"Notnagel" Timoschtschuk fällt aus

Vor dem kurzen Flug nach Frankreich spitzte sich der bayerische Abwehrnotstand am Montag nochmals zu: Der in der Innenverteidigung als möglicher Notnagel eingeplante Anatoli Timoschtschuk meldete sich mit einem Magen-Darm-Infekt ab.
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Anatoli Timoschtschuk
dpa Anatoli Timoschtschuk

LYON - Vor dem kurzen Flug nach Frankreich spitzte sich der bayerische Abwehrnotstand am Montag nochmals zu: Der in der Innenverteidigung als möglicher Notnagel eingeplante Anatoli Timoschtschuk meldete sich mit einem Magen-Darm-Infekt ab.

Die Abwehrsorgen sind alarmierend, aber die Endspielrechnung des FC Bayern München soll notfalls auch ohne die Wackelkandidaten Daniel van Buyten und Martin Demichelis aufgehen. Mehr denn je muss Louis van Gaal im Halbfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/SAT.1 und Sky) gegen Olympique Lyon auch ohne den gesperrten Franck Ribéry auf die Offensivkraft seiner Mannschaft setzen – und dabei besonders auf Torgarant Arjen Robben.

„Wir machen normalerweise auswärts immer ein Tor – und dann muss Lyon schon drei schießen“, beschrieb der Bayern-Trainer nach dem 1:0 im Hinspiel seine Kalkulation für den ersehnten Einzug der Bayern in ihr erstes Champions-League-Finale seit dem Triumph 2001. „Wir haben eine Riesenchance, die wir nützen müssen“, sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger beschwörend in Lyon. Bei einem eigenen Tor könnte man sich sogar eine 1:2-, 2:3- oder 3:4-Schlappe leisten.

 Vor dem kurzen Flug nach Frankreich spitzte sich der bayerische Abwehrnotstand am Montag nochmals zu: Der in der Innenverteidigung als möglicher Notnagel eingeplante Anatoli Timoschtschuk meldete sich mit einem Magen-Darm-Infekt ab; sein Platz im Lufthansa-Airbus blieb leer. Außerdem ist Links-Verteidiger Diego Contento angeschlagen. Zu den Einsatzchancen von Demichelis (Wadenzerrung) und van Buyten (Schien- und Wadenbeinprellung) vermeldete Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: „Es ist bei beiden völlig offen.“

Eine Zitterpartie bis kurz vor dem Anpfiff zeichnet sich ab. „Wir haben die Hoffnung, dass sie fit werden können“, sagte van Gaal. Wenigstens einer der Innenverteidiger soll soweit fitgemacht werden, dass er gemeinsam mit Holger Badstuber im Zentrum verteidigen kann. „Wir haben viele Verletzte, aber unser Wille ist groß“, betonte van Gaal. An der Marschroute soll die Besetzung der Viererkette ohnehin nichts ändern, wie Torwart Jörg Butt verkündete: „Unser Ziel ist es, zu Null zu spielen, dann sind wir im Finale.“

 Klingt einfach, ist es aber nicht. „Das wird ein ganz heißer Tanz“, ahnt Präsident Uli Hoeneß. Aber die Zuversicht ist groß. „Ich bin überzeugt, dass wir einen großen Kampf abliefern werden“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: „Unsere Mannschaft hat die ganze Saison ausgezeichnet, dass sie mit großem Willen, großem Kampf und großer Leidenschaft zu Werke geht. Sie hätte es verdient, ins Finale einzuziehen.“ Gegner am 22. Mai in Madrid wäre Inter Mailand oder der FC Barcelona.

Rotsünder Ribéry und Danijel Pranjic (Gelb-Sperre) fallen in Lyon aus, dafür kehrt Mark van Bommel zurück. „Wir sind im Vorteil, weil wir 1:0 führen“, betonte der Kapitän, der 2006 mit Barcelona den Titel holte: „Das Wichtigste ist, dass man locker bleibt.“

Die Bayern-Trumpfkarte könnte einmal mehr Robben sein. „Er hat so viele wichtige Tore für uns geschossen. Er ist so wichtig für unsere Mannschaft“, sagte van Gaal. Auch im Hinspiel hatte der Niederländer mit seinem unglaublichen linken Fuß das goldene Tor erzielt. „Ich hätte nichts dagegen, wenn Arjen wieder mit einem schönen Tor das Spiel entscheiden würde“, sagte Schweinsteiger.

Im ausverkauften Stade de Gerland, in dem die Bayern 2001 schon einmal mit 0:3 untergingen, soll Robben wie gewohnt auf dem rechten Flügel wirbeln. „Wir können noch einen heißen Abend erwarten“, warnte der Flügelstürmer. In den bisherigen sechs Auswärtsspielen gelang den Bayern mindestens ein Treffer – ein gutes Omen. „Wir haben die Mittel und die Qualitäten für ein Tor, auch wenn Ribéry fehlt“, sagte Rummenigge: „Wir haben großes Vertrauen zu unserer Mannschaft.“

 „Wenn man zuhause gegen Lyon gewinnen kann, kann man das auch auswärts“, meinte Jung-Nationalspieler Thomas Müller kess. Lyon ist aber eine Macht im eigenen Stadion; von den bislang fünf Heimspielen in dieser Champions-League-Saison wurden vier gewonnen. Nur der FC Liverpool erzielte in der Gruppenphase ein Unentschieden (1:1).

 Lyon muss kommen, „wir können ein bisschen abwartend beginnen“, sagte Philipp Lahm. Lyon hat seine angeschlagenen Innenverteidiger Jean-Alain Boumsong und Cris wieder an Bord, es fehlt nur Jeremy Toulalan nach seiner Gelb-Roten Karte im Hinspiel. Zudem sind die Franzosen bestens erholt nach einem spielfreien Wochenende. „Lyon hat den Vorteil, dass sie sich ausruhen konnten“, meinte Rummenigge. Aber die Münchner Vielspieler fühlen sich bereit für einen weiteren Kraftakt: „Es werden 90 harte Minuten, vielleicht sogar 120. Wir müssen eine Topleistung abrufen“, forderte Butt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Olympique Lyon: Lloris – Reveillere, Cris, Boumsong, Cissokho - Makoun, Gonalons – Govou, Delgado, Michel Bastos – Lisandro Lopez

 FC Bayern München: Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento - Robben, van Bommel, Schweinsteiger, Olic – Müller, Klose

Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)

dpa

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