Hitzfeld über FC Bayern-Kapitän Philipp Lahm: "Karriere wie im Märchen"

Im ersten Teil der AZ-Abschiedsserie für Philipp Lahm spricht sein Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld über die Karriere des Bayern-Kapitäns und dessen Debüt: "Er war am Anfang ein bisschen schüchtern."
| Maximilian Koch
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Spielt am Samstag zum letzten Mal für den FC Bayern: Phillip Lahm.
sampics/Augenklick Spielt am Samstag zum letzten Mal für den FC Bayern: Phillip Lahm.

München - Ottmar Hitzfeld (68) wurde mit dem FC Bayern fünf Mal Deutscher Meister. Er verhalf Lahm 2002 zum Debüt, trainierte ihn auch in der Saison 2007/08.

AZ: Herr Hitzfeld, am Samstag ist die große Karriere von Philipp Lahm vorbei, er bestreitet sein letztes Spiel für den FC Bayern. An Lahms Debüt vor mehr als 15 Jahren waren Sie ja nicht ganz unbeteiligt.
OTTMAR HITZFELD: Daran erinnere ich mich noch sehr gut, das war in der Champions League gegen RC Lens, als ich ihn kurz reingeschickt habe.

Der 13. November 2002, ein Gruppenspiel in der Königsklasse, am Ende stand es 3:3. Lahm trug die Nummer 29, das Trikot war ihm viel zu groß, das Olympiastadion halbleer. Sie wechselten ihn kurz vor Schluss für Markus Feulner ein. Lahm war zwei Tage zuvor 19 Jahre alt geworden.
Philipp war noch sehr jung, am Anfang ein bisschen schüchtern. Aber in dieser frühen Phase seiner Karriere hat man seine Qualität schon gesehen, seine Spielintelligenz, seine Passqualität. Philipp hat eigentlich nie grätschen müssen, er hatte ein gutes Stellungsspiel und konnte seine Gegner ablaufen. Damals gab es natürlich große Konkurrenz auf den Außenpositionen mit Bixente Lizarazu und Willy Sagnol, deshalb hat er nicht so viel gespielt.

"Einer der weltbesten Verteidiger"

Und den Umweg VfB Stuttgart gewählt, um zwei Jahre später als gestandener Bundesliga-Spieler zurückzukehren. Seitdem hat er mit den Bayern alles gewonnen. Wie sehr wird Philipp Lahm dem Verein fehlen?
Man wird Philipp vermissen. Er war eine der prägenden Figuren der letzten Jahre, einer der weltbesten Verteidiger. Er war Kapitän beim FC Bayern und in der Nationalelf, das ist ein Privileg. Und das spricht für Philipps Qualität als Führungsspieler. Generell war er ein Spieler der leisen Töne, aber er wusste immer, was er wollte. Eine Karriere wie im Märchen.

In der Geschichte des Klubs gab es sehr populäre Spieler, Legenden. Wo würden Sie Lahm einordnen?
In der Historie des FC Bayern gehört er in eine Reihe mit den ganz Großen, mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier. Spieler, die Weltmeister geworden sind und den Landesmeister-Pokal gewonnen. Koryphäen, die dem Verein immer treu geblieben sind.

Man hört es aus Ihren Worten heraus: Die Lücke, die Lahm hinterlässt, ist groß – auf und neben dem Platz. Wer wäre ein geeigneter Nachfolger als Kapitän?
Bei Bayern gibt es eine große Auswahl an Führungsspielern, die dieses Amt übernehmen könnten. Der Trainer muss ein Vertrauensverhältnis zu seinem Kapitän spüren, Carlo Ancelotti wird die richtige Entscheidung treffen.

Manuel Neuer, der Spielführer der Nationalelf und bisherige Vize, gilt als logischer Erbe. Sie haben auch an Thomas Müller gedacht.
Ich habe Thomas Müller vor ein paar Monaten als prädestinierten Kapitän genannt, als er noch regelmäßig gespielt hat. Jetzt ist seine Situation eine andere.

Kehrt Philipp Lahm zurück zu Bayern?

Sportlich wird es nicht leichter, Lahms Abschied zu kompensieren. Wer sollte der neue Rechtsverteidiger werden?
Ich bin überzeugt von Joshua Kimmich, er kann Lahm beerben. Ein sehr intelligenter Spieler mit einem guten Auge. Kimmich hat alles, was man braucht. Die Frage ist nur, ob ihn Ancelotti eher als Rechtsverteidiger oder im zentralen Mittelfeld sieht.

Darüber muss sich Lahm nicht mehr den Kopf zerbrechen. Was glauben Sie, wie er die Zeit nach dem Karriereende verbringen wird?
Er wird erstmal durchschnaufen – und sich erholen. Der Druck, der bei Bayern enorm ist, wird von ihm abfallen. Er wird sich in Ruhe überlegen, wo er sich in Zukunft sieht.

Bei einigen Unternehmen ist er ja schon beteiligt. Denken Sie, dass er zum FC Bayern zurückkehren wird?
Alle großen Spieler, auch Bastian Schweinsteiger, kommen irgendwann für eine Führungsposition im Management der Bayern in Frage. Ich gehe davon aus, dass Lahm zurückkehren wird. Auch dann, wenn Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge noch da sind. Bessere Lehrmeister als Uli und Kalle kann er ja gar nicht haben. Die beiden wissen genau, wie man einen Verein führt, davon kann jeder profitieren.

Herr Hitzfeld, zum Abschluss: Was wünschen Sie Lahm für sein letztes Spiel am Samstag gegen den SC Freiburg?
Ich wünsche mir, dass er den Moment genießt, wenn er zum letzten Mal die Meisterschale in die Luft hebt; dass er realisiert, welch große Karriere er hinter sich hat. Aber das wird ihm wahrscheinlich erst später mal klarwerden.


Im zweiten Teil der AZ-Serie erinnert sich Hermann Gerland an Lahms Anfänge bei den Bayern

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