Zidane vs. Ancelotti: Die Meister-Prüfung

Ancelotti und Zidane haben 2014 die Königsklasse mit Real gewonnen. Am Mittwoch trifft der ehemalige Lehrling in München auf seinen Mentor. "Ich habe Carlo viel zu verdanken", sagt der Madrid-Trainer.
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Einer emotional, der andere relaxt: Co-Trainer Zidane (l.) und Chefcoach Ancelotti 2014 im Champions-League-Finale mit Real.
GES/Augenklick Einer emotional, der andere relaxt: Co-Trainer Zidane (l.) und Chefcoach Ancelotti 2014 im Champions-League-Finale mit Real.

München - Carlo Ancelotti hat viel von Zinedine Zidane gelernt. Vom Spieler Zizou. Damals, vor 18 Jahren, als der Italiener und der Franzose erstmals miteinander zu tun hatten. Bei Juventus Turin war das. Von 1999 bis 2001 arbeitete Ancelotti, bei seinem Einstieg bei der "Alten Dame" 40 Jahre jung, als Chefcoach bei Juve, Zidane führte von 1996 bis 2001 Regie im Mittelfeld. Zidane wurde Weltfußballer, ein Fußballgott, mit der französischen Nationalelf 1998 Weltmeister, 2000 Europameister. Für Zidane stellte Ancelotti sogar sein System um, fasziniert vom 13 Jahre jüngeren Spieler.

"Zidane war für mich ein Schlüssel, um den Fußball neu zu verstehen", sagte Ancelotti und erklärte dies in der italienischen TV-Show "Tiki-Taka": "Ich habe noch nie einen Spieler auf seinem Niveau gesehen, besonders im Training war er ein Spektakel. Er ist der Spieler, der mich am meisten beeindruckt hat."

Der Gigant zeigte Schwächen

86 Spiele machte Zidane unter Ancelotti. Doch auch dieser Gigant, die personifizierte Eleganz des Fußballs, habe Schwächen gehabt. Wirklich? Was erlauben Carlo? "Ich finde, Zinedine hätte noch mehr machen können, vor allem, was den Torabschluss betrifft." Und tatsächlich: In den beiden gemeinsamen Jahren bei Juventus traf Zidane nur zehn Mal. Als er dann zu Real Madrid wechselte, klappte es besser. Heute können die beiden über diese Anekdote lachen.

Vor ihrem ersten Pflichtspiel gegeneinander, vor ihrem ersten Duell an der Seitenlinie am Mittwochabend bei Bayern gegen Real Madrid, gab es keinen Kontakt. Wer will sich schon in die Karten schauen lassen? Der Meister schon gar nicht von seinem Lehrling. Und ein Schüler will immer seinen Weg gehen, sich emanzipieren, irgendwann den Lehrer übertrumpfen. In dieser Rolle sieht sich Zidane, 44, heute. "Es wird besonders, gegen Ancelotti zu spielen. Ich habe viel von ihm gelernt." In den zwei Jahren ab 2013, als Ancelotti Zidane zu seinem Assistenten bei Real Madrid machte und damit dessen Trainer-Karriere initiierte. Also sprach Zidane respektvoll von einem "Treffen des Lehrers mit seinem Schüler".

Das konnte Zidane lernen

Was genau der Schüler gelernt hat? "Dass es darum geht, zu gewinnen und die Spieler bei Laune zu halten", erklärte Zidane. "Ein Trainer muss an alles denken, jeden Tag. Er will, dass seine Spieler zufrieden sind und gut arbeiten, und zwar alle 24 Profis im Kader, nicht nur ein paar." Die Menschenführung ist der Grundstein vom Erfolg des 57-jährigen Ancelotti. Ruhe ist die erste Trainerpflicht. An der Seitenlinie gibt sich Zidane (44) emotionaler, aufbrausender. Aber er ist auch erst vier Jahre im Geschäft, Ancelotti seit 25 Jahren. "Zidane hat Wissen, Charisma, Persönlichkeit. Er hat alles", lobte er seinen Lehrling. "Erfahrung ist nicht das Wichtigste." Wichtiger ist: "Wenn Zinedine spricht, hören die Spieler zu", so Ancelotti.

2016 gewann Zidane als Rückrunden-Trainer die Champions League, das Finale im Elfmeterschießen gegen Atlético Madrid. 2014 hatte man den Henkelpott gemeinsam geholt. "Er ist ein guter Mensch. Ich habe Carlo viel zu verdanken", sagte Zidane, "aber jetzt wollen wir beide die Champions League gewinnen. Wir kennen uns sehr gut, in solchen Spielen kann alles passieren. Für diese Spiele, für diese Momente lebe ich."

Beide haben die Chance, Historisches zu erreichen. Holt Real den Pott, wäre man der erste Verein seit Einführung der Champions-League, dem die Titelverteidigung gelingt. Stemmt Bayern am 3. Juni in Cardiff die Trophäe, wäre Ancelotti der erste Coach, der zum vierten Mal (mit dem AC Milan 2003 und 2007 sowie mit Real 2014) die Königsklasse gewänne – mit dem dritten Verein, dann ebenfalls ein Rekord. Ancelotti hätte seine Mission bereits nach der Premieren-Saison erfüllt. Verhindern kann dies nun sein Lehrling.

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