AZ-Kommentar Causa Müller: Hat Kovac das Spiel der Emotionen verstanden?

Ansprochen auf die Aussage von Trainer Niko Kovac, Thomas Müller käme zum Einsatz "wenn Not am Mann" sei, sagt der 30-Jährige: "Als ich nach dem Spiel mit der Aussage konfrontiert wurde, war ich natürlich überrascht. Aber ich bin bei so etwas nicht so empfindlich." Foto: imago/ActionPictures

AZ-Sportchef Matthias Kerber kommentiert den Umgang von Bayern-Trainer Niko Kovac mit Thomas Müller. Hinter den pädagogischen Fähigkeiten des Fußballlehrers tauchen große Fragezeichen auf.

 

Wenn ein Urbayer wie Thomas Müller, der nicht nur sprachlich, sondern auch mit Herz, Hirn und Humor in der Heimat verwurzelt ist, über Landesflucht nachdenkt, ist klar, wie sehr er in der bajuwarischen Seele verletzt ist.

Die Worte von Bayern-Trainer Niko Kovac, der völlig ohne Not verkündet hatte, dass die Startelf-Bankdrückerrolle, die er Müller in den letzten fünf Spielen verordnet hatte, schon mal enden könnte, "wenn Not am Mann sein sollte" und dieser dann auch "seine Minuten bekommen" würde, waren unsensibel und in einer Weise herabwürdigend, dass hinter den pädagogischen Fähigkeiten des Fußballlehrers Kovac große Fragezeichen auftauchen.

Auf der einen Seite redet er darüber, wie sensibel ein Philippe Coutinho sei, wie sehr man versuchen müsse, dem Neuzugang eine Heimat zu geben, auf der anderen Seite führt man einem Spieler, dessen Heimat immer der FC Bayern war, mit dem Holzhammer vor Augen, dass er in der Prioritätenskala des Trainers eine Hinterbänklerrolle einnimmt.

Über den Spieler Müller und seine Rolle beim FC Bayern im Jahre 2019 kann man diskutieren, aber es kommt auf die Art der Diskussion an und die hat Kovac - bedacht oder unbedacht - in die falsche Richtung gelenkt. Wertschätzung ist ein hohes Gut, das die Bayern ja so gerne für sich einfordern (war da nicht mal was mit einer Pressekonferenz?).

Müller dient als Identifikationsfigur

Müller, der Vorzeige-Bayer, bei dem die vielbesungene und gerne als Identitätsmerkmal präsentierte Lederhosn eben nicht wie eine Verkleidung aussieht, steht für die Verwurzelung des FC Bayern, der sich immer mehr zum weltweiten Wirtschaftsunternehmen entwickelt, in der Heimat.

So, wie es Bastian Schweinsteiger vor ihm war. Dass der für die Fans zum Fußballgott wurde, hat auch mit seiner Heimatverbundenheit zu tun. Fußball ist nicht nur Geschäft, sondern ein Spiel der Emotionen.

Die Emotionen, die Kovac, der gerne quasi-philosophisch für einen respektvollen Umgang wirbt, ins Spiel brachte, sind die ganz falschen. Eine ganz einfache Fußballlehrer-Lehre.

 

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