Eberl in Bedrängnis: Die AZ erklärt, was ihm intern beim FC Bayern vorgeworfen wird

Eine Vertragsverlängerung mit dem Sportvorstand des FC Bayern ist nach AZ-Informationen alles andere als sicher. Freund und Dreesen könnten seine Aufgaben übernehmen. Was ihm vorgeworfen wird.
von  Maximilian Koch
Intern erneut unter Druck: Bayern-Sportvorstand Max Eberl.
Intern erneut unter Druck: Bayern-Sportvorstand Max Eberl. © IMAGO/DeFodi.de

Sportlich könnte es für den FC Bayern derzeit gar nicht besser laufen: In der Bundesliga sind die Münchner der Konkurrenz bei elf Punkten Vorsprung längst enteilt, die 35. Meisterschaft wird in wenigen Wochen fix sein - inklusive neuem Torrekord. Zudem winkt das erste Pokalfinale seit 2020, dafür muss am 22. April die Halbfinal-Hürde in Leverkusen genommen werden.

Und dann wäre da ja auch noch die Champions League, der Sehnsuchtswettbewerb des Klubs: Mit dem 6:1-Feuerwerk am Dienstagabend bei Atalanta Bergamo hat sich die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany endgültig zum Titelfavoriten Nummer eins aufgeschwungen. Von "unaufhaltsamen Bayern" schrieb die "Gazzetta dello Sport". Und "Tuttosport" meinte voller Ehrfurcht: "Bayern München ist eine Walze."

Unruhe beim FC Bayern trotz sportlicher Dominanz

Ja, dieses Team hat eine Wucht, der gesamte Klub hat eine Wucht. Und seine Eigenheiten. Denn mitten in der erfolgreichsten Phase seit dem Sextuple-Gewinn unter Ex-Coach Hansi Flick vor mehr als fünf Jahren gibt es Unruhe neben dem Platz. Übrigens ähnlich wie damals, als Flick und der frühere Sportvorstand Hasan Salihamidzic nicht mehr miteinander konnten.

Diesmal steht Max Eberl im Fokus. Der aktuelle Sportvorstand hat zwar ein gutes Verhältnis zu Trainer Kompany, dessen Verpflichtung im Sommer 2024 seine Idee war. Eine ziemlich gute nach zahlreichen Absagen zuvor. Doch im Kreis der Bosse wird Eberls Arbeit zum Teil weiter kritisch gesehen. So kritisch sogar, dass eine Vertragsverlängerung offen ist (AZ berichtete im Februar), eine Trennung möglich. Ende Juni 2027 läuft Eberls Vertrag aus.

Freude über einen 6:1-Sieg in Bergamo: Sportvorstand Eberl FC Bayern München und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.
Freude über einen 6:1-Sieg in Bergamo: Sportvorstand Eberl FC Bayern München und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. © IMAGO/DeFodi.de

Vorwürfe zu Ausgaben und Verhandlungen, gestörtes Vertrauensverhältnis

Intern wird Eberl unter anderem vorgeworfen, dass er zu viel Geld für Vertragsverlängerungen und Handgelder ausgibt. Spieler und Berater kassieren seit Jahren ab beim FC Bayern - so viel wie bei kaum einem anderen Topklub in Europa. Immerhin: Eberl hat Großverdiener wie Leroy Sané und Kingsley Coman von der Gehaltsliste bekommen, nach der Saison folgt Leon Goretzka.

Ein weiterer Kritikpunkt: Laut "Sport Bild" soll es kein echtes Vertrauensverhältnis zwischen Eberl und den Mächtigen im Klub geben. Dies deckt sich mit AZ-Informationen. Der Aufsichtsrat, in dem unter anderem der Vorsitzende Herbert Hainer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sitzen (OB Dieter Reiter nach nur einer Sitzung nicht mehr) die Arbeit des Vorstands bewerten und Ausgaben von mehr als 50 Millionen Euro absegnen, fühlt sich von Eberl teilweise nicht abgeholt und zu spät informiert. Ihm werden Alleingänge vorgeworfen. Des Weiteren heißt es intern, Eberl verhandele nicht so hart wie seine Vorgänger Rummenigge und Hoeneß. Das koste Bayern letztlich viel Geld.

Bayern-Aufsichtsräte: Uli Hoeneß (r.) und Karl-Heinz Rummenigge.
Bayern-Aufsichtsräte: Uli Hoeneß (r.) und Karl-Heinz Rummenigge. © IMAGO/Michael Weber

Zugleich darf man festhalten, dass Eberl seit seinem Amtsantritt im März 2024 einige gute Entscheidungen getroffen hat: Kompanys Verpflichtung etwa, auch die Transfers von Michael Olise, Luis Díaz oder Jonathan Tah. Doch ein echtes Miteinander vermissen die Bosse. Intern hört man regelmäßig, dass es verschiedene Lager im Klub gibt - auch am Campus. Und das könnte auf Dauer den sportlichen Erfolg gefährden.

Eberl-Zukunft könnte sich im August entscheiden

Sollte Eberls Vertrag nicht verlängert werden, würden Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund wohl die Aufgaben des Sportvorstands übernehmen. Eine Neuverpflichtung ist derzeit nicht geplant. Dreesen und Freund, deren Arbeitspapiere ebenfalls 2027 enden, haben sehr gute Chancen auf eine Verlängerung. Eberl hingegen ist wieder einmal in Bedrängnis. Auf der übernächsten Aufsichtsratssitzung Mitte August soll über seine Zukunft entschieden werden.

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