Das Mysterium Mario Mandzukic

Schon 17 Mal hat der Stürmer das wichtige erste Tor für Bayern erzielt. Der Kroate vergleicht sich mit einem Gladiator, geliebt wird er von den Fans aber nicht. Das ist der Mensch hinter der Tormaschine.
| Gregor Röslmaier
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Hey Kumpel, freu dich! War das 1:0! David Alaba (Mitte) watscht Mario Mandzukic (r.).
dpa Hey Kumpel, freu dich! War das 1:0! David Alaba (Mitte) watscht Mario Mandzukic (r.).

Pilsen - Wenn nichts mehr geht beim FC Bayern dieser Tage, dann hilft nur das gute, alte Rezept. Hausmannskost statt hoher Fußballkultur: Ball auf die Außen, Flanke, Kopfball – drin. Siehe Pilsen: Operation Brechstange gelungen. Dank Mario Mandzukic.

Nur freuen wollte sich der Bayern-Stürmer nach seinem Treffer zum 1:0 gegen den Außenseiter nicht. Der Kroate schlich nach getaner Arbeiter von dannen, als hätte er in einem Freundschaftsspiel das unwichtige 6:0 oder 7:0 erzielt. Fast teilnahmslos.

Es musste schon David Alaba kommen, um ihm beim Gratulieren eine österreichische liebevolle Watschn zu verpassen. Motto: Hey Kumpel, freu dich! War das 1:0!

Und das schon zum 17. Mal seit er im Sommer 2012 vom VfL Wolfsburg zu den Bayern gewechselt ist. 17 Mal war Mandzukic in einem Pflichtspiel der Dosenöffner.  Und den setzt Trainer Pep Guardiola wie in Pilsen häufig auf die Bank. Der Coach präferiert kleine, schnelle, wendige und technisch gute Spieler. Spieler wie Götze, Kroos, Shaqiri oder sogar Lahm.

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„Guardiola war vielleicht am Anfang der Meinung, dass man auch ohne Mittelstürmer spielen kann, aber nun respektiert er das sehr wohl, dass es diesen Plan B mit einem Mandzukic gibt“, sagte Präsident Uli Hoeneß im „kicker“.

Das freut den ehemaligen Außenstürmer: „Das ist der große Unterschied zwischen unserem Spiel und Barcelona. Die haben einen Plan A, der ist perfekt, aber einen Plan B eher weniger. Wenn wir einen Mann für die Brechstange brauchen, dann haben wir den mit Mandzukic und ich möchte ihn nicht missen. Und Guardiola auch nicht.“

In 17 Pflichtspielen dieser Saison wurde der 27-Jährige vier Mal eingewechselt, erzielte zehn Treffer. Doch wer ist dieser Mario wegen dem der andere Mario (Gomez) vor Saisonbeginn an den AC Florenz abgegeben wurde? Wer ist der Mann, der Tore am Fließband schießt – und das obwohl ihm ständig Dortmunds Robert Lewandowski im Nacken zu sein scheint? Der soll ja nächste Saison zu Bayern wechseln.

Chelsea-Coach Jose Mourinho, der seit Monaten auch um Lewandowski buhlt, erklärte sein Werben nun für beendet. „Lewandowskis Geschichte ist ein Buch, das schon vor langer Zeit geschrieben wurde. Jeder weiß, wie die Geschichte endet. Es sieht so aus, dass er zu Bayern München geht“, sagte er bei Sky. Doch Mandzukic scheint das nicht wirklich zu interessieren. Er trifft weiter.
Das Mysterium Mandzukic.

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Der Torjäger: Der Kroate ist ein Pflichterfüller was seine Aufgaben auf dem Platz betrifft, ein unermüdlicher erster Angreifer der Verteidigung. Ein ungemütlicher Typ – für die Gegner. Er sagte einmal: „Auf dem Platz will ich für meine Familie kämpfen, sie stolz machen. Da bin ich wie ein Gladiator.“ Doch für sein Spiel braucht er die Unterstützung und das Vertrauen des Trainers. Als es in der Vorbereitung nach häufigeren Bankzeiten aussah, schmollte Mandzukic, drückte seinen Frust durch demonstrativen Jubel aus. Mittlerweile haben sich Mandzukic und Guardiola angenähert. „So einen Spieler habe ich mein ganzes Leben noch nicht gesehen“, sagte Guardiola, „ich liebe diesen Spieler.“ In Champions-League-Auswärtsspielen schätzt er ihn eher als Joker.

Der Mensch: In Kroatien wird Mandzukic verehrt. Als Kind lebte er vier Jahre in Schwaben. Die Familie war vor dem Krieg in der Heimat geflohen. „Wir mussten mit meiner Mutter oft in den Schutzkeller. Geschlafen habe ich auf einer Matratze auf dem Boden.“ Mit zehn Jahren musste er zurück nach Kroatien.</CS> Heute lebt er mit seiner Freundin Ivana. Ein introvertierter, ruhiger Typ, der auf Facebook-Fotos von seinem Mops Lenni postet, mit aufgesetzter Sonnenbrille. Wenn er zuletzt für Bayern traf, klopfte er sich immer wieder aufs Wappen. Sprechchöre für ihn gab es noch nie, eher höflichen Applaus. Er sucht die Nähe zu den Fans, doch das Verhältnis ist schwer greifbar. Er ist ein Suchender: Nach Stammplatz und Anerkennung.

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