Beißst La Bestia Negra wieder zu?

Am Mittwoch muss Real Madrid in München ran – ein Duell, das die Spanier schon seit langer Zeit fürchten. "Bayerns Trikot bereitet eine Phobie."
| Patrick Strasser
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"Bayerns Trikot bereitet eine Phobie."
AZ-Fotomontage "Bayerns Trikot bereitet eine Phobie."

München - Das Herz des Mensch gewordenen Unheils pocht heftig. Und hüpft dieser Tage vor Freude. Auch aus Vorfreude. Was gefährlich ist für die Opfer – vor allem für das Lieblingsopfer, für Real Madrid.

Der FC Bayern ist bereit. "La Bestia Negra" hat Hunger. Die "schwarze Bestie", wie die Münchner in Madrid genannt werden, der Angstgegner, strebt den nächsten Raubzug an im Viertelfinale der Champions League. Die Mannschaft spiele "wie aus einem Guss", frohlockte Präsident Uli Hoeneß im vereinseigenen TV-Sender, "wenn ich die letzten Spiele speziell in der Arena so sehe, wie begeisterungsfähig und engagiert wir da Fußball gespielt haben, da lacht einem das Herz."

Titelverteidiger ausschalten

Das Hinspiel des großen Fressens beginnt am Mittwoch um 20.45 Uhr (ZDF und Sky live). "Wir werden zwei super Spiele abliefern müssen, um dann die Chance zu haben, ins Halbfinale zu kommen", sagte Karl-Heinz Rummenigge. Und dann sprach der Vorstandsboss das aus, was bei den Madridistas rund um den Globus Herzrasen und Magengeschwüre hervorruft: "Wenn es einer schaffen kann, den Running-Champion, den Titelverteidiger auszuschalten, dann vielleicht wir."

Er hätte das "vielleicht" streichen sollen. In Madrid hat man auch so genug Angst vor diesen Bayern. Minuten nach der Auslosung sagte Ex-Real-Spieler und Sportchef Emilio Butragueño: "Das ist das schlimmste Los, das Real hätte passieren können." Wenn es in Europa ein Jersey gibt, das den stolzen Madrilenen trotz deren elf gewonnener Champions-League-Trophäen "Phobie bereitet", wie kürzlich die Zeitung El País schrieb, dann ist es das Trikot der Bayern, an dem all das Blut der früheren Schlachten klebt.

"La Bestia Negra"

Und obwohl Real Madrid mit dem heutigen Bayern-Coach Carlo Ancelotti die Münchner 2014 mit 1:0 und 4:0 krachend aus dem Halbfinale gepfeffert hatte, gilt Bayern in der spanischen Hauptstadt immer noch als Inbegriff des königlichen Scheiterns. 2012 machten Jupp Heynckes und die Seinen den Finaleinzug per Elfmeterschießen im Bernabéu klar. 2007 war im Achtelfinale Endstation für Real, 2001 im Halbfinale. Seinen Ursprung hat der Mythos "Bestia Negra" in den 70er und 80er Jahren, als Bayern bei drei K.o.-Duellen zwei Mal die nächste Runde erreichte. Unbeugsame Bayern, die etwa 1987 vor über 100 000 Zuschauern im Kessel im "Bernabéu" zu zehnt ins Finale einzogen, wurden zu idealen Feindbildern. Augenthaler! Matthäus!

"Bayerns Trikot bereitet eine Phobie."
"Bayerns Trikot bereitet eine Phobie." © AZ-Fotomontage

Später verkörperte Oliver Kahn wie kein anderer den aus spanischer Sicht typisch teutonischen Siegeswillen, das "Weiter! Immer weiter!". Der Bayern-Torwart wurde zum Lieblingsfeind der Marca. 2007 zierte sein Konterfei die Titelseite der Real-nahen Sporttageszeitung, ein Trainingsbild mit dreckigem Gesicht und verschmierten Haaren. Darunter brüllten den Leser Großbuchstaben an: "Das ist der Feind."

Angeschlagene Bestien sind gefährlich

Heute verkörpern andere Bayern-Profis die "Bestia Negra", dieses Ungetüm, gegen das, so die Redensart in Spanien, man einfach nicht gewinnen kann. Die deutsche Entsprechung "Angstgegner" kommt ziemlich soft daher. In Gestalt des Werwolfs sollen in diesem Viertelfinale Torhüter Manuel Neuer, der Riese mit den tausend Händen, sowie die Raubritter der Außenbahnen, Franck Ribéry und Arjen Robben daherkommen. Für den Todesstoß ist Robert Lewandowski zuständig, sofern der Torjäger seine Wunden aus der letzten Schlacht rechtzeitig auskuriert hat. Doch angeschlagene Bestien sind ja bekanntlich am gefährlichsten.

"Carlo hat aus einer guten Mannschaft eine große Einheit gebildet"

Vor allem, wenn’s läuft. Der Trainer der Bestien kommt dagegen ganz unbestialisch daher. Carlo Ancelotti, der gute Mensch von Harlaching. "Carlo ist ein wunderbarer Mensch, mit dem es sehr viel Spaß macht zusammenzuarbeiten", sagte Hoeneß über den Italiener, "er hat es geschafft, aus einer technisch und taktisch guten Mannschaft, die wir ja immer waren, eine große Einheit zu bilden." Entendido, Madrid? Verstanden, Real?

Lesen Sie auch: FC Bayern gegen Real Zidane vs. Ancelotti - Die Meister-Prüfung

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