Vier Kabinenreden nach dem 7:0 – doch Kane hatte den größten Grund

Harry Kane erreicht gegen Union Berlin als schnellster Spieler die Marke von 100 Liga-Toren. Danach spricht der Bayern-Star über den Ballon d'Or, seine besondere Saison – und warum er keinen lauten Wahlkampf führen will.
von  Patrick Strasser
Bayerns Torjäger Harry Kane genießt mit Gattin Katie im Dirndl das Münchner Wiesn-Flair – auf dem Platz jagt er Rekorde, daneben träumt er leise vom Ballon d’Or.
Bayerns Torjäger Harry Kane genießt mit Gattin Katie im Dirndl das Münchner Wiesn-Flair – auf dem Platz jagt er Rekorde, daneben träumt er leise vom Ballon d’Or. © Sven Hoppe

Vor dem freien Wochenende gab es reichlich Redebedarf beim FC Bayern. Nein, nein, keine Krisensitzung. Obwohl: Gegen die so biederen Eisernen von Union Berlin wäre ein zweistelliger Sieg locker drin gewesen. Aber okay, 7:0 – passte auch. Vor allem, wenn dabei so viele persönliche Geschichten 'rumkommen.

Vier Reden, vier Geschichten in der Kabine

Vier kurze Reden wurden noch in der Kabine der Allianz Arena gehalten. Da war Serge Gnabry (31), der mit einem Kurzeinsatz sein Comeback nach fünfmonatiger Verletzung feierte. Da war Ismael Saibari (25), der seinen Premierentreffer im FCB-Trikot erzielt hatte. Da war Michael Olise, der seinen ersten Hattrick im dritten Jahr bei Bayern erzielt hatte – und kein Wunder, die kürzeste Ansprache hielt. Der 24-Jährige war aufgrund seines Dreierpacks, der Vorlage und des herausgeholten Elfmeters zum Spieler des Spiels gekürt worden – was obligatorisch ein TV-Interview bedeutet. Olise wollte nicht, sein Kumpel Jamal Musiala übernahm und sprach: "Deswegen bin ich nun hier." Schwamm drüber. Schließlich richtete auch Harry Kane in der Kabine ein paar Worte an seine Mitspieler und Trainer: Aus Dankbarkeit, weil er gegen Union per Elfmeter sein 100. Liga-Tor (der 101. Streich folgte nach der Pause) erzielt hatte.

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100 Liga-Tore – keiner vor ihm war schneller. Kane brauchte dafür nur 98 Spiele und damit 31 weniger als der bisherige Rekordhalter Dieter Müller (in den 70er Jahren für den 1. FC Köln). Letzte Saison kam der Brite in 51 Pflichtspielen für den FC Bayern auf 61 Treffer. Er gewann das Double, erreichte in der Champions League das Halbfinale, wurde WM-Dritter. "Die vergangene Saison wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben", sagte Kane, "so viele Tore zu erzielen, wichtige Tore für Bayern und England zu schießen. Es war die Saison, in der ich die meisten Titel meiner Karriere gewonnen habe." Der Mann ist reif – für die baldige Vertragsverlängerung bei Bayern und die Auszeichnung als Weltfußballer.

Bayerns Torjäger jubelt in der Allianz Arena: Mit seinem 100. Liga-Tor untermauert er beim 7:0 gegen Union Berlin seine Ambitionen auf den Ballon d’Or.
Bayerns Torjäger jubelt in der Allianz Arena: Mit seinem 100. Liga-Tor untermauert er beim 7:0 gegen Union Berlin seine Ambitionen auf den Ballon d’Or. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Kanes Ziel: Der Ballon d'Or

"Ja, es ist ein Ziel, der beste Spieler der Welt zu sein. Das wäre ein wunderbares Gefühl", sagte der Mittelstürmer im Interview mit dem französischen TV-Sender TF1. Der Ballon d'Or, ergänzte Kane, sei "die größte individuelle Auszeichnung, er ist etwas Besonderes." Dieses Ziel, die Verleihung findet am 26. Oktober in London – passender könnte es für Kane nicht sein – statt, geht er mit aller Demut an. Es gebe zahlreiche Kandidaten, so der Kane: "Mbappé, Dembélé, Yamal, Rodri – alles Topspieler." Die Wahl werde sehr "spannend", "weil dieses Jahr alles möglich ist. Da ist auch Michael Olise, der eine großartige Saison und eine starke Weltmeisterschaft gespielt hat."

Werbung in eigener Sache? So wie Barcelonas Flügelspieler Lamine Yamal mit seinen Worten ("Ich finde, der Ballon d'Or sollte an den besten Spieler der Welt gehen, Punkt. Nicht an einen Spieler, der 80 Tore geschossen hat")? Nicht mit Harry! Kane betonte, er wolle später einmal "als jemand in Erinnerung bleiben, der die Mannschaft über alles stellt und seine Mitspieler respektiert". Das macht er. Niemals, ergänzte er, sei ein Spieler "größer als seine Mannschaft, sein Verein oder sein Land. Ich habe immer hart gearbeitet, still und ohne mich in den Vordergrund zu drängen."

Bescheidenheit statt Wahlkampf

Hier die Gier, dort die Zier. Bescheidenheit ist eine Zier, sagt man, jedoch im Zusatz: Doch weiter kommt man ohne ihr. Kane versucht's auf seine Weise, sagt demütig: "Ich spreche auf dem Platz."

Für die Bayern um Ehrenpräsident Uli Hoeneß ("Harry hätte es extrem verdient. Wenn er es dieses Jahr nicht verdient, wann dann?") und Sportvorstand Max Eberl ("Kane ist eigentlich die klare Wahl") scheint die Sache klar. Einen Weltfußballer hatten die Bayern zuletzt 1981 mit Karl-Heinz Rummenigge. Aber deshalb nun wie verrückt für King Kane trommeln? "Es muss ja Wahlkampf gemacht werden", sagte Eberl nach dem Union-Spiel" und fügte hinzu: "Am besten sind die Spieler, die keinen Wahlkampf brauchen."

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