Kampf ums Vermächtnis: Rummenigges letzte Mission beim FC Bayern

Vorstandsboss Rummenigge hat sein Ende beim FC Bayern für 2021 verkündet – doch schon zuletzt verlor er gegenüber Präsident Hoeneß an Einfluss, der sich bei wichtigen Personalien durchsetzte.
| Maximilian Koch
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Bereitet seinen Abschied beim FC Bayern vor: Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.
imago Bereitet seinen Abschied beim FC Bayern vor: Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

München - Karl-Heinz Rummenigge hat ja wirklich mal mit Udo Jürgens zusammen gesungen, die Älteren werden sich vielleicht erinnern. Im Jahr 1978 nahm die deutsche Nationalmannschaft erstmals einen WM-Hit auf, Schlager-Ikone Jürgens schmetterte mit Rummenigge und Co. "Buenos Dias, Argentina" – doch Erfolg brachte dieser lustige Auftritt nicht: Die deutsche Elf scheiterte in Argentinien bereits in der Zwischenrunde.

Ob Rummenigge auch an Udo Jürgens gedacht hat, als er am vergangenen Sonntag bei Sky seinen Bayern-Abschied für Ende 2021 verkündet hat? Wahrscheinlich nicht. Doch Rummenigge wird zu diesem Zeitpunkt eben ziemlich genau 66 Jahre alt sein. Und - frei nach Jürgens - fängt sein Leben dann erst an. Stimmt ja: Rummenigges Leben ohne den FC Bayern.

Rummenigge wird im Dezember 2021 beim FC Bayern ausscheiden

"Ich würde gern an der Nordsee leben, wenn ich aufhöre", verriet Rummenigge, der gebürtige Westfale, der auf der Insel Sylt ein Haus besitzt und dort die Ruhe genießen will. Nach fast 20 Jahren als Vorstandsvorsitzender bei Bayern wird Rummenigge im Dezember 2021 definitiv ausscheiden. Und dann?

Für die Rollen als Präsident der Fifa, Uefa oder des DFB sei er "nicht geeignet", sagte Rummenigge im AZ-Interview. "Das bin ich nicht. Da ist man mehr Politiker und hat mit dem gespielten Fußball nur am grünen Tisch zu tun." Er hingegen freue sich darüber, "jedes Spiel im Stadion zu sitzen, mich auch mal zu ärgern, bei einem Tor zu jubeln und am Ende des Tages ein Glas Rotwein auf den Sieg zu trinken. Genau das würde mir fehlen in einem anderen Amt."

Hoeneß baut den FC Bayern nach seinen Vorstellungen um

Rummenigge klingt glaubwürdig, wenn er über seine Zukunft spricht. "Ich bin meiner Familie sehr dankbar, insbesondere meiner Frau, die wahnsinnig viel Rücksicht auf meine Karriere und mich genommen hat", sagte er weiter in der AZ. Rummenigge will etwas zurückgeben, für seine Liebsten da sein. Doch zumindest am Anfang dürfte ihm das Gefühl der Macht fehlen, wenn er ohne den FC Bayern lebt. Falls er diese Erfahrung nicht schon vor Dezember 2021 macht.

Denn es ist nicht zu übersehen, dass Uli Hoeneß, der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende, den FC Bayern schon seit einiger Zeit nach seinen Vorstellungen umbaut – ohne spürbares Gegengewicht von Rummenigge. Sportdirektor Hasan Salihamidzic? Ein Hoeneß-Intimus. Niko Kovac? Hoeneß‘ Wunschtrainer nach der Absage von Jupp Heynckes. Die Rückholaktion von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt? Eine Idee von Hoeneß. Der künftige Vorstandsboss Oliver Kahn? Für Hoeneß die "1a-Lösung". Max Eberl, der Bayern bald verstärken könnte? Ebenfalls ein Hoeneß-Mann.

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Rummenigge soll Oliver Kahn zwei Jahre einlernen

Freilich: Rummenigge trägt die allermeisten dieser Entscheidungen mit, er findet auch lobende Worte (für Salihamidzic und Kahn, weniger für Kovac) und arbeitet weiter konstruktiv mit Hoeneß zusammen. Beide schätzen sich. Doch sein Einfluss könnte schwinden, wenn ab 2020 mit Kahn das nächste Alphatier in die Führungsetage einzieht. Rummenigge soll Kahn etwa zwei Jahre einlernen, den "Staffelstab" übergeben. Nur: Will der dominante Kahn wirklich so lange in der zweiten Reihe bleiben?

Für Rummenigge, der große Verdienste bei der Professionalisierung und Internationalisierung des Klubs hat, der am wirtschaftlichen Aufstieg maßgeblich beteiligt ist, geht es nun auch um sein Vermächtnis. Kann er sich bis Ende 2021 gegen Hoeneß behaupten? Kann er einen letzten Akzent setzen, vielleicht einen externen Fachmann in die sportliche Führung holen? Wie viel Macht Rummenigge noch hat, wird sich schon bald zeigen, wenn es um die Zukunft von James Rodríguez geht. Bayerns Vorstandsboss will den "Weltstar" halten, Kovac und Hoeneß sind dagegen eher skeptisch. Hoeneß übrigens wurde als Aufsichtsratsboss bis 2022 bestätigt, so lange wird er sich auch zum Klubpräsidenten wählen lassen. Für ihn ist also noch lange nicht Schluss. Für Rummenigge 2021 hingegen schon – mit ziemlich genau 66 Jahren.

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