Unter Trainer Guardiola: Kimmich Top - Götze Flop

Aufgrund der großen Verletzungssorgen in der Bayern-Abwehr avancierte Joshua Kimmich unter Trainer Pep Guardiola zum Stammspieler. WM-Held Mario Götze muss nach seiner überstandenen Verletzung allerdings weiter auf der Bank schmoren.
| Maximilian Koch
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Joshua Kimmich (l.) ist aktuell der Bayern-Aufsteiger, Bankdrücker Mario Götze wird zum Absteiger.
dpa/AZ Joshua Kimmich (l.) ist aktuell der Bayern-Aufsteiger, Bankdrücker Mario Götze wird zum Absteiger.

München - Die Entwicklung von Defensiv-Allrounder Joshua Kimmich und Offensiv-Star Mario Götze könnten wohl kaum unterschiedlicher sein. Kimmich, nach den Verletzungen von Benatia, Boateng und Badstuber, mittlerweile in der FCB-Innenverteidigung gesetzt, wird von Bayern-Coach Pep Guardiola in den höchsten Tönen gelobt.  „Er kann überall spielen“, sagt er über Liebling Kimmich. Der Bayern-Youngster ist dank seiner Flexibilität sogar ein Kandidat für die EM. Warum eigentlich nicht als Rechtsverteidiger?

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Auf der anderen Seite steht Mario Götze – oder sitzt vielmehr... auf der Ersatzbank des FC Bayern. Statt sich mit einer starken Saison für die EM zu empfehlen, muss Deutschlands WM-Held auf der Bank ausharren. Ballack sagt: „Zu einem großen Spieler gehört auch eine kämpferische Seite. Die muss er jetzt zeigen.“

 

Der Aufsteiger: Joshua Kimmich

 

Sollte Joachim Löw auf die Meinung von Jérôme Boateng vertrauen, wäre die Entscheidung ganz schnell gefallen. „Er spielt in meiner Mannschaft, ich trainiere jeden Tag mit ihm. Bei mir wäre er dabei“, sagte der derzeit verletzte Abwehrchef des FC Bayern über die EM-Chancen von Joshua Kimmich, der im Topspiel beim BVB einmal mehr gezeigt hatte, dass er bereit zu sein scheint für nationale Aufgaben. Oder wie Boateng es bei dem PR-Termin in der Allianz Arena formulierte: „Er kann absolut auf dem Niveau mithalten.“

Allein schon diese Tatsache macht Kimmich, gerade 21 Jahre alt geworden, zu einem Kandidaten für die Nationalelf. Schließlich boten Bayern und Dortmund am Samstagabend technisch und taktisch höchstes internationales Niveau, das bei der EM kaum zu übertreffen sein wird, Löw selbst sprach vom „besten Bundesliga-Spiel der Saison“. Mittendrin: Kimmich, der die BVB-Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus geschickt bekämpfte und dabei so gelassen wirkte, als habe er wie Philipp Lahm gerade sein 300. Bundesliga-Spiel für die Bayern absolviert. Dabei war es Kimmichs 16. seit dem Wechsel im Sommer. Er ist zweifellos Bayerns Aufsteiger des Jahres.

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Man solle aufhören, Kimmich noch immer als Aushilfs-Innenverteidiger zu bezeichnen, fordert Bayern-Trainer Pep Guardiola. Seine Botschaft: Kimmichs Umschulung ist abgeschlossen. Im Rekordtempo – Kimmich spielte am 31. Januar gegen Hoffenheim erstmals in der Abwehrmitte – hat Pep den gelernten Sechser zum Boateng-Ersatz geformt. Gibt es eine bessere Empfehlung? „Das Thema Nationalmannschaft sehe ich bei Kimmich noch nicht“, sagte der frühere Bayern-Spieler Thomas Strunz der AZ: „Nur weil einer zehnmal für die Bayern gespielt hat, ist er nicht automatisch ein Kandidat.“ In der Tat hat der Youngster noch nicht mal eine ganze Saison auf Top-Niveau hinter sich. „Es braucht Konstanz in den Einsätzen und Leistungen“, sagte auch Löw.

Warum er das Bayern-Juwel trotzdem mit nach Frankreich nehmen könnte? Nun, dafür gibt es verschiedene Gründe. Auf der Innenverteidiger-Position wird Löw zwar aller Voraussicht nach auf sein WM-Duo Mats Hummels und Boateng vertrauen können. Der Bayern-Verteidiger plant im April sein Comeback. Doch dahinter fehlen die Alternativen. Holger Badstuber (Sprunggelenksfraktur) droht die EM zu verpassen. Auch der Schalker Benedikt Höwedes (Muskelfaserriss) fehlt bis April.

