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Hainer: "Der FC Bayern ist für Julian Nagelsmann eine Herzensangelegenheit"

Bayern-Präsident Herbert Hainer spricht hier im exklusiven AZ-Interview über den neuen Coach, Flicks Verdienste und die Zukunft der Basketballer: "Wir wollen überall an die europäische Spitze."
| Julian Buhl
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Präsident des FC Bayern: Herbert Hainer.
Präsident des FC Bayern: Herbert Hainer. © Rauchensteiner/Augenklick

München - AZ-Interview mit Herbert Hainer: Der 66-Jährige wurde im November 2019 zum Präsidenten des FC Bayern gewählt und ist seitdem der Nachfolger von Uli Hoeneß.

AZ: Herr Hainer, wie blicken Sie auf die Trainerentscheidungen zurück, die Anfang der Woche beim FC Bayern gefallen sind? Ist bei Hansi Flicks Abschied auch Wehmut dabei?
HERBERT HAINER: Wir haben mit Hansi Flick als Cheftrainer eine sehr erfolgreiche Zeit erlebt, dafür sind wir ihm sehr dankbar. Sechs Titel in einer Saison, das hat bisher nur Pep Guardiola mit dem FC Barcelona im Jahr 2009 geschafft. Nun haben wir in Julian Nagelsmann einen Trainer verpflichtet, der trotz seiner jungen Jahre schon eine beeindruckende Laufbahn vorzuweisen hat und in Europa sehr nachgefragt ist. Julian Nagelsmann kommt aus Bayern und hat schon öfter betont, dass der FC Bayern München für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Ich bin happy, dass das jetzt so schnell über die Bühne gegangen ist.

Haben Sie zuvor noch einmal einen Versuch unternommen, Flick, den erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte, umzustimmen?
Wir haben einige Gespräche mit Hansi Flick geführt. Aber am Ende war es sein Wunsch, sich nach dieser Saison zu verändern. Diesem Wunsch haben wir dann entsprochen.

Mit Nagelsmann  einen Top-Trainer verpflichtet

War Julian Nagelsmann in dieser Situation die Wunschlösung? Die hohe Ablösesumme, die Bayern für ihn zahlt, legt das nahe.
Der FC Bayern ist eine der besten Mannschaften in Europa, und die braucht auch einen Top-Trainer. Das ist uns mit der Verpflichtung von Julian Nagelsmann gelungen.

Nun ist es sogar eine Rekordablöse geworden, obwohl eigentlich auch der FC Bayern in Corona-Zeiten darauf bedacht ist, die Ausgaben eher gering zu halten.
Wir mussten eine Einigung mit RB Leipzig finden, da Julian Nagelsmann dort noch gebunden war. Und glauben Sie nicht alle Zahlen, die da kolportiert wurden.

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Auch bei den Basketballern des FC Bayern stehen abschließende Vertragsverhandlungen mit dem Trainer an. Andrea Trinchieris Kontrakt gilt bislang nur bis Saisonende. Wie ist da der aktuelle Stand?
Im Moment sind wir alle mit den Playoffs beschäftigt. Wir sind aber im permanenten Austausch mit Andrea Trinchieri. Und nach allem, was ich von ihm höre, gefällt es ihm hier gut und es macht ihm Spaß. Auch für ihn sind es ja die ersten Playoffs. Die Mannschaft hilft also auch ihm, nach oben zu gehen. Insofern bin ich da schon sehr zuversichtlich.

Welche Rolle spielt Trinchieri bei dem aktuellen Erfolg der Mannschaft?
Wenn man die Leistung und die Art und Weise sieht, wie die Mannschaft in dieser Saison spielt, ist es ein großer Unterschied zur letzten Saison. Die Mannschaft ist positiv aggressiv, spielt schnell und begeisternden Basketball. Das ist die Handschrift des Trainers.

Trinchieri spielt zentrale Rolle bei Zukunftsplanungen

Er spielt also eine zentrale Rolle in Ihren Zukunftsplanungen?
Absolut. Wir möchten mit ihm weiter zusammenarbeiten, keine Frage. Aber jetzt warten wir die Spiele gegen Mailand mal ab und danach setzen wir uns zusammen.

Mit dem 85:79-Sieg am Mittwochabend gegen Mailand hat Bayern das Viertelfinal-Aus abgewendet und damit in der Best-of-five-Playoffserie auf 1:2 verkürzt.
Es war ein klasse Spiel unserer Mannschaft, wir haben ja von Anfang an geführt und das bis zum Schluss durchgehalten. Natürlich ist es trotzdem immer eng gegen Mailand, das ist eine sehr starke Mannschaft.

Ist damit in der Serie nun wieder alles offen?
Wir hatten zwei Auswärtsspiele in Mailand, die du verlieren kannst. Aber jetzt haben wir uns zurückgekämpft. Am Freitag haben wir die Chance, auszugleichen und ein fünftes Spiel in Mailand zu erzwingen.

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Die Flugtickets dorthin sind also schon mal reserviert?
Selbstverständlich. (lacht)

Das Final Four der Euroleague wird ja auf deutschem Boden in Köln ausgetragen...
Genau, dort würden wir natürlich nur zu gern dabei sein. Dieser Mannschaft ist alles zuzutrauen, das hat man am Mittwoch wieder gesehen.

"Kann es kaum erwarten, bis es im SAP Garden losgeht"

Die historische Euroleague-Reise der Bayern geht also weiter. Wie ist die jetzt schon einzuordnen?
Die Mannschaft hat eine grandiose Leistung gebracht in dieser Saison, auf die wir alle stolz sein können. Als erstes deutsches Team überhaupt die Euroleague-Playoffs erreicht zu haben, das wird bleiben. Man sieht, dass wir mit den Besten mithalten können, Mailand ist ja einer der Titelfavoriten.

Mit dem ersten Playoff-Sieg hat die Mannschaft noch mal ein Ausrufezeichen gesetzt. Andernfalls hätte man sich mit 0:3 aus dem Wettbewerb verabschieden müssen.
Absolut. Das wäre der Mannschaft einfach nicht gerecht geworden. Sie hat auch nach dem Spiel gegen Alba (62:100; d. Red.) am Sonntag eine starke Reaktion gezeigt. Das war ein Ausrutscher, der mal passieren kann. Gegen Mailand haben wir die wahre Leistungsstärke gesehen.

Kann dieses erfolgreiche Team zusammengehalten werden?
Ich hoffe sehr, dass uns das gelingt und glaube auch, dass sich die Spieler bei uns sehr wohl fühlen. Es gibt im Sport doch nichts Schöneres, als Erfolg zu haben. Auch fast alle unsere Spieler stehen zum ersten Mal in den Euroleague-Playoffs. Zu schade, dass keine Fans dabei sind.

Den Fans und den Spielern können Sie auf Sicht den SAP Garden in Aussicht stellen. . .
. . . und ich war gerade erst am Mittwoch am entstehenden SAP Garden und habe mir die Baustelle angeschaut. Ich habe nur gedacht: "Hoffentlich geht es bald los!" Das wird ja eine der modernsten Hallen, wenn nicht sogar die modernste Halle in Europa mit unheimlich vielen digitalen Möglichkeiten. Ich kann es kaum erwarten, bis es so weit ist.

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Dort soll dann möglichst regelmäßig Euroleague-Playoff-Basketball zu sehen sein, richtig?
Wir haben ja gesagt, dass wir uns Stück für Stück in die europäische Spitze reinarbeiten wollen. Diese Saison haben wir da einen guten Schritt nach vorne gemacht. Das müssen wir jetzt weiter stabilisieren und ausbauen. Alles, was ich sehe, macht mir sehr viel Spaß und gibt mir viel Zuversicht. Natürlich wollen wir auch das Final Four erreichen. Überall, wo der FC Bayern im Sport auftritt, will er an die deutsche und auch die europäische Spitze, ob das im Männerfußball, im Frauenfußball oder im Basketball ist. Die Mannschaft hat in dieser Saison eine Menge gut gemacht und ist auf dem besten Weg dahin.

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