Jupp Heynckes: "Wir können von 0 auf 100 starten"

Bayerns neuer Trainer Jupp Heynckes erholt sich bei Spaziergängen mit seinem Hund. Wie der 66-Jährige den Rekordmeister zurück zu alter Stärke führen will, erklärt er hier.
| Patrick Strasser
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen

Bayerns neuer Trainer Jupp Heynckes erholt sich dieser Tage bei Spaziergängen mit seinem Hund Cando. Wie der 66-Jährige den Rekordmeister zurück zu alter Stärke führen will, erklärt er hier.

AZ: Herr Heynckes, am Donnerstag haben Sie mit Bayer das letzte Freundschaftsspiel gegen den FC Remscheid bestritten.

JUPP HEYNCKES: Ja, das war mein letzter Arbeitstag mit Bayer 04. Es gibt noch ein paar Dinge dort zu erledigen, danach gehen wir auseinander.

Können Sie danach etwas entspannen?

Ich möchte nun Abstand finden von der abgelaufenen Saison, mich erholen, abschalten. Aber mein Urlaub wird relativ kurz ausfallen.

Warum? Bis zum Trainingsstart am 1. Juli an der Säbener Straße sind es ja noch ein paar Wochen.

Natürlich, aber erstens werde ich etwas früher nach München kommen, zweitens habe ich den FC Bayern und alle Planungen natürlich schon im Hinterkopf.

Werden Sie mit Ihrer Frau Iris verreisen?

Nein, ich war in der Saison mit Bayer in der Europa League viel unterwegs, möchte mich zu Hause erholen. Ich habe ja hier mit unserem Landwohnsitz ein wunderbares Refugium, gehe dann morgens und abends mit Cando, meinem Schäferhund, spazieren, kümmere mich um unsere zwei Katzen. Ich gehe raus in die Natur, bin ein aktiver Mensch. Langeweile gibt es für mich nicht. Außerdem muss ich noch ein paar Büroarbeiten erledigen, auf dem Schreibtisch habe ich wahnsinnig viel Fanpost, die ich noch nicht beantwortet habe.

Beinahe hätte Ihr zukünftiger Verein Sie auf der Zielgeraden noch überholt.

Es wurde vorher viel geschrieben von Vizekusen und der Niederlage 2000 in Unterhaching. Aber ich habe der Mannschaft gesagt: Ihr seid eine ganz andere Generation, damit habt ihr nichts zu tun. Sie haben die Feuerprobe in Freiburg bestanden. Auch für mich persönlich war das sehr wichtig. Es war das drittbeste Punkte-Ergebnis in der Liga-Geschichte von Leverkusen.

Nun beginnt für Sie zum dritten Mal das Abenteuer FC Bayern. Und das mit...

... ich freue mich darauf, es ist eine riesige Herausforderung. Und falls Sie auf mein Alter anspielen wollen: Für jeden Trainer, der ein Angebot von so einem renommierten Top-Klub wie dem FC Bayern bekommt, ist das eine sehr reizvolle Aufgabe – ob mit 45 Jahren oder mit 66 wie in meinem Fall.

War es Ihr Freund Uli Hoeneß, der Sie dann im März als Erster kontaktiert hat?

Nein, Karl-Heinz Rummenigge hat angerufen. Mir ist eins wichtig: Als ich den Leuten bei Bayer mitgeteilt habe, dass ich nicht weitermachen möchte, war Louis van Gaal noch im Amt.

Wie war Ihre erste Emotion nach dem Anruf? Hat der Bauch gleich ja gesagt?

Eine Anfrage vom FC Bayern ist doch für jeden Trainer etwas Besonderes. Aber ich habe das ganz nüchtern und trocken aufgenommen, bin so lange im Geschäft. Nach zehn Tagen Überlegung habe ich mich gefragt: Warum eigentlich nicht?

Ihre Gründe für das Ja-Wort?

Ich kenne diesen Verein seit Jahrzehnten, fast in- und auswendig. Wenn ich ins Ausland gegangen wäre, hätte ich mich erst an einen neuen Klub, ein neues Umfeld herantasten müssen. Ich kenne die Philosophie, die Struktur, die Verantwortlichen, ich weiß, was mich erwartet.

In erster Linie: Vorfreude.

Ja, das spüre ich auch, wenn ich mit den Herren in München telefoniere. Mit Uli habe ich alles gemeinsam erlebt, als Kalle sein erstes Länderspiel gemacht hat (am 6. Oktober 1976 beim 2:0 in Wales, d.Red) war ich dabei, Christian Nerlinger kenne ich noch, als er Spieler war. Gegen Hermann Gerland habe ich mir heiße Duelle geliefert, er ist mir immer auf die Füße getreten, da musste man schon sehr aufpassen im Zweikampf und rechtzeitig hoch und weit springen. Als meinen zweiten Assistenten bringe ich ja Peter Hermann mit, wir kennen uns auch ewig.

Das heißt: Die Eingewöhnungszeit ist gleich null.

Richtig. Wir können von 0 auf 100 starten.

Ihre künftige Mannschaft hat Ihnen als Antrittsgeschenk Qualifikationsspiele in der Champions League Mitte August beschert.

Selbst die Nationalspieler haben ja nach den Länderspielen drei Wochen Urlaub, können regenerieren. Bis zur ersten Pokalrunde Ende Juli haben wir vier Wochen Zeit, bis zur Qualifikation sechs – das ist knapp, aber machbar. Das schaffen wir.

Was sind Ihre Ziele beim FC Bayern?

Ich weiß, wie der Verein tickt. Der FC Bayern muss immer auf Platz eins stehen, das ist doch ganz klar. Mit der Mannschaft will ich eine tolle Atmosphäre schaffen, ein gutes Klima, einen respektvollen Umgang. Es geht darum, dass die Spieler Spaß haben im Training – eben um all jene Komponenten, damit wir fruchtbar und erfolgreich zusammenzuarbeiten können wie in jenen fünf Wochen, als ich im Frühjahr 2009 ausgeholfen habe.

Am Montag waren Sie auf Kurz-Besuch an der Säbener.

Zuvor gab’s hier und da mal ein Telefonat und in München haben wir einige Dinge besprochen, auch in der großen Elefantenrunde. Es gibt einiges zu planen.

Es geht um den Kader der neuen Saison. Bringen Sie Arturo Vidal aus Leverkusen mit? Erhält Miroslav Klose einen neuen Vertrag?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich zu Personalfragen jetzt nicht äußern werde. Ich muss schmunzeln, wenn ich im Videotext lese, welche Spieler der FC Bayern angeblich schon kontaktiert hat – wenn das alles stimmen würde, hätten wir ja nächste Saison 100 Spieler im Kader. Wenn die Dinge perfekt sind, werden wir sie verkünden.


Bilderstrecke: Zehn Jahre nach dem Triumph - Das wurde aus den Helden von Mailand

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren