Die Geburtsstätte des Kaisers: In diesem Münchner Haus kam Franz Beckenbauer (†78) zur Welt
Es war am 11. September 1945, als bei Antonie Beckenbauer in ihrer Wohnung in Obergiesing die Wehen einsetzten – und sie aufbrach, um nach ihrem ersten Sohn Walter 1941 nun ihr zweites Kind zur Welt zu bringen. Es war ein langer Weg für die 32-jährige Hausfrau, fünf Kilometer in die Klinik in der Maxvorstadt, durch die Ruinen des zerbombten München, vier Monate nach Kriegsende.
Ein Stück des Wegs ging sie zu Fuß, dann fuhr sie mit der Tram. Einmal erzählte sie auch, hilfsbereite GI-Soldaten der amerikanischen Befreiungstruppen hätten sie auf der letzten Etappe in einem Jeep bis vor die Tür gefahren. In die Richard-Wagner-Straße 19, zur Privatklinik Dr. Haas, wo Franz Beckenbauer an diesem Spätsommertag 1945 auf die Welt kam.

1910 hatte der Chirurg Alfred Haas das Gebäude im Jugendstil erbauen lassen und dort seine Klinik für zunächst 45, nach einer Erweiterung für 60 Patientinnen und Patienten eingerichtet. Haas war Schwiegersohn von Brauereibesitzer Joseph Schülein, als Jude erlebte auch der Mediziner Repressionen durch den Nazi-Terror, 1938 emigrierte er nach New York.
In seiner Vita machte Beckenbauer Giesing zum Inbegriff seiner Herkunft
Das Krankenhaus wurde zu einer Entbindungsklinik, die Pflegerinnen nannte man die "braunen Schwestern". Gleich nach Kriegsende bekam Haas sein Eigentum wieder zurück, er blieb aber in den USA und verkaufte das Gebäude an einen Franziskanerinnen-Orden. Den Namen ihres Gründers behielt die Klinik weiter. Mitte der 1990er Jahre stellte man den Klinikbetrieb ein, heute befinden sich in dem denkmalgeschützten Gebäude Eigentumswohnungen.

Antonie Beckenbauer und ihr Zweitgeborener kamen wenige Tage nach der Entbindung wieder heim, in seiner Vita wurde Giesing zum Inbegriff seiner Herkunft. Die Geburtsstätte von Franz Beckenbauer liegt aber hier in der Maxvorstadt.

Florian Kinast: 99 Münchner Fußballorte, Carl Ueberreuter Verlag, ISBN-10: 3800078929
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