FC Bayern: Joshua Kimmich über das Triple - Es ist machbar

Im exklusiven AZ-Interview spricht Joshua Kimmich über die Corona-Krise, die Vertragsverlängerung von Trainer Hansi Flick, seine Rolle als Vater – und die Chancen des FC Bayern in dieser Saison.
| Maximilian Koch
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Joshua Kimmich (rechts) und Bayern-Trainer Hansi Flick (links).
imago images / Jan Huebner Joshua Kimmich (rechts) und Bayern-Trainer Hansi Flick (links).

München - Joshua Kimmich spielt seit 2015 beim FC Bayern. Er wurde bislang viermal deutscher Meister und zweimal Pokalsieger. Mit Leon Goretzka zusammen hat er die Initiative "We Kick Corona" ins Leben gerufen.

AZ: Herr Kimmich, wie groß ist die Freude, dass Sie und Ihre Kollegen vom FC Bayern seit Wochenanfang wieder einen Ball am Fuß haben und in Kleingruppen an der Säbener Straße trainieren können?
JOSHUA KIMMICH:
Es ist ein ganz anderes Gefühl als zuletzt. Man merkt, dass der richtige Austausch mit den Mitspielern gefehlt hat. Es ist zu Hause nur so ein "halbes Ding". Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht. Es fehlen natürlich schon noch die Spielformen und Zweikämpfe. Der Schritt, wenn das wieder möglich ist, wird richtig schön sein, nachdem wir jetzt mehrere Wochen auf dem Spinning-Bike saßen.

Abgesehen von der kleinen Karriere als Radfahrer: Wie sind Sie persönlich bislang durch die Corona-Krise gekommen?
Die Krise hat uns alle entschleunigt. Jeder hat gemerkt, in was für einem Rhythmus wir uns in unserer Gesellschaft sonst immer befinden. Speziell bei uns im Fußball ist es so, dass wir von Spiel zu Spiel denken, alle drei Tage ein Wettkampf auf dem Programm steht und wir viel unterwegs sind. Jetzt ging es fast von 100 auf 0. Es wartet zwar hoffentlich noch der Saisonabschluss auf uns, aber gefühlt ist es wie eine Sommerpause, auch wenn wir nicht trainingsfrei haben. Wenn man drei Wochen nicht auf dem Platz steht, ist das eine lange Zeit, eine kuriose Situation. Nicht nur für den Fußball natürlich. Insgesamt ist es eine beklemmende Zeit.

Etwas Positives hatte das Cyber-Training zu Hause für Sie: Sie konnten mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen, das im vergangenen Sommer auf die Welt kam.
Das stimmt. Ein Kind gibt dem Leben einen ganz anderen Inhalt, eine ganz neue Aufgabe ist da. Für mich ging es vorher vor allem um die Karriere als Fußballer, jetzt habe ich noch einen anderen Auftrag. Das macht es für mich in dieser Krise einfacher, weil ich zu Hause einen wunderbaren Alltag habe.

Kimmich: Flick-Verlängerung? "Belohnung für die erfolgreiche Arbeit"

Den könnte es bald auch wieder in der Bundesliga geben, die DFL würde Anfang Mai gerne mit den verbleibenden Partien fortfahren. Kritik, dass der Fußball eine Sonderrolle zugestanden bekäme, ist bereits zu vernehmen. Wie sehen Sie die Diskussion?
Die Meinungen werden zwiegespalten sein. Man wird sehen, ob es auch wirklich so kommt und überhaupt stattfinden kann. Aber ich glaube schon, dass sich viele bestimmt freuen würden, wenn sie wieder Fußball schauen könnten, auch wenn erstmal dauerhaft vor dem Fernseher. Auf der anderen Seite ist es dennoch schwierig und muss begründet und gesellschaftlich tragfähig sein. Die Gesundheit jedes Einzelnen, der Menschen steht über allem und muss daher die Grundlage bei allen zu treffenden Entscheidungen sein.

Ihr Trainer Hansi Flick hat seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Wie ist die Reaktion bei Ihnen und der Mannschaft ausgefallen?
Das ist die Belohnung für die erfolgreiche Arbeit und die Punkte, die wir eingefahren haben. Es war ja anfänglich mit ihm erst bis zum Winter angedacht, dann waren die Ergebnisse aber super. Also hat man gesagt: Bis zum Sommer, und die Ergebnisse waren immer noch super. Daher war das die logische Konsequenz unserer Ergebnisse und der Leistungen.

Joshua Kimmich (rechts) und Bayern-Trainer Hansi Flick (links).
Joshua Kimmich (rechts) und Bayern-Trainer Hansi Flick (links). © imago images / Jan Huebner

Mal abgesehen von der reinen Bilanz: Was macht Flick besonders gut? Warum folgt ihm die Mannschaft?
Er hat einen sehr guten Zugang zu uns Spielern, zu der Mannschaft. Er schafft es auch, den gesamten Staff mitzunehmen. Nicht nur wir Spieler entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, es ist die Summe aller, das Drumherum, das große Ganze. Er vermittelt jedem bei uns Wertschätzung und Wichtigkeit. In den vergangenen Wochen hat man ja gesehen, dass es sehr gut zusammen funktioniert. Leider haben wir jetzt den Cut.

