FC Bayern gegen Frankfurt: Die Adler als Schicksal

Zwei der empfindlichsten Pleiten der vergangenen Jahre kassierte Bayern gegen Eintracht Frankfurt – mit teils gravierenden Folgen. Am Mittwoch kommt es im Halbfinale des DFB-Pokals zur Neuauflage.
| Simon Stuhlfelner
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Pokalfinale 2018: Ante Rebic (Mitte) düpiert beim 1:0 Mats Hummels (l.)und Niklas Süle.
dpa 2 Pokalfinale 2018: Ante Rebic (Mitte) düpiert beim 1:0 Mats Hummels (l.)und Niklas Süle.
Eintracht Frankfurts 5:1 in der Hinrunde bedeutete das Aus für Kovac.
dpa 2 Eintracht Frankfurts 5:1 in der Hinrunde bedeutete das Aus für Kovac.

München - Eine Quizfrage zum Start: Wann war das letzte und bisher einzige Mal, dass sich der FC Bayern und Eintracht Frankfurt in einem DFB-Pokal-Halbfinale begegneten?

Na? Eine knifflige Aufgabe. 1974 war’s, genauer gesagt am 13. April. Die Bayern verloren damals trotz der Treffer von Uli Hoeneß und Paul Breitner und einer 2:1-Führung am Ende mit 2:3 in Frankfurt, die Eintracht zog ins Finale ein und krönte sich durch den 3:1-Sieg gegen den Hamburger SV erstmals zum Pokalsieger.

Lang ist’s her und für die Gegenwart nicht mehr wirklich relevant. Doch auch zwei der empfindlichsten Pleiten der jüngsten Geschichte kassierte der FC Bayern gegen die Eintracht, mehrmals spielten die Adler, wie das Team genannt wird, eine richtungsweisende Rolle für die nähere Zukunft der Münchner. Die Adler als Schicksal, sozusagen.

Frankfurt warnt vor Bayerns "Übermannschaft"

Auch diesmal, im Halbfinale an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, im Liveticker der AZ und bei ARD und Sky) "Das wird sehr schwer", sagte Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner, "Bayern ist aktuell eine Übermannschaft. Nichtsdestotrotz ist es nur ein Spiel, es geht um alles oder nichts. Wir werden versuchen, so gut es geht zu bestehen."

Pokalfinale 2018: Ante Rebic (Mitte) düpiert beim 1:0 Mats Hummels (l.)und Niklas Süle.
Pokalfinale 2018: Ante Rebic (Mitte) düpiert beim 1:0 Mats Hummels (l.)und Niklas Süle. © dpa

So wie es ihnen eben schon mehrmals gelungen ist in letzter Zeit. Die AZ blickt zurück auf richtungsweisende Duelle: DFB-Pokalfinale 2018 (FC Bayern – Eintracht 1:3): Der Bayern-Schreck an diesem Tag hieß Ante Rebic. Der wuchtige Stürmer, der mittlerweile beim AC Mailand spielt, erzielte das 1:0 (11. Minute) und das 2:1 (82.), Mijat Gacinovic legte ins leere Tor das 3:1 nach (90.). Für die Bayern traf im Berliner Olympiastadion lediglich Robert Lewandowski zum zwischenzeitlichen 1:1 (53.). Es war eine von insgesamt erst vier Pokalfinal-Niederlagen der Bayern bei 19 Siegen.

Kovacs erstes Titelchen gegen Eintracht

Dramaturgisch interessant: Es war das letzte Spiel als Eintracht-Trainer für Niko Kovac, der als Pokalsieger gestärkt zum Finalverlierer FC Bayern wechselte. "Ich habe jetzt die erste Kerbe im Colt", sagte Cowboy Kovac damals, "ich hoffe, dass noch einige hinzukommen."

Supercup 2018 (Eintracht – FC Bayern 0:5): 85 Tage nach der Pokal-Schmach führte Kovac Bayern höchstselbst zur eindrucksvollen Revanche. In einem einseitigen Supercup-Finale siegten die Bayern mit 5:0, Lewandowski traf dreimal (21., 26., 54.), dazu Kingsley Coman (63.) und Thiago (85.). Kovacs erstes Titelchen, die erste Kerbe im Colt mit den Bayern – und ein perfekter Start in seine Amtszeit.

Flick beerbt Kovac nach 1:5-Debakel

Bundesliga-Hinrunde 2019 (Eintracht - FC Bayern 5:1): Nachdem Kovac auch seine ersten beiden Bundesliga-Partien mit den Bayern souverän gegen Frankfurt gewonnen hatte (3:0 und 5:1), zwischendurch Meister und Pokalsieger wurde, besiegelte pikanterweise die Eintracht auch sein Schicksal in München. Kovac, nach zuvor sehr mäßigen Leistungen und der Beinahe-Blamage im Pokal bei Zweitligist Bochum schwer angeschlagen, ging am 2. November 2019 mit seiner Meister-Mannschaft 1:5 in der Commerzbank-Arena unter. Die Bosse hatten genug, entzogen dem Kroaten das Vertrauen und installierten Co-Trainer Hansi Flick als Chef.

Eintracht Frankfurts 5:1 in der Hinrunde bedeutete das Aus für Kovac.
Eintracht Frankfurts 5:1 in der Hinrunde bedeutete das Aus für Kovac. © dpa

Eine erneute schicksalhafte Wendung. Flicks Bilanz seitdem: 23 Siege in 26 Pflichtspielen, sein Vertrag ist zwischenzeitlich bis 2023 verlängert. Und diesmal? Für die Bayern ist angesichts des komfortablen Vorsprungs in der Liga und der noch ungewissen Zukunft der Champions League das Halbfinale die vorerst wichtigste der noch ausstehenden Partien in dieser Saison, die Chance aufs Triple steht auf dem Spiel. In der Liga siegten sie vor zweieinhalb Wochen mit 5:2.

Alles Formsache also? Nicht ganz. Die Frankfurter sind eine Cupmannschaft, erreichten neben dem Pokalsieg auch 2017 das Endspiel (1:2 gegen Borussia Dortmund), dazu das Halbfinale der Europaleague im Vorjahr, sie können sich für ein einzelnes K.o.-Spiel auf ein höheres Level pushen. Nur zu gern würden die Adler nun wieder Schicksal spielen.

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