es hakt, auch im Mannschaftsgefüge. Es gibt unterschiedliche Gruppen, andere Herangehensweisen. Auf der einen Seite Kapitän Lahm und sein Stellvertreter Neuer, die Inbegriffe von Ehrgeiz und Erfolgshunger. Dazu zählen auch Mats Hummels, trotz seiner persönlichen (Tor-)Krise Thomas Müller und mit Abstrichen Jérome Boateng, allesamt Weltmeister von 2014. Plus Javi Martínez.

Auf der anderen Seite eine Gruppe, die die Dinge nicht immer so bierernst sieht. Arturo Vidal, Franck Ribéry, David Alaba, Rafinha und Douglas Costa, der sich mit seinen öffentlich geäußerten Abschiedsgedanken keinen Gefallen getan hat. Schließlich Typen wie Robert Lewandowski und Arjen Robben, die sehr auf ihr Ding fixiert sind – plus Routinier Xabi Alonso, der zu sehr damit beschäftigt ist, ein bestmögliches letztes halbes Jahr bei Bayern zu spielen. Wirklich homogen ist dieses Team derzeit nicht. Auch deshalb fehlt die Balance im Spiel. "Ich weiß natürlich, warum wir die teilweise nicht haben", sagte Hummels, "das werde ich aber nicht öffentlich sagen." Vielsagend ist es aber auf jeden Fall.

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