Marcel Reif: Bayern ist Top-Favorit in der Champions League

TV-Legende Marcel Reif spricht im AZ-Interview über die finale Phase der Champions League und die Aussagen von Uli Hoeneß Richtung Dortmund: "Vom Zeitpunkt her und inhaltlich nicht richtig."
| Maximilian Koch
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Am 23. August wollen mit dem FC Bayern die Champions League gewinnen (v.l.): Robert Lewandowski, David Alaba und Alphonso Davies. Für Marcel Reif sind die Bayern der Favorit.
Jan Woitas/dpa, imago, Jan Woitas/dpa, AZ-Montage 3 Am 23. August wollen mit dem FC Bayern die Champions League gewinnen (v.l.): Robert Lewandowski, David Alaba und Alphonso Davies. Für Marcel Reif sind die Bayern der Favorit.
Geht mit dem FC Bayern kritisch ins Gericht: TV-Experte Marcel Reif.
Paul Zinken/dpa 3 Geht mit dem FC Bayern kritisch ins Gericht: TV-Experte Marcel Reif.
Es müllert auch an der Stamford Bridge: Bayern um seinen Star setzte sich im Hinspiel des Achtelfinales mit 3:0 beim FC Chelsea durch.
dpa 3 Es müllert auch an der Stamford Bridge: Bayern um seinen Star setzte sich im Hinspiel des Achtelfinales mit 3:0 beim FC Chelsea durch.

München - Marcel Reif im AZ-Interview: Der TV-Experte (70), u.a. für "Bild", kommentiert und analysiert die Champions League seit vielen Jahren.

AZ: Herr Reif, am Freitag startet die Champions League mit den restlichen Achtelfinal-Rückspielen in die finale Phase. Wer ist Ihr Titel-Favorit?
MARCEL REIF: Top-Favorit ist der FC Bayern. Ich würde das sogar noch lauter sagen, wenn die K.o.-Runde ab dem Viertelfinale wie sonst in zwei Spielen ausgetragen werden würde. Bei nur einer Partie kannst du einen schlechten Tag erwischen, da spielen auch mal Glück und Pech eine Rolle. Dennoch: Bayern hat die kompletteste Mannschaft, dazu ein gutes Klima im Verein, einen großen Kader und den passenden Trainer. Es spricht viel für Bayern.

Kann nach dem 3:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Chelsea nichts mehr passieren?
Nein. Das wird vielleicht nicht das spektakulärste Spiel, aber ich werde Bayern die nötige Seriosität für diese Aufgabe nicht absprechen.

Reif: City und PSG die größten Bayern-Konkurrenten

Wer sind die härtesten Rivalen der Bayern bei der Titeljagd?
Manchester City sehe ich an Position zwei, wenn sich das Team gegen die älteren Herren von Real Madrid durchsetzt (Hinspiel 2:1 für City, Anm.d.Red.). City ist nach dieser Premier-League-Saison aufs Äußerste gereizt, in der Champions League ging es ja auch noch nie weit. Und mit Pep Guardiola hat City einen rasend wütenden Trainer. Paris Saint-Germain ist die Nummer drei. In einem Spiel kann PSG jeden schlagen. Allerdings muss man sehen, wie sie den Ausfall von Kylian Mbappé kompensieren können.

Geht mit dem FC Bayern kritisch ins Gericht: TV-Experte Marcel Reif.
Geht mit dem FC Bayern kritisch ins Gericht: TV-Experte Marcel Reif. © Paul Zinken/dpa

Was ist mit dem FC Barcelona, dem möglichen Viertelfinal-Gegner des FC Bayern?
Die Mannschaft ist in die Jahre gekommen, da stimmt es intern auch nicht. Früher hat Zlatan Ibrahimovic mal treffend gesagt: "Am Ende geben wir einfach dem Zwerg den Ball." Aber das reicht heute nicht mehr. Lionel Messi kann an einem besonderen Abend zwar sechs Gegner ausspielen, insgesamt ist das Barça-Team jedoch nicht stark und spritzig genug.

Welche Chance hat Leipzig im Viertelfinale gegen Atlético?
Leipzig und auch Atalanta Bergamo würde ich mir nicht als Gegner wünschen. Das sind Mannschaften, denen wenig zugetraut wird, die aber gefährlich sind, weil sie eben nichts zu verlieren haben. Die großen sollten die kleinen Jungs schon ernst nehmen. Und wenn man Julian Nagelsmann fragt: Der will mit Sicherheit die Champions League gewinnen – und glaubt auch dran.

"Bayern hat die Pause gutgetan"

Das gilt ebenso für die Bayern. Hat der zweiwöchige Urlaub geschadet oder geholfen?
Ich glaube eher, dass die Pause gutgetan hat. Die Bayern sind schon super aus dem Lockdown gekommen, sie haben danach jedes Spiel gewonnen. Ich habe bei den Münchnern das Gefühl: Die sind auf einer Mission, die wollen unbedingt die Champions League gewinnen. Das ist nicht nur ihr Traum, sondern ihr Job.

Es müllert auch an der Stamford Bridge: Bayern um seinen Star setzte sich im Hinspiel des Achtelfinales mit 3:0 beim FC Chelsea durch.
Es müllert auch an der Stamford Bridge: Bayern um seinen Star setzte sich im Hinspiel des Achtelfinales mit 3:0 beim FC Chelsea durch. © dpa

Hilft es, dass Spieler wie Robert Lewandowski oder Joshua Kimmich die Königsklasse noch nicht gewonnen haben und besonders motiviert sein dürften?
Bestimmt. Die haben von ihren Kollegen, die schon 2013 dabei waren, oft genug hören müssen, wie einzigartig das Triple ist. Speziell Lewandowski wird alles probieren, um endlich den Henkelpott zu holen. Er hat die Vorwürfe in den vergangenen Jahren ja tausendmal gehört, dass er in den entscheidenden Spielen keine Top-Leistungen zeigen würde.

Reif: "Coutinho ist bei Bayern an psychologischen Faktoren gescheitert"

Vorwürfe gab es auch gegen Philippe Coutinho, der nur selten überzeugte. Wird er noch wichtig in der Königsklasse?
Wenn er all sein Können einbringt, kann er wunderbare Dinge auf dem Platz zeigen. Es stellt sich nur die Frage, ob er sich noch mal findet oder ob er zu traurig ist, weil er kaum gespielt hat. Coutinho ist bei Bayern an psychologischen Faktoren gescheitert. Deshalb fehlt mir letztlich der Glaube, dass er aus dieser lethargischen Melancholie herauskommt.

Wie haben Sie die Kritik von Uli Hoeneß an Dortmunds Transferpolitik empfunden?
Ich denke, dass es kein gezielter Angriff war, sondern Hoeneß ins Erzählen gekommen ist. Seine Aussagen sind vom Zeitpunkt her und inhaltlich nicht richtig. Diese Unruhe vor der Champions League hätte es nicht gebraucht. Was der BVB macht, ist ja alternativlos. Jadon Sancho oder Jude Bellingham würden gar nicht nach Dortmund kommen, wenn sie nicht die Perspektive hätten, sofort zu spielen und später wieder wechseln zu können. In München hätten so junge Spieler kaum eine Chance. Und das zeigt am Ende auch, wie weit Bayern den Dortmundern inzwischen enteilt ist.

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