Die Müller-Wahrheit: Wie wertvoll er wirklich für den FC Bayern ist

Bleibt der Offensivstar beim FC Bayern? Oder sucht er eine neue Herausforderung? Thomas Müller steht am entscheidenden Punkt seiner Karriere. Kimmich versteht den Frust seines Mitspielers.
| Florian Kinast
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München - Philippe Coutinho spielte von Anfang an. Am Donnerstag in Singapur. Gegen Senegal. Nach neun Minuten leitete Coutinho Brasiliens Führungstreffer ein, mit einem Pass auf Gabriel Jesus, dessen Flanke verwertete Roberto Firminho zum 1:0. Endstand 1:1, Coutinho wurde nach 72 Minuten ausgewechselt.

Am Sonntag spielt Coutinho dann nochmal. Gegen Nigeria. Wieder in Singapur. Gleich im Anschluss fliegt er zurück nach München. Sechs Tage Zeit, sich zu regenieren, bis zum nächsten Spiel, Samstag in Augsburg.

Kovac degradiert Müller zum Reservisten

Sofern Coutinho unversehrt an der Säbener Straße eintrifft, darf sich Thomas Müller nicht viel Hoffnung machen, auf einen Einsatz in der Startelf. Anders als vor einem Monat, als der Brasilianer nach dem Länderspiel in Los Angeles nur drei Tage zur Erholung vom Jetlag hatte und Müller in der Bundesliga von Beginn an auf dem Platz stand. Da war dann, wie es Niko Kovac ausdrücken würde, "Not am Mann".

Seit dem Leipzig-Spiel in den folgenden fünf Partien nur Ersatz, am Samstag von Niko Kovac vor laufender Kamera zum Reservisten degradiert: Thomas Müller steht am entscheidenden Punkt seiner Karriere. Bleibt er in München? Oder sucht er noch eine neue Herausforderung, jetzt mit 30?

FC Bayern: Diese Stars sind auf Länderspielreise

Rummenigge erklärte Müller für unverkäuflich

Begehrt ist Müller nach wie vor. Laut "kicker" gab es im Sommer ein lukratives Angebot aus China, dazu klopften die beiden Klubs aus Mailand an. Müller als Nerazzurro oder Rossonero in San Siro? Warum nicht? Müller in einem anderen Trikot als dem des FC Bayern? Das einst Unvorstellbare rückt langsam näher. Klar ist: Der FC Bayern braucht Müller mehr als Müller die Bayern.

Nichts zu hören war bislang von seinem größten Fürsprecher Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Boss hatte immer wieder in höchsten Tönen von Müller geschwärmt, ihn 2015 für unverkäuflich erklärt, dazu als "eine Mischung aus Karl Valentin und Franz Beckenbauer" bezeichnet. Hatte gehofft, er würde bis zum Karriereende in München spielen. Doch das wird gerade immer unwahrscheinlicher.

Thomas Müller, der Unberechenbare

Natürlich hat Müller stärkere Phasen erlebt und früher mit seiner Krummhaxigkeit die Gegner mehr zur Verzweiflung gebracht als heute. Und sicher ist Müller nicht unersetzbar – aber auch nur schwer verzichtbar. Denn noch immer ist keiner unberechenbarer als er. Selbst die Spielgestalter Thiago und Coutinho wirken in ihren Aktionen oft durchschaubar. Bei Müller weiß man nie, was kommt. Das gehört eben auch zur Wahrheit.

Joshua Kimmich sagte nach dem Länderspiel gegen Argentinien, Müller habe "sehr großen Anteil, dass der Klub da steht, wo er steht", und: "Es ist schon so, dass er Akzente setzt, wenn er reinkommt. Er ist schon ein gewisser Freigeist. Als Gegner ist das schwierig zu kontrollieren." Nur würde Müller auch gern wieder Akzente setzen, wenn er von Beginn an spielt.

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2011 bezeichnete sich Müller als "Raumdeuter", der Begriff ging in den englischen Wortschatz ein, 2017 schrieb der Sportjournalist Callum Rice-Coates ein schönes Porträt über Müller, um seine Einzigartigkeit zu dokumentieren, überschrieb er den Artikel mit: "The first and possibly last Raumdeuter." Gut möglich, dass Müller die Räume bald woanders deutet. In München jedenfalls ist die Perspektive nicht mehr so rosig wie einst. Sagte schon Karl Valentin: "Die Zukunft war früher auch besser."

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar: Causa Müller - Hat Kovac das Spiel der Emotionen verstanden?

Lesen Sie auch: Was für und gegen einen Wechsel von Thomas Müller spricht

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