Sie haben schon unter einigen großen Trainern wie Pep Guardiola oder Jupp Heynckes gespielt. Wie würden Sie das taktische Niveau bei Flick einordnen?
In den ersten Spielen hat man gleich gemerkt, dass wir höheres Pressing gespielt haben, den Gegner auf diese Weise früher unter Druck setzen konnten. Wir verteidigen oft mit der Viererkette an der Mittellinie. Natürlich gibt es durch diese Spielweise ein gewisses Risiko, Konter zu bekommen. Das wird man nicht zu hundert Prozent vermeiden können. Aber insgesamt finde ich schon, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen, dominanter auftreten. Es gab durchaus einige Spiele, bei denen man im Nachhinein sagen konnte: Da ist von der ersten bis zur letzten Minute nichts angebrannt.

Joshua Kimmich: "Wir sind bereit"

Ist die jetzige Konstellation, also mit dem Trainer Flick und dem vorhandenen Kader stimmig, um in den kommenden Jahren in der europäischen Spitze mithalten zu können?
Ich glaube schon. Man muss mal abwarten, was im Sommer auf dem Transfermarkt passiert, welche Entwicklungen es geben wird. Dem Klub kommt es sicher zugute, dass in den Jahren davor gesund gewirtschaftet wurde. Natürlich hat sich der Verein aber auch dem Markt angepasst, größere Transfers getätigt. Aber man merkt gerade jetzt in der Krise, dass der FC Bayern gut aufgestellt ist.

Abgesehen vom finanziellen Faktor: Kann Bayern fußballerisch, von der Qualität des aktuellen Teams her, international auf dem höchsten Level konkurrieren?
Wir haben eine starke Mannschaft, sehr viel Potenzial und Qualität. Und in naher Zukunft wird der Umbruch bestimmt noch weiter vorangetrieben. Wir sind aber auch jetzt schon gut aufgestellt, im internationalen Vergleich haben wir in dieser Saison bislang gut abgeschnitten. Mit Tottenham und Chelsea hatten wir zwar erst zwei echte richtige Prüfsteine, Tottenham war zudem nicht gerade in einer Hochphase, aber ich würde sagen: Wir sind bereit.

Sind alle drei Titel "machbar", wie es Flick formuliert hat?
Machbar ist es. Aber es ist generell immer schwierig, direkt in eine solche Euphorie auszubrechen. Wir hatten definitiv schon einige richtig gute Spiele dabei in dieser Saison, aber eben auch andere, in denen wir zu anfällig waren. Das können wir uns auf internationalem Topniveau nicht erlauben. Gerade in der Champions League hängt viel von der Tagesform ab.

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Kimmich: Thiago? "Wir ergänzen uns gut"

Hilft es der Mannschaft, dass Flick auf eine feste Achse setzt mit Manuel Neuer im Tor, Abwehrchef David Alaba davor, mit Ihnen, Thiago und Thomas Müller im Zentrum und Robert Lewandowski im Sturm?
Auf der einen Seite ist es wichtig, dass man eine Struktur im Team hat, die eine oder andere Konstante. Noch wichtiger ist es allerdings, dass wir auch Ausfälle kompensieren können. Viele haben ja gedacht, dass wir von Robert komplett abhängig sind. Aber dann haben wir nach seiner Verletzung gezeigt, dass wir es momentan von der Qualität her auffangen können, wenn mal ein so wichtiger Spieler wie er ausfällt. Bei den vielen Partien, die wir haben, ist es schon gut, dass wir personell mal durchtauschen können.

Wie einfach ist es eigentlich, mit Thiago zusammen im Zentrum zu spielen?
Wir ergänzen uns gut. Am Anfang hatten wir das eine oder andere Spiel, in dem es noch nicht perfekt geklappt hat. Aber das hat sich dann im Laufe der Zeit eingespielt. Wenn man die Ergebnisse sieht und auch die Art und Weise, wie wir spielen, kann man damit zufrieden sein.

Welches Mittelfeldzentrum war in den vergangenen Jahren denn das beste im Weltfußball? Oft wird ja der FC Barcelona mit Xavi, Iniesta und Busquets als Idealbild genannt.
Das trifft zu. Die hatten fast alles auf Weltklasseniveau – außer vielleicht die ganz große Torgefahr. Iniestas herausragende Stärke war sein Dribbling, dazu konnte er das Tempo immer wieder wechseln. Xavi war ein extrem starker Passgeber. Und mit Busquets hattest du vor der Abwehr einen Spieler als Kopf der Mannschaft. Er hat immer die Ruhe bewahrt, die Übersicht gehabt. Die haben sich perfekt ergänzt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass sie zwei, drei Spieler vor sich hatten, bei denen die Post abging, wenn man sie in Szene gesetzt hat.

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