FC Bayern: Was hinter der Hoeneß-Attacke gegen Dortmund steckt

Der Ehrenpräsident des FC Bayern attackiert den Rivalen aus Dortmund, nennt die Transferpolitik des BVB "unklug". Bayern hole nie Spieler, "um daraus Geschäfte zu machen." Die Reaktion folgt prompt.
| Maximilian Koch
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Uli Hoeneß hat zuletzt einen Zoff mit Borussia Dortmund angezettelt.
imago images / Sven Simon Uli Hoeneß hat zuletzt einen Zoff mit Borussia Dortmund angezettelt.

München - Über mehrere Jahre war es relativ ruhig zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, Giftpfeile flogen zuletzt immer seltener vom Süden in den Westen – oder in die umgekehrte Richtung. Kein Vergleich zu den Zeiten, als beinahe wöchentlich gezofft und provoziert wurde, als sogar der (Lügen-)Baron von Münchhausen herhalten musste, um den Gegner zu diffamieren.

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, die sich privat gut verstehen, setzten in der Hochphase dieser Rivalität um 2013 und 2014 herum schließlich auf eine Entspannungspolitik, doch nun droht wieder mächtig Ärger. Verantwortlich dafür: Uli Hoeneß.

Hoeneß zweifelt an Transferphilosophie des BVB

Der Ehrenpräsident der Münchner ging in einem Interview mit der "FAZ" auf den BVB los, nannte die Transferpolitik der Borussia "unklug" und erklärte: "Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird."

Hoeneß weiter: "Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein? Bei uns gibt es das überhaupt nicht. Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen."

Hoeneß bricht den Burgfrieden. Aber warum eigentlich? Es drängt sich zumindest ein Verdacht auf: In der jüngeren Vergangenheit wechselte so manches Nachwuchsjuwel, das auch die Bayern gern gehabt hätten, lieber nach Dortmund. Zum Beispiel Jadon Sancho (20), der nun von Manchester United umworben wird.

"Mit Sancho war bei uns alles klar, aber im letzten Moment entschied er sich für Dortmund", gab Hoeneß zu. 2017 wechselte der Youngster aus der Jugend von Manchester City zum BVB, Bayern ging leer aus. Heute beträgt Sanchos Marktwert 117 Millionen Euro (Quelle: "transfermarkt.de").

FC Bayern forciert Jagd nach Top-Talenten

Auch am Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé (23) war Bayern einst interessiert und vor kurzem erst an ihm: Jude Bellingham (17). Die Münchner wollten den Wechsel des jungen Engländers zum BVB noch verhindern, konnten ihn letztlich aber nicht mehr überzeugen. Bellingham, der im Alter von 16 Jahren mit Birmingham City bereits die zweite englische Liga aufmischte, unterschrieb in Dortmund einen Vertrag bis 2023.

Beim Kampf um die internationalen Toptalente, der aufgrund der finanziellen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie härter werden dürfte, wollen die Münchner in Zukunft noch erfolgreicher sein. Mit der Verpflichtung von Tanguy Nianzou (18/zuvor Paris Saint-Germain) gelang ihnen ein Coup, der Schotte Aaron Hickey (18) von Hearts of Midlothian könnte der nächste junge Neuzugang werden.

Hoeneß sieht die Bayern-Philosophie als überlegen an. Mit dem aktuellen Modell könne Dortmund die "letzten zehn Prozent" in wichtigen Spielen nicht abrufen. Bei Bellingham werde man etwa sehen, so Hoeneß, "wenn der gut spielt, wie schnell dann über Interesse von außen geredet wird. Ich würde das nicht so machen. Ich würde der Öffentlichkeit, aber auch meinen eigenen Leuten sagen: Das ist unser Spieler, und wenn der gut spielt, der bleibt. Auch wenn ich hundert Millionen kriege."

Nach Hoeneß-Attacke: BVB kontert mit Arroganz-Vorwurf

Als positives Beispiel nannte Hoeneß Robert Lewandowski. "Der saß im Sommer vor zwei Jahren hier bei mir und sagte, Herr Hoeneß, Sie müssen unbedingt mit Herrn Zahavi reden. Das war sein neuer Berater. Ich sagte: 'Ja, gern, mein nächster Termin ist der 3. September.'" Also nach der Wechselperiode, Lewandowski verlängerte schließlich bei Bayern. Für Stars wie Lewy müsse gelten: "Ich bin Bayern forever."

Die Reaktion aus Dortmund folgte prompt. BVB-Sportchef Michael Zorc bezeichnete Hoeneß’ Sätze in seinem Statement gegenüber mehreren Medien als "ziemlich arrogant" und "de facto falsch. Grundsätzlich: Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken." Mit den Nettigkeiten ist es vorbei.

Lesen Sie hier: Wollte Lewandowski lieber zu Real als zu Bayern?

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