Die Kraft des Fußballs: Bayerns Bald-Neuzugang Upamecano spricht über sein Handicap

Innenverteidiger Dayot Upamecano, der zur kommenden Saison von RB Leipzig zum FC Bayern wechselt, spricht über sein Handicap in der Kindheit: Er hat gestottert, wurde dafür gehänselt.
| Patrick Strasser
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"Es ging ums Gewinnen, und auch das Verlieren musste ich erst lernen", sagt Dayot Upamecano (l.) von RB Lepizig, hier beim 0:1 im Spitzenspiel gegen die Bayern um Thomas Müller.
"Es ging ums Gewinnen, und auch das Verlieren musste ich erst lernen", sagt Dayot Upamecano (l.) von RB Lepizig, hier beim 0:1 im Spitzenspiel gegen die Bayern um Thomas Müller. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Das Timing war perfekt. Gegen den FC Bayern konnte Dayot Upamecano letzten Samstag sein Comeback geben nach einer Muskelverletzung, die ihn zur Absage der Länderspiele mit der französischen Nationalelf gezwungen hatte. Bei der 0:1-Niederlage gegen die Bayern überzeugte der 22-Jährige erneut mit seiner überragenden Physis samt knallhartem Zweikampfverhalten und cleveren Stellungsspiels - auch wenn er sich nicht dem Besten, mit Weltfußballer Robert Lewandowski (Bänderdehnung im Knie) messen konnte.

Fünfjahresvertrag für Upamecano

Aufgrund seiner starken Auftritte bei RB Leipzig haben die Bayern den Innenverteidiger für kommende Saison verpflichtet. Weil Upamecano für sein Alter sehr reif, aber noch entwicklungsfähig ist, zog der Abo-Meister die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, die mit der festgelegten Ablösesumme in Höhe von 42,5 Millionen verbunden war. Der Franzose erhält in München einen Fünfjahresvertrag. Upamecanos Weg in die Bundesliga (via RB Salzburg, wo er von Juli 2015 bis Januar 2017 spielte) und in die französische Nationalmannschaft (drei Länderspiele, ein Tor) war ein steiniger.

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Vom unsicheren Stotterer zum versierten Profi

Vor allem in seiner Kindheit in Évreux in der Normandie. Aufgrund eines Sprachfehlers musste er viel Spott über sich ergehen lassen. Der heute auf dem Platz so selbstsicher auftretende Profi stotterte und nahm zwischen seinem 10. und 13. Lebensjahr die Hilfe eines Logopäden in Anspruch. "Eine schwierige Zeit. Einige Mitschüler haben mich nicht besonders gut behandelt und mich geärgert. Ich habe deswegen wenig gesprochen damals und versucht, das nicht zu tief an mich heranzulassen. Im Gegenteil: Es hat mich gestärkt und geprägt, aber nicht verletzt. Ich wusste ja: Ich kann dafür andere Dinge besser", sagte der 22-Jährige dem Magazin "Fußball & Familie". Auf dem Feld habe sich Upamecano wie ein anderer Mensch gefühlt. "Auf dem Platz war ich ein anderer, da strahlte ich etwas anderes aus, da zeigte ich breite Brust. Aber wenn früher das Spiel vorbei war, hat sich das sofort wieder gedreht. Dann kam das Stottern zurück." Die Behandlung des Logopäden habe Upamecano entscheidend vorangebracht. "Das hat mir geholfen und mein Selbstbewusstsein auch außerhalb des Platzes gestärkt."

Eine Kindheit mit viel Fußball

Seine Familie hat ihn immer unterstützt, vor allem seine Mutter. "Mein Leben neben der Schule bestand aus Freunden und Fußball. Für Mama war es schon schwierig genug, mich überhaupt nach Hause zu bekommen. (lacht) Sie hat gerufen: ,Dayot, komm' jetzt! Schluss für heute!' Ich habe geantwortet: ,Nein, noch fünf Minuten, bitte. Ich komme gleich.' Zu Hause musste ich mich dann erst verarzten. Aber das war normal, kein Problem. Ein bisschen Salbe drauf oder ein Pflaster, um eine blutende Wunde zu stoppen. Am wichtigsten war sowieso: Gewinnen! Meine Knie sind heute noch gezeichnet von dieser Zeit."

Upamecanos Partner in Bayerns Innenverteidigung? Süle.
Upamecanos Partner in Bayerns Innenverteidigung? Süle. © picture alliance/dpa

Upamecanos Anfänge beim FC Valenciennes

Das Kicken auf dem Asphalt der umzäunten Bolzplätze in Évreux hat Upamecano geprägt. "Selbst blutige Knie waren keine Ausrede, um sein Team im Stich zu lassen. Es war hart, aber auch ein besonderes Miteinander. Es ging ums Gewinnen, und auch das Verlieren musste ich erst lernen. Und es ging darum, seine Mitspieler zu unterstützen. Das waren ganz wichtige Lektionen. Das Team stand über allem, und Aufgeben war keine Option", erzählt er in "Fußball & Familie". Er glaubt, dass seine Fähigkeit, gegnerische Stürmer heute besser "lesen" zu können, daher kommt, dass er in der Jugend selbst im Angriff spielte: "Klar hat mir das sehr geholfen. Ich habe nicht so viele Tore geschossen, habe aber gekämpft, bin viel gelaufen, war sehr beweglich. Dann wurde ich ins Mittelfeld gestellt, später in die Abwehr. Mit 15 durfte ich beim FC Valenciennes ein Probetraining machen. Sie haben mich gefragt, auf welcher Position ich spiele. Meine Antwort: ,Ihr könnt mich überall aufstellen, nur nicht ins Tor.'" Ab Sommer soll er bei Bayern den Abgang der Stammspieler David Alaba und Jérôme Boateng im Abwehr-Zentrum auffangen und könnte mit Niklas Süle oder Lucas Hernández das Innenverteidiger-Pärchen bilden.

 

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