Bayern-Coach Guardiola: Sag' zum Abschied Sorry

Pep Guardiola verlässt den FC Bayern als Unvollendeter. Vor dem Pokalfinale gegen Dortmund hat er sich deshalb bei Klub und Fans entschuldigt. Was da in Berlin zu Ende geht, scheint nicht mehr als ein Projekt gewesen zu sein.
| sid
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Am Sonntag könnte Pep Guardiola mit dem Pokal auf dem Balkon eine weitere, letzte Chance für ein bisschen ehrliche Emotion bekommen. Dass er sie nutzt, ist kaum zu erwarten.
dpa Am Sonntag könnte Pep Guardiola mit dem Pokal auf dem Balkon eine weitere, letzte Chance für ein bisschen ehrliche Emotion bekommen. Dass er sie nutzt, ist kaum zu erwarten.

München - Pep Guardiola hatte seine Chance. Sogar mehrmals. Am vergangenen Samstag, bei seiner Verabschiedung in der Allianz Arena. Am Abend, bei der internen Meisterfeier im Postpalast. Und noch einmal am Pfingstsonntag, bei der verhaltenen Party auf dem Marienplatz.

Doch der scheidende Trainer des FC Bayern verzichtete auf warme Worte. Den Satz "Ich liebe diese Stadt" sprach er nur am Rande der Fete vor 15.000 Fans in ein BR-Mikrofon. Aber das hatte Guardiola einst auch über Mario Mandzukic gesagt, ehe er den Stürmer vom Hof jagte.

 

 

Ein öffentliches "Danke" an Klub und Fans? Fehlanzeige!

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Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes stimmte auf demselben Balkon einst Meisterlieder an, Louis van Gaal warf "ein dicke Kuss" ins Publikum. Guardiola und der FC Bayern - das scheint jetzt, da es am Samstag (20 Uhr/ARD und Sky sowie im AZ-Liveticker) in Berlin mit dem DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund zu Ende geht, nicht mehr als ein Projekt gewesen zu sein.

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Eines, das unvollendet bleiben wird, egal ob der 45 Jahre alte Katalane die Forderung von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Double ("Das ist ein wichtiges Spiel, das weißt du") erfüllt oder nicht. Guardiola hat das inzwischen selbst eingeräumt. Es tue ihm leid, dass er Klub und Fans den Traum vom Champions-League-Triumph nicht erfüllt habe, sagte er am vergangenen Wochenende.

"Sorry, aber ich war nicht perfekt", sagte Guardiola leise, "wenn man es in drei Jahren nicht schafft, muss ein anderer Trainer kommen."

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Doch seine Zeit in München, das wird jetzt klar, war ohnehin nie auf mehr angelegt. Die Enttäuschung über die Kälte des vielbesungenen Startrainers lässt sich der FC Bayern jedoch nicht anmerken - im Gegenteil. Von Kapitän Philipp Lahm bis zu Rummenigge heben alle seine Verdienste und den Wunsch hervor, ihm in Berlin mit dem zweiten Double seiner Amtszeit ein würdiges Ende bescheren zu wollen.

Rummenigge stellte Guardiola sogar als den großen Unverstandenen hin - und bürdete dessen Nachfolger Carlo Ancelotti ein schweres Erbe auf. Viele hätten sich "nie die Mühe gemacht, diesen Mann zu verstehen", sagte Rummenigge über Guardiola, den "Besessenen".

Seine Kinder sind traurig

Man werde diesen auch für zahlreiche Wegbegleiter noch immer rätselhaften Spanier "erst wirklich zu schätzen wissen, wenn er nicht mehr da ist". Also, wenn Ancelotti übernommen hat. Hinter vorgehaltener Hand ist jedoch zu hören, dass sich mancher im Verein nach der Wärme sehnt, die der Spielerversteher aus Italien ausstrahlt.

Zuvor will Guardiola noch einmal "alles tun, um zu gewinnen" gegen den BVB. Unabhängig vom Ausgang blicke er "mit Stolz" auf 36 Monate München zurück.

Seine Wohnung in München werde er behalten, "wir sehen uns wieder - auf dem Oktoberfest, in der Stadt, hoffentlich in der Champions League" mit seinem neuen Klub Manchester City. Seine Kinder, hat Guardiola verraten, seien "ein bisschen traurig, die Stadt und die Schule zu verlassen".

Töchterchen Valentina (7) verdrückte am vergangenen Samstag im Stadion ein paar Tränchen. Und er, Pep? Am Sonntag könnte er mit dem Pokal auf dem Balkon eine weitere, letzte Chance für ein bisschen ehrliche Emotion bekommen. Dass er sie nutzt, ist kaum zu erwarten.

"Der Trainer", sagte Guardiola zuletzt, "spricht durch seine Spielweise, durch die Mannschaft. Nicht durch Worte."

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