Bayer Leverkusens erstaunliche Wandlung zum Meister-Geheimfavoriten

Leverkusen geht als einziges ungeschlagenes Team und Tabellenführer ins Duell mit den Bayern. Eine Entwicklung, die nach Havertz' Abgang so nicht zu erwarten war. Die AZ erklärt Bayers Höhenflug.
| Julian Buhl
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Trainer Peter Bosz.
Trainer Peter Bosz. © imago images/Nordphoto

München - Es ist ja nicht so, dass Bayer Leverkusen und der FC Bayern - wie nun am Samstag (18.30 Uhr/Sky und im AZ-Liveticker) - zum ersten Mal in einem vorentscheidenden direkten Duell um die deutsche Meisterschaft aufeinandertreffen. In der bislang letzten Leverkusener Vizemeister-Saison landete Bayer 2010/11 am Ende zwar einen Platz vor den Münchnern, dafür allerdings hinter Borussia Dortmund.

2002, im Jahr des Leverkusener Vize-Triples, ergab sich zum Schluss dasselbe Tabellenbild. Unvergessen aber bis heute, wie Bayer 2000 den schon sicher geglaubten Titel am letzten Spieltag in Haching doch noch ver- und somit den Bayern zuspielte.

Bayer Leverkusen ist in der Bundesliga noch ungeschlagen

Lang, lang ist's her. In den vergangenen Jahren gehörte die Werkself zwar weiterhin konstant zu den besten Bundesligateams, für den Angriff auf die Spitze reichte es aber nicht mehr. Es verfestigte sich der Eindruck, dass Bayer seine besten Zeiten vermeintlich bereits hinter sich habe.

Erst recht, als man Supertalent Kai Havertz im Sommer für eine Basisablösesumme von 80 Millionen Euro zum FC Chelsea ziehen ließ. Und in Kevin Volland, der für 15,5 Millionen Euro zur von Niko Kovac trainierten AS Monaco ging, noch einen Leistungsträger verlor.

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Und doch kam alles anders. Als einzige noch ungeschlagene Mannschaft der Bundesliga empfängt Leverkusen die Bayern nun als Tabellenführer zum Finale um die Weihnachtsmeisterschaft.

Leverkusen auch in der Europa League Titelkandidat

Doch wie ist der Leverkusener Aufschwung zu erklären? In Stürmer Patrick Schick, der in der vergangenen Saison noch von AS Rom an Leipzig ausgeliehen war, reinvestierte Bayer gerade mal 26,5 Millionen Euro der eingenommenen Ablöse. Zwei weitere in Ersatztorhüter Lennart Grill. Das war's.

Trotzdem stellt Leverkusen plötzlich aktuell mit 27 Treffern nach Bayern (37) die zweitbeste Offensive und mit gerade mal zehn Gegentoren nach Leipzig (neun) auch die zweitstärkste Abwehr der Liga.

In der Europa League ist Bayer als Gruppenerster und mit einem deutschen Torrekord (20 Treffer) in die K.o.-Runde eingezogen und wird dort ebenfalls schon als heißer Titelkandidat gehandelt.

Bayer Leverkusen ist offensiv brandgefährlich

Großen Anteil an all dem hat Florian Wirtz. Der 17-Jährige füllt die durch Havertz' Abgang entstandene Lücke im offensiven Mittelfeld bislang perfekt aus macht seinen Vorgänger fast vergessen. Fünf Tore sowie fünf Vorlagen hat der Jungstar bereits vorzuweisen. Stürmer Lucas Alario hat seine Form gefunden und elf Tore in 14 Pflichtspielen erzielt.

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Und auch Schick (fünf Tore) kommt immer besser in Fahrt. Genau wie Jamaika-Rakete Leon Bailey. Mit neun Treffern (zuletzt fünf in drei Spielen) und sieben Vorlagen ist er Bayers Topscorer. Heimlich, still und mit Bailey mauserte sich Leverkusen so zum besten Hinrundenteam.

Bayers jamaikanische Offensiv-Rakete Leon Bailey.
Bayers jamaikanische Offensiv-Rakete Leon Bailey. © imago images/Xinhua

 

Bayers Offensivwucht beeindruckt sogar die Gegner. "Gegen die in Topverfassung hast du keine Chance", sagte Kölns Torhüter Timo Horn nach dem 0:4. Und Trainer Markus Gisdol ergänzte: "Leverkusen ist momentan eine andere Kragenweite. Mit unglaublichem Speed, unglaublicher Dynamik und Freude." All das sollen jetzt auch die Bayern zu spüren bekommen.

Peter Bosz hat Bayern schon einmal geschlagen

Trainer Peter Bosz hat Bayer seinen bedingungslosen Offensivstil derart eindrucksvoll eingeimpft, dass die Verantwortlichen von Borussia Dortmund sich fragen müssen, warum sie 2017 nicht mehr Geduld mit dem Niederländer hatten. "Wir sind gut drauf und haben einen guten Lauf", sagte Bosz: "Wir spielen guten Fußball und das Selbstvertrauen ist da."

Und Bosz hat mit Bayer schon gezeigt, dass er auch Flicks Bayern schlagen kann. Ende des vergangenen Jahres gewann Leverkusen mit 2:1 in München und fügte den Bayern damit eine der gerade mal drei Niederlagen in 57 Pflichtspielen unter Flicks Regie zu. Das Wiedersehen wird zeigen, wohin Leverkusens Entwicklung noch führen kann.

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