Müller und Schweinsteiger als Kandidaten? FC Bayern will Führungsetage verjüngen

Die Zeit ist von niemandem auszutricksen, auch von den Bossen des FC Bayern nicht. Uli Hoeneß wird Anfang Januar 75 Jahre alt, Herbert Hainer im Juli 73 – und Karl-Heinz Rummenigge hat gerade erst im kleinen Kreis seinen 71. Geburtstag gefeiert. Die drei Alphatiere aus dem Aufsichtsrat sind dank ihrer Erfahrung und Expertise weiter von großer Bedeutung für den FC Bayern. Und doch liegt es in der Natur der Sache, dass irgendwann die nächste Generation folgen muss. Daher werden im Hintergrund gerade schon die Voraussetzungen geschaffen.
Verjüngung im Aufsichtsrat
Mit Unternehmer Alexander Sixt (46) hat die Verjüngungskur in diesem Jahr bereits begonnen. Der gebürtige Münchner folgte auf Dieter Reiter als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats und übernahm auch dessen Platz im Aufsichtsrat. "Er verfügt über einen umfangreichen wirtschaftlichen Background und ein großes Netzwerk und wird für frische Impulse sorgen", sagte Präsident Hainer. Das wünschen sich die Münchner auch von Max Viessmann (37).

Viessmann als möglicher vierter Anteilseigner
Den Chef der Viessmann Generations Group will der FC Bayern als vierten Anteilseigner neben Adidas, der Allianz und Audi gewinnen. Fix ist der Deal nicht. Besonders Ehrenpräsident Hoeneß wirbt nach AZ-Informationen intensiv um Viessmann, der über ein großes Netzwerk in Asien und den USA verfügt. Zudem ist der hessische Familienunternehmer finanziell unabhängig nach dem Verkauf der Klimatechniksparte Viessmann Climate Solutions an den US-Konzern Carrier für rund zwölf Milliarden Euro.

Viessmann ist aktuell schon Mitglied im Verwaltungsbeirat, er würde bei einem Anteilskauf ebenfalls in den Aufsichtsrat einziehen. Das Kontrollgremium hätte dann zehn statt bisher neun Mitglieder. Viessmann würde zudem neben Hoeneß, Hainer sowie den drei anderen Anteilseignern Jan Heinemann (53/Adidas), Gernot Döllner (57/Audi) und Michael Diekmann (71/Allianz) im Präsidialausschuss sitzen. Dieser hatte zuletzt die Vertragsverlängerung von Sportvorstand Max Eberl (53) empfohlen und damit für interne Aufregung gesorgt.
Streit um Kompetenzen des Präsidialausschusses
"Es ist der Eindruck entstanden, der Präsidialausschuss habe die Vertragsverlängerung bereits entschieden und diese Entscheidung nur noch an die übrigen vier Mitglieder des Aufsichtsrats weitergegeben. So läuft es aber nicht", sagte Aufsichtsrat Rummenigge im AZ-Interview: "Der Präsidialausschuss kann eine Empfehlung aussprechen – entschieden aber wird im gesamten Aufsichtsrat." Daher habe er "lange darüber nachgedacht, ob ich bei der Verlängerung mit Max mit 'Nein' stimmen soll", ergänzte Rummenigge: "Erst im Verlauf der Sitzung habe ich mich entschieden, mich zu enthalten. Dazu stehe ich. Für mich war wichtig, dass ich meine Entscheidung unabhängig treffe und mich nicht durch eine vorherige Empfehlung präjudizieren lasse."

Kontinuität in der sportlichen Führung
Eberl hat seinen Vertrag Ende August bis 2029 verlängert – ebenso wie Vorstandschef Jan-Christian Dreesen (59). Wenig später zog Sportdirektor Christoph Freund (49) nach. In der sportlichen Führung setzen die Münchner auf Kontinuität. Das gilt auch für den Campus, wo Direktor Jochen Sauer (54) erstklassige Arbeit leistet. Unterstützt wird Sauer von Michael Wiesinger (53/Leiter Sport und Nachwuchsentwicklung) und Freund, die für die Entwicklung der Talente zuständig sind. "Es ist inzwischen beschlossen, dass Christoph Freund und Jochen Sauer künftig die komplette Verantwortung für den Campus haben. Der Campus muss in Zukunft eine noch größere Rolle für den FC Bayern spielen", sagte Rummenigge.

Starker Vorstand mit klaren Zuständigkeiten
Sehr geschätzt wird intern auch die Arbeit von Rouven Kasper (44), der am 1. Januar zum Vorstand Marketing und Vertrieb ernannt wurde. Der frühere Stuttgart-Manager sei "ein ausgewiesener Fachmann in den Bereichen Marketing, Sponsoring und Vertrieb", lobte Rummenigge. Und damit Teil des starken Vorstands, der in Zukunft unabhängiger arbeiten soll.

"Der Aufsichtsrat ist zwar das höchste Gremium des Klubs, aber nicht für den operativen Bereich verantwortlich", sagte Rummenigge: "Es gibt einen Geschäftsführungsplan des Vorstands, in dem genau festgelegt ist, wann der Vorstand den Aufsichtsrat informieren und wann er dessen Zustimmung einholen muss. Ausgaben über 50 Millionen Euro müssen abgesegnet werden, das ist in Ordnung. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht zu viele Entscheidungen vom Vorstand in den Aufsichtsrat schieben. Wir haben gute Leute im Vorstand. Und gute Leute muss man hegen und pflegen, damit sie lange bleiben."
Ehemalige Spieler als künftige Klublenker
In ein paar Jahren könnten weitere bekannte Namen beim FC Bayern mitwirken. Thomas Müller (37) und Bastian Schweinsteiger (42) gelten als Kandidaten fürs Präsidentenamt, auch Philipp Lahm (42) und Manuel Neuer (40) wird eine Laufbahn im Management zugetraut. Der Umbruch an der Spitze des FC Bayern geht gerade erst richtig los.