Dieter Hoeneß: "Peps Bayern? Unvergleichlich!“

In der AZ spricht Dieter Hoeneß über das Spiel seiner Ex-Klubs Stuttgart und Bayern und die Dominanz des Guardiola-Teams: "Sie sind Favorit in der Champions League." Und: Was er Bruder Uli zutraut.
| mxm
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
So bejubelten die Bayern-Profis das grandiose 5:1 gegen den FC Arsenal.
Rauchensteiner/Augenklick So bejubelten die Bayern-Profis das grandiose 5:1 gegen den FC Arsenal.

AZ: Herr Hoeneß, beim Duell Ihrer Ex-Vereine am Samstag trifft der FC Bayern auf den VfB Stuttgart – für die Schwaben wohl der schwierigste Gegner der Saison. Gab es überhaupt schon mal eine bessere Bundesliga-Mannschaft als die Pep-Bayern?

DIETER HOENESS: Es gab große Mannschaften in der Bundesliga, aber ein Team mit einer solchen Dominanz habe ich noch nicht gesehen. Peps Bayern sind das Maß der Dinge und mit nichts zu vergleichen.

Dieter Hoeneß (62) stürmte in seiner Karriere unter anderem für den VfB Stuttgart und den FC Bayern. Als Manager fungierte der gebürtige Ulmer erst beim VfB Stuttgart, dann bei Hertha BSC. Zuletzt war er Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg.

Stuttgart fällt unter Trainer Alexander Zorniger mit einer sehr risikoreichen Spielweise auf. Droht dem VfB ein Debakel, wenn er auch gegen Bayern offensiv attackiert?

Wenn die Stuttgarter so stürmisch spielen, besteht diese Gefahr. Aber ich denke, dass Zorniger seine Lehren aus den vergangenen Spielen gezogen hat und gegen Bayern nicht im Harakiri-Stil agieren wird. Er muss ein gesundes Mittelmaß finden. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man wie Zorniger eine klare Idee hat. Aber es braucht auch einen Plan B.

Lesen Sie hier: Guardiola: Nicht bereit für Champions-League-Sieg

Sie waren selbst als Spieler und Manager beim VfB aktiv. Warum schafft es der Klub seit Jahren nicht, das große Potenzial auszuschöpfen?

Die Vorgänger von Zorniger haben grundlegende Dinge falsch gemacht. Außerdem fehlt es der aktuellen Mannschaft an Struktur. Der Rückfall vom Topteam zu einer Mannschaft des unteren Drittels ist aber vor allem an der Nachwuchsarbeit festzumachen. Da war Stuttgart früher führend, das hat sich geändert.

Ganz im Gegensatz zu Bayern. Wie hat es Guardiola geschafft, seine Mannschaft nochmal besser zu machen? Die vergangenen Jahre waren ja auch schon sehr erfolgreich.

Ich finde es schön, dass er auf Bewährtes zurückgreift, etwa mit der Rückversetzungen von David Alaba und Philipp Lahm, die auf den Außenverteidiger-Positionen die Besten der Welt sind. Und gleichzeitig fügt Pep Neues hinzu. Es passt jetzt einfach alles zusammen bei Bayern. Es ist sehr gut gelungen, die Ausfälle von Arjen Robben und Franck Ribéry fast gleichwertig zu ersetzen mit Douglas Costa und Kingsley Coman.

Sie sagen "fast gleichwertig". Sind Robbéry dem Duo CoCo noch voraus?

Wenn Robben und Ribéry ihre Bestform haben, sind beide besser als Costa und Coman. Vor allem in den großen Spielen können sie ihre Erfahrung ausspielen. Beide sind Weltklasse, noch feiner mit ihrer Technik auf engem Raum. Aber nochmal: Es war für Bayern eine große Herausforderung, Ersatz zu finden. Und das ist hervorragend gelungen. Das größte Problem, nämlich die Abhängigkeit von Robben und Ribéry, ist jetzt behoben.

Zuletzt war selbst der FC Arsenal chancenlos gegen die Bayern. Sehen Sie in Europa überhaupt ein Team, das Peps Mannschaft stoppen kann?

Der FC Barcelona in Bestform wird sicher eine Prüfung sein, auch Real Madrid. Man hat es zuletzt bei der 0:2-Niederlage in London gegen Arsenal gesehen: An manchen Tagen ist es möglich, sie zu schlagen. Aber in der aktuellen Form sind die Bayern der klare Favorit auf den Sieg in der Champions League.

Lesen Sie hier: Badstuber-Comeback gegen Stuttgart?

Kann es für Guardiola angesichts der sportlichen Dominanz und glänzenden Perspektive überhaupt einen Grund geben, Bayern zu verlassen?

Das kann nur er wissen. Sportlich spricht jedenfalls nichts gegen Bayern. Aber vielleicht hat er andere Ziele, will mal eine Erfahrung in der Premier League machen. Die Familie spielt bei einer solchen Entscheidung natürlich eine große Rolle.

Als ehemaliger Stürmer müsste Ihnen bei der Form von Thomas Müller und Robert Lewandowski doch das Herz aufgehen. Beide haben zusammen schon 34 Tore in dieser Saison geschossen. Hat Bayern den besten Sturm Europas?

Es ist sehr schwierig, die beiden zu toppen. Ich war kürzlich in Barcelona, habe dort Neymar gesehen. Er war noch nie so gut wie jetzt. Wenn man Messi auch als Stürmer sieht, ist das natürlich auch ein ganz besonderes Duo. Aber in der Kombination sind Müller und Lewandowski unschlagbar.

Bei den Profis gibt es kaum noch Verbesserungsmöglichkeiten. Und auch im Nachwuchs haben die Bayern nun Vollgas für die kommenden Jahre angekündigt. Hat Ihr Bruder Uli schon den nächsten Alaba oder Müller gefunden?

Wenn man Uli kennt, weiß man, dass er in seiner ganz eigenen Art dort mit hundert Prozent bei der Sache ist. Es freut mich, dass ihm die Aufgabe gefällt. Aber im Nachwuchsbereich funktioniert nichts auf Knopfdruck. Das dauert drei, vier, fünf Jahre, bis man Fortschritte erkennen kann. Die Bayern haben sicher Nachholbedarf, auch beim Scouting. Aber der Klub wird mit seiner ganzen Power daran arbeiten, dass man aufholt in diesem Bereich.

Interview: Maximilian Koch

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren