FC Bayern in Lissabon: Sehnsucht nach dem Herbst

Für den FC Bayern geht’s in Lissabon um den Einzug ins Halbfinale der Champions League – und darum, die alte Stärke zu finden. „Es fehlen ein, zwei Prozent an Lust, Gier, Freude“.
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„Natürlich ist Druck auf dem Kessel“, sagt Sportvorstand Matthias Sammer über die Truppe von Trainer Pep Guardiola.
sampics, firo/bd. Augenklick „Natürlich ist Druck auf dem Kessel“, sagt Sportvorstand Matthias Sammer über die Truppe von Trainer Pep Guardiola.

Lissabon - Mal Regen, dann Sonne, erneut südamerikanisch anmutender Sturzregen und kurz danach klarer, blauer Himmel als wäre nichts gewesen. Aprilwetter am Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt, am Westzipfel Europas, wo der FC Bayern mit Sonderflug LH 2570 ankam. Mit gemischten Gefühlen. Was erwartet die Bayern am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF/AZ-Liveticker) im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League bei Benfica Lissabon?

Das 1:0 aus dem Hinspiel vor acht Tagen ist beruhigend und beunruhigend zugleich. Die Historie der Heimerfolge in Hinspielen mit dem minimalistischsten aller Resultate drückt genau das aus: Fünfmal 1:0 in einem ersten Duell zu Hause – und nur dreimal kam man dann auswärts weiter, zuletzt 2010 mit einem 3:0 bei Olympique Lyon.

Aktuell beschäftigt die Bayern eher die Frage: Wo stehen wir? Und wer sind wir? Seriensieger, sechs Partien hintereinander – das ja, wenn auch nicht immer überzeugend und spektakulär wie im Herbst. Oder doch ein Team, dem man anmerkt, dass aufgrund der großen Belastung in den entscheidenden Wochen wie 2014 und 2015 der letzte Punch fehlt? Es herrscht Sehnsucht nach dem Herbst. „Wir haben in den letzten Wochen ein paar Torchancen liegen gelassen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert, auch bei uns schießt keiner mit Absicht daneben“, sagte Thomas Müller.

Von einer Mini-Krise war die Rede, weil eben die Lockerheit und Leichtigkeit fehlten. Jeder Sieg musste zuletzt hart erkämpft werden, nie konnte man nach einer hohen Führung einen Gang rausnehmen und Spaß an der Show haben. „Es ist ja nicht so, dass wir aus irgendeiner Krise herauskommen, es ist alles okay“, betonte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: „Das 1:0 ist ein gutes Ergebnis. Kein Ruhekissen, aber auch kein Ergebnis, bei dem wir die Hosen voll haben müssen.“ Dass die Tendenz, vor allem spielerisch gesehen, zuletzt leicht negativ war, will man sich partout nicht einreden lassen. „Wir hatten auch vorher kein schmales Kreuz, haben ja immer gewonnen.“ Und überhaupt: „In dieser Phase sind die Ergebnisse wichtiger als die Qualität des Spiels.“

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Im Verteidigungsmodus war Matthias Sammer, der vehement betonte: „Es darf nicht den Hauch eines Ansatzes von Kritik geben, das hat die Mannschaft nicht verdient.“ Ach ja? Der Sportvorstand sah die jüngsten Auftritte „sehr, sehr positiv“, die Ergebnisse seien „einzigartig in Europa“. Dies sei „lamentieren auf ganz hohem Niveau“, unterstrich Rummenigge. Dennoch, so Sammer, sei „natürlich Druck auf dem Kessel“.

 

Lissabon gegen Bayern: Der Kaiser tippt 1:1

 

Arroganz dürfe man sich in Lissabonaber nicht erlauben. In Benficas „Estádio da Luz“ erwarte Bayern „die Hölle,“ (siehe Artikel unten). Bei den jüngsten Auftritten – auch im Hinspiel – habe er „ein, zwei Prozent Lust, Gier, und Freude“ vermisst, meinte Sammer. Mehr noch: den „letzten Funken absoluter Begeisterung, das Miteinander und sich gegenseitig Helfen“.

Nur eines von sieben Auswärtsspielen in den K.o.-Runden der Champions League hat Pep Guardiola gewonnen: im Februar 2014 mit 2:0 beim FC Arsenal. Ansonsten gab es drei Remis und drei Pleiten (2014 bei Real, 2015 in Porto und Barcelona). Am Mittwoch reicht ein Remis, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer tippt auf ein 1:1.

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Und wenn Bayern das Halbfinale am Ende nicht erreicht? Bisher schaffte man es unter Pep jeweils ins Semifinale, scheiterte dort aber auch jeweils. Das Semifinale ist sein Minimalziel. Pep und der Halbfinal-Minimalismus. Müsste man bei einem Viertelfinal-Aus Guardiolas Drei-Jahres-Ära als gescheitert betrachten? Beckenbauer in „Bild“: „Er gewinnt in drei Jahren dreimal die Deutsche Meisterschaft. Dieser Titel ist für mich immer noch das Maß aller Dinge. Wenn du über 34 Spieltage der Beste bist, sagt das mehr aus, als eine K.o.-Runde zu überstehen. Ein schlechter Tag kann alles kaputtmachen.“

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