Rummenigge exklusiv: Warum Wirtz kein Thema beim FC Bayern ist
Florian Wirtz ist noch immer für einen Hingucker gut - auf und neben dem Platz. Bei der DFB-Anreise in Augsburg am Sonntag trug der 23-Jährige vom FC Liverpool eine pinkfarbene Louis-Vuitton-Tasche, als er den wartenden Fans Autogramme gab. Wert: etwa 10.000 Euro. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und klar: So knallig, auffällig und exquisit würden Bundestrainer Jürgen Klopp und die deutschen Fans Wirtz gern am Donnerstag auch aus sportlicher Sicht erleben, wenn die DFB-Auswahl im dritten Nations-League-Spiel in der Allianz Arena auf Serbien trifft (20.45 Uhr/ZDF). Es wäre im Falle des Hochbegabten mal wieder nötig.

Formkrise nach Mega-Transfer
Nach einer enttäuschenden ersten Saison in Liverpool und einer sehr unauffälligen WM mit Deutschland lief der Start in diese Spielzeit erneut mäßig für Wirtz: sechs Pflichtspiele, kein Tor, nur eine Vorlage. Der Offensivstar ist meilenweit von der Form entfernt, die ihn vor anderthalb Jahren für Liverpool und den FC Bayern so interessant machte. Die Reds setzten sich in dem Transferpoker letztlich durch und zahlten rund 125 Millionen Euro Ablöse an Bayer Leverkusen. Inzwischen aber ist die Kritik in England groß. Wirtz, so heißt es immer wieder, sei nicht robust genug für die Premier League, er mache nie den Unterschied aus. Sogar über einen vorzeitigen Abschied wird spekuliert - zum FC Bayern?

Rummenigge bremst Bayern-Gerüchte
Aktuell ist an den Gerüchten nichts dran, wie die AZ erfuhr. Auf die Frage, ob er nach dem vergeblichen Werben im Frühjahr 2025 jetzt noch mal Kontakt zu Wirtz aufnehmen würde, sagt Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge im Gespräch mit der AZ: "Erst einmal ist das nicht mein Job." Sondern Sache des Vorstands. "Und man darf nicht vergessen", ergänzt Rummenigge: "Auf dieser Position spielen Jamal Musiala und Serge Gnabry, dazu gibt es weitere Optionen wie Ismael Saibari. Da muss man nicht noch einen vierten Spieler für das Geld kaufen, das Wirtz wahrscheinlich kosten würde. Deshalb sage ich: Jeden Schritt, den ein Spieler macht, muss er sich vorher gut überlegen." Das klingt nicht nach einem zweiten Vorstoß der Münchner. Auch Lennart Karl und Nathaniel Brown können als Zehner spielen.

Die Entscheidung für Liverpool
Wirtz entschied sich 2025 für Liverpool, weil ihn das Konzept des damaligen Trainers Arne Slot mehr überzeugte als der Plan von Bayern-Coach Vincent Kompany. Slot wollte Wirtz den Stammplatz als Zehner geben, bei Bayern hätte er um diese Position mit Musiala kämpfen müssen. Er sei überrascht, dass sich Wirtz in Liverpool so schwertue, sagt Rummenigge jetzt: "Ehrlich gesagt: ja. Uns wurde der Eindruck vermittelt, dass er deshalb nach Liverpool geht, weil ihm der damalige Trainer Arne Slot die Zehnerposition versprochen hatte, auf der er auch in Leverkusen gespielt hat. Das war ein wichtiger Faktor für seine Entscheidung pro Liverpool. Bei den Finanzen gab es keine dramatischen Unterschiede. Er hat sich so entschieden, und das haben wir akzeptiert."
Ungewisse Zukunft an der Anfield Road
Doch inzwischen ist Slot bei Liverpool Geschichte, Wirtz musste oft erfolglos auf dem Flügel spielen - und auch unter dem neuen Trainer Andoni Iraola läuft es nicht wirklich besser. Rummenigge will für die Zukunft zumindest nicht ganz ausschließen, dass Wirtz noch mal ein Thema bei Bayern werden könnte. "Ob irgendwann trotzdem etwas anderes möglich ist? Ich weiß es nicht", sagt der Aufsichtsrat: "Die Frage ist, ob Wirtz in Liverpool glücklich ist. Das kann ich nicht beurteilen. Uli (Hoeneß, d. Red.) und ich hatten eine Zeit lang Kontakt mit seinem Vater und seiner Mutter. Dann haben sie sich anders entschieden, und das haben wir respektiert."

Klopp über den "ungünstigsten aller Momente"
Wirtz hatte seine Chance, zum FC Bayern zu wechseln. Er hat Liverpool gewählt - im "ungünstigsten aller Momente", wie Bundestrainer Klopp sagt. Was er meint: Im Juli 2025 kam Liverpool-Angreifer Diogo Jota bei einem Autounfall ums Leben. "Nach diesem tragischen Todesfall ist Flo in eine Mannschaft gekommen, in der wahnsinnig viele Spieler dabei waren, bei denen der Fußball auf der Prioritätenliste nachvollziehbarerweise weit nach hinten gerückt war. Da zu kommen und die Kohlen aus dem Feuer zu holen, ist unmöglich", sagt Klopp. "Es war also eine sehr ungünstige Konstellation. Aber alle, die Fußball lieben, die sehen nach wie vor, was für ein außergewöhnlicher Spieler er ist." Das muss Wirtz jetzt wieder konstant zeigen.
