FC Bayern: Die Boateng-Entscheidung ist nachvollziehbar, birgt aber Risiken

Die Anzeichen für einen Abgang von Jérôme Boateng vom FC Bayern verdichten sich immer mehr. Die Entscheidung gegen eine Vertragsverlängerung ist durchaus nachvollziehbar - und wirft dennoch Fragen auf.
| Bernhard Lackner
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Jérôme Boateng wird den FC Bayern nach zehn äußerst erfolgreichen Jahren höchstwahrscheinlich verlassen.
Jérôme Boateng wird den FC Bayern nach zehn äußerst erfolgreichen Jahren höchstwahrscheinlich verlassen. © IMAGO / Sven Simon

München - Uli Hoeneß gab sich schmallippig, das macht er gerne mal. "Ich würde ihn nicht mitnehmen", antwortete der langjährige Bayern-Macher trocken auf die Frage, ob ein Bundestrainer Hoeneß Jérôme Boateng für die Europameisterschaft in diesem Sommer nominieren würde. Er würde lieber Mats Hummels ins DFB-Team zurückholen, so Hoeneß weiter.

Aufgrund von Boatengs Status als Stammspieler unter Hansi Flick sorgten seine Äußerungen für Diskussionen. Nach den jüngsten Entwicklungen stehen die Aussagen plötzlich in einem anderen Licht da. Wie der "kicker" am Montagabend vermeldete, ist der Abgang des 32-Jährigen mittlerweile beschlossene Sache. Demnach hat sich der Aufsichtsrat des Rekordmeisters, dem auch Hoeneß angehört, endgültig dazu entschieden, den im Sommer auslaufenden Vertrag des Innenverteidigers nicht zu verlängern. Diese Entscheidung sei auch seinem Berater schon mitgeteilt worden.

Hoeneß-Aussage zu Boateng plötzlich in anderem Licht

Hoeneß dürfte bei seinem Auftritt als RTL-Experte am vergangenen Mittwoch also schon Bescheid gewusst haben. Dem Fachmagazin zufolge wollte er den Verantwortlichen um Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn, die die Entscheidung später nach außen vertreten müssen, unangenehme Nachfragen ersparen. Wozu also einen Spieler für die Nationalmannschaft empfehlen, der beim eigenen Klub keine Zukunft hat?

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Trainer Hansi Flick, der seinem Innenverteidiger in der vergangenen Woche einmal mehr den Rücken gestärkt hat und als großer Befürworter Boatengs gilt, reagierte am Dienstag genervt auf die erneuten Nachfragen zur Zukunft des 32-Jährigen. "Ich weiß nicht, ob ich alles kommentieren muss, was in den Medien steht", meinte der Triple-Coach auf der Pressekonferenz vor dem Viertelfinal-Kracher gegen Paris Saint-Germain (Mittwoch, 21 Uhr/Sky und im AZ-Liveticker): "Er hat eine sehr gute Saison gespielt. Er ist sehr konzentriert auf seinen Job und das ist eine gute Basis dafür, dass er Leistung bringt. Es ist sehr gut, dass man so einen Spieler hat."

Aus Sicht des Klubs gibt es tatsächlich gute Gründe für eine Trennung vom 32-Jährigen. Letztmals hat Boateng seinen Vertrag bei den Bayern kurz vor Weihnachten 2015 verlängert. In den Jahren zuvor hatte der gebürtige Berliner mit den Münchnern die Champions League sowie mit der Nationalmannschaft den WM-Titel geholt - unter dem damaligen Trainer Pep Guardiola zählte er zu den absolut besten Innenverteidigern der Welt. Entsprechend war auch das Salär, das sich Boateng im Vertrag zusichern ließ.

Über fünf Jahre her: Kurz vor Weihnachten verlängerten neben Jérôme Boateng (2. v. l.) auch Xabi Alonso, Javi Martínez und Thomas Müller (v.l.).
Über fünf Jahre her: Kurz vor Weihnachten verlängerten neben Jérôme Boateng (2. v. l.) auch Xabi Alonso, Javi Martínez und Thomas Müller (v.l.). © FC Bayern

Boateng hätte deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen

Die Umstände haben sich seitdem freilich geändert. Zahlreiche Verletzungen warfen den Innenverteidiger immer wieder zurück, zudem sorgten seine außersportlichen Aktivitäten bei den Verantwortlichen des Rekordmeisters bisweilen für Missmut. Anvisierte Wechsel wie etwa zu Paris Saint-Germain 2018 zerschlugen sich jedoch.

Erst nach der Amtsübernahme von Hansi Flick vor eineinhalb Jahren trug die lange so erfolgreiche Zweckehe zwischen Bayern und Boateng wieder Früchte. Für eine Verlängerung hätte der mittlerweile 32-jährige Boateng aber nicht nur wegen der Corona-Krise deutliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen.

Die Entscheidung der Bayern wirkt angesichts der Umstände zwar nachvollziehbar, birgt mit Blick auf die Besetzung im Abwehrzentrum in der kommenden Saison allerdings Risiken. Neben Boateng steht mit David Alaba schließlich noch eine weitere Säule vor seinem Abgang aus München. So bleiben für die Innenverteidigung Stand heute noch Neuzugang Dayot Upamecano, Lucas Hernández, Niklas Süle, Tanguy Nianzou und Abwehrtalent Chris Richards, der aktuell an die TSG Hoffenheim ausgeliehen ist.

Vertrag bis 2022: Süle-Zukunft noch nicht geklärt

Ob die Bayern mit dieser Besetzung in die neue Spielzeit gehen, ist aber noch nicht sicher. Der Vertrag von Niklas Süle läuft im Sommer 2022 aus und wurde noch nicht verlängert. Wie Karl-Heinz Rummenigge bereits andeutete, wird auch der Nationalspieler den finanziellen Einbußen der Corona-Krise Rechnung tragen müssen.

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"Wir haben finanziell nicht mehr die Masse zur Verfügung, die wir vor Corona hatten. Wenn wir eine Lösung finden, sind wir grundsätzlich bereit, den Vertrag zu verlängern", sagte Bayerns Vorstandsboss im Februar im "ZDF-Sportstudio" und eröffnete damit den Vertragspoker. Sollte es zu keiner Einigung kommen, wird Süle im Sommer wohl gehen müssen. Laut "Sport1" zeigt der FC Chelsea Interesse.

FC Bayern: Dayot Upamecano soll der neue Abwehrboss werden

Als Abwehrchef der Zukunft ist Dayot Upamecano vorgesehen. Der bullige Abwehrspieler, der für satte 42,5 Millionen von RB Leipzig losgeeist wurde, gilt als einer der talentiertesten Innenverteidiger Europas - auch der FC Liverpool und Chelsea hatten den Franzosen auf dem Wunschzettel.

Dass er mit seinen 22 Jahren ohne einen erfahrenen Partner an seiner Seite konstant auf allerhöchstem Niveau mithalten kann, muss er bei allem unbestrittenem Talent allerdings noch beweisen. In dieser Saison leistete er sich insbesondere in der Champions League noch immer seine Leichtsinnsfehler. Fehler, die sich ein Abwehrboss beim FC Bayern nicht leisten sollte.

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