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Dank seiner Flexibilität (Pep: „Er kann überall spielen“) ist Kimmich, der aktuell noch zum Kader der deutschen U21 zählt, auch auf anderen Positionen ein Kandidat; als Sechser etwa oder, wie Dietmar Hamann anmerkt, als Rechtsverteidiger. „Die logische Variante“, twitterte der Ex-Nationalspieler. Seit dem Rücktritt von Lahm hat Löw keine überzeugende Lösung gefunden, Kimmich wäre mit seiner Schnelligkeit und Übersicht eine Option. Dass er dort bislang kaum gespielt hat, ist den jüngeren Erfahrungen nach nicht als Argument gegen ihn zu werten.

 

Der Absteiger: Mario Götze

 

In die Kamera lächelten beide. „Schön dich mal wieder getroffen zu haben!“, schrieb Mario Götze unter das Foto bei Twitter, das ihn mit seinem Kumpel Marco Reus zeigt. Doch während der Dortmunder völlig erschöpft in einer Eistonne steht, um seine müden Muskeln zu regenerieren, ist Götze schon auf dem Weg in den Münchner Mannschaftsbus – frisch geduscht und erneut mit der bitteren Erkenntnis, beim FC Bayern aktuell keine Rolle zu spielen.

Trainer Pep Guardiola zieht andere Offensivspieler dem Torschützen des WM-Finals vor. In der Stürmer-Rangliste der Bayern stehen Robert Lewandowski, Arjen Robben, Thomas Müller, Douglas Costa, Kingsley Coman und der ebenfalls wiedergenesene Franck Ribéry derzeit vor dem Ex-Dortmunder Götze. „Ich habe sieben Stürmer, da können nicht alle spielen. Das ist manchmal schwer für mich“, sagte Guardiola unlängst.

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Für Götze ist es wieder einmal eine unbefriedigende und schwierige Situation. „Das ist ein Prüfstein in seiner Karriere und seinem Leben“, sagte der frühere Nationalelf-Kapitän und Ex-Bayern-Profi Michael Ballack bei Sky90. Götze sei ein „fantastischer Fußballer und vielleicht das größte Talent, das wir in Deutschland seit vielen Jahren haben. Aber zu einem großen Spieler gehört auch eine kämpferische Seite. Die muss er jetzt zeigen.“

Mehr denn je ist Götzes Zukunft bei den Bayern ungewiss. Sein Vertrag läuft im Sommer 2017 aus. Wie der neue Coach Carlo Ancelotti Götze sieht, ist nicht bekannt. „Er muss den Kontakt mit Ancelotti suchen und seine Zukunft klären“, rät Sky-Experte Ottmar Hitzfeld. Bei Guardiola merke man, dass Götze „wenig Chancen hat. Pep hat sich entschieden, dass er auf andere Spieler setzt.“

Dies äußert Guardiola natürlich nicht. Er hoffe, dass er Götze möglichst bald einsetzen könne, sagte der Bayern-Coach vor dem Dortmund-Spiel: „Meine Meinung über ihn ist hoch. Er ist ein super Spieler, sehr professionell. Er denkt 24 Stunden an Fußball.“ Aber er brauche eben noch Zeit. Ribéry war noch länger ausgefallen als Götze. Doch auf den 32 Jahre alten Franzosen setzte Guardiola sofort wieder.

Sollte sich Götze nicht wieder verletzen, wird er bei der EM in Frankreich zum deutschen Kader gehören. Doch im Gegensatz zur WM in Brasilien, wo er meist nur als Joker zum Einsatz gekommen war – wie auch im Finale –, wollte der Mittelfeldspieler diesmal eine tragende Rolle in der Startelf spielen.

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Schon vor seiner Rückkehr vor einem Monat hatte Götze in der „SZ“ von einem „super wichtigen Jahr“ für ihn gesprochen. Er habe „einiges vor, mit Bayern und der Nationalmannschaft. Ich würde sehr gerne ein Gesicht des FC Bayern werden und eine noch größere Rolle spielen.“ 2016 spielt er überhaupt noch keine. Er ist Bayerns Absteiger das Jahres. Guardiola machte immerhin ein wenig Hoffnung, dass es besser werden könnte. Vielleicht am Samstag gegen Bremen? „Wir haben noch drei Monate, wir brauchen alle Spieler. Mario war und ist wichtig.“

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