FC Bayern: Interne Kritik - Spieler sind nicht von Trainer Niko Kovac überzeugt

Noch hat der FC Bayern im Finale der Saison alle Chancen auf das Double – und doch steht der Trainer intern weiter in der Kritik, auch bei den Spielern. Denn es fehlt der Mannschaft eine offensive Idee.
| Maximilian Koch
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FC Bayern, Niko Kovac, Serge Gnabry
imago/Sven Simon FC Bayern, Niko Kovac, Serge Gnabry

München - Bei aller Kritik und allen Zweifeln kann Niko Kovac in dieser Saison ja noch Großes schaffen: Dem FC Bayern winkt das zwölfte Double der Vereinshistorie, vor Kovac holten nur vier Trainer die Meisterschaft und den DFB-Pokal in ihrem ersten Jahr bei den Münchnern: Branko Zebec (1969), Felix Magath (2005), Louis van Gaal (2010) und Pep Guardiola (2014). Macht Kovac am 25. Mai im Endspiel gegen RB Leipzig die Fünf voll?

"Der FC Bayern ist stark genug für das Double. Die Mannschaft braucht nur die richtige Einstellung", sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Wochenende – und nahm den Coach in Schutz: "Es ist nicht leicht, eine solche Mannschaft zu trainieren. Es ist eine verwöhnte Truppe. Aber Niko sollte das Double schaffen, er muss es schaffen." Vor allem, um die neue Saison gestärkt angehen zu können.

Bayern-Spielern fehlt Strategie im Angriff

Denn trotz einer beachtlichen Neun-Punkte-Aufholjagd in der Liga sowie des Einzugs ins Cup-Finale herrscht weiter Skepsis, was die Fußballphilosophie des Trainers betrifft. Wie die AZ weiß, sind auch Spieler, die regelmäßig zur Startelf gehören, nicht von Kovacs Weg der (sehr) kontrollierten Offensive überzeugt. Selbst ein Double-Triumph würde daran nichts ändern.

So manchem Star, der den Einfallsreichtum eines Pep Guardiola an der Säbener Straße erlebte, fehlt eine klare Strategie im Angriff, es werden einstudierte Spielzüge vermisst, die nicht allein auf der individuellen Klasse von Künstlern wie Kingsley Coman und Serge Gnabry beruhen oder auf der Treffsicherheit von Robert Lewandowski. Außenseiter-Fußball wie in Frankfurter Zeiten mit Schwerpunkt auf der Defensive genügt vielen Bayern-Spielern einfach nicht.

Uli Hoeneß stets mit Rückendeckung für Niko Kovac

Wenn Kovac wie am Samstag gegen Hannover wild an der Außenlinie gestikuliert und seine Profis mit lauten Pfiffen nach hinten beordert, wirkt es manchmal so, als würden zwei Welten aufeinanderprallen. Hat diese Zusammenarbeit eine Zukunft?

Von Präsident Uli Hoeneß, der Kovac im Falle eines Double-Triumphs eine "Eins minus" geben würde, erhielt der Coach bislang stets Rückendeckung, auch öffentlich. Doch Hoeneß ist ebenso wenig wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge entgangen, dass die Leistungen der Mannschaft schwankend sind – speziell gegen "kleine" Gegner wie zuletzt Nürnberg – und dass der attraktive Fußball gerade woanders zelebriert wird: Etwa bei Ajax Amsterdam mit Erik ten Hag, dem früheren Trainer der Bayern-Amateure, dessen Entwicklung auch in München genau verfolgt wird.

Unterstützung auch von Hitzfeld und Effenberg

Unterstützung erhielt Kovac dieser Tage von Ottmar Hitzfeld und Stefan Effenberg. "Karl-Heinz Rummenigge ist immer skeptisch und pessimistisch, wenn man nicht alle drei Titel holt", sagte Hitzfeld bei t-online.de: "Jetzt kann man noch zwei holen – und dann wäre es eine unglaublich gute Saison. Von daher finde ich es etwas übertrieben, dass Karl-Heinz Rummenigge immer wieder vieles infrage stellt." 

Auch Effenberg kritisierte den Vorstandsboss, weil dieser Kovac wiederholt eine Jobgarantie verweigerte. "Ich kann mich an keinen positiven Ausspruch von Karl-Heinz Rummenigge in Richtung Niko Kovac erinnern", sagte Effe bei Sport1. "Das hat auch was mit Respekt zu tun. Hätte Rummenigge das auch mit Jupp Heynckes gemacht? Nein!"

Gegentreffer: Letztmals so viel in der Saison 2010/11

Heynckes gewann mit seinem Team 2013 das erste und einzige Triple in der Bayern-Historie, in der Bundesliga holte er damals sagenhafte 91 Punkte. Rekord! Kovac kann 2019 maximal auf 80 Punkte kommen, wenn Bayern die letzten beiden Spiele gewinnt. Auffällig: Mit schon jetzt 31 Gegentoren in der Liga kassierten die Münchner so viele Treffer wie zuletzt 2010/11.

Damals schied Bayern letztmals im Champions-League-Achtelfinale aus – bis zu dieser Saison. Auch das gehört zur Kovac-Wahrheit. Umso wichtiger wäre das Double für den Coach. "Wenn du erfolgreich bist, ist alles leichter", sagt Arjen Robben. "Man will Titel gewinnen, und das wird auch hier erwartet."

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