Interview

Babbel im AZ-Interview: "A saubere Watschn von Zidane"

Vor 25 Jahren hat der FC Bayern den Uefa-Cup gegen Bordeaux geholt. Markus Babbel erinnert sich in der AZ an den Sieg und einen Heißsporn.
| Patrick Strasser
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Verdammt lang her! Der FC Bayern 1996 als Gewinner des von Kaiser Franz Beckenbauer als "Cup der Verlierer" verspotteten Uefa-Cups.
Verdammt lang her! Der FC Bayern 1996 als Gewinner des von Kaiser Franz Beckenbauer als "Cup der Verlierer" verspotteten Uefa-Cups. © imago images/Sven Simon

München - AZ-Interview mit Markus Babbel: Der 48-jährige Münchner spielte von 1991 bis 2000 beim FC Bayern, gewann in der Zeit unter anderem am 15. Mai 1996 den Uefa-Cup.

AZ: Herr Babbel, diesen Samstag vor genau 25 Jahren konnte der FC Bayern eine lange Durststrecke beenden. Mit dem Uefa-Cup-Triumph 1996 gewann man den ersten internationalen Titel seit 1976. Nach dem 2:0 im Hinspiel im Olympiastadion gewannen Sie auch das Rückspiel bei Girondins Bordeaux mit 3:1.
MARKUS BABBEL: Wir waren über beide Spiele gesehen der verdiente Sieger, haben sie im Rückspiel dominiert, unsere Qualitäten ausgespielt. Vor den Duellen wussten wir nicht viel über Bordeaux. Damals gab es keine so differenzierten Videoanalysen oder genau sezierte Szenen einzelner Spieler, die man heutzutage aufs Handy geschickt bekommt. Franz Beckenbauer aber hat uns eindringlich gewarnt - und super professionell vorbereitet.

Babbel: "Jeder hatte Bock auf diesen Wettbewerb"

Für die Endspiele um den "Cup der Verlierer" wie Ihr damaliger Interimstrainer Beckenbauer es genannt hatte.
Ich empfand das als despektierlich - tut mir leid, lieber Kaiser Franz. Wie auch der DFB-Pokal hat der Uefa-Cup damals an der Säbener Straße keine große Rolle gespielt. Für mich aber war es ein fantastischer Wettbewerb, wir hatten tolle K.o.-Runden mit super Gegnern wie Benfica Lissabon, Nottingham Forrest und im Halbfinale den FC Barcelona - das war wie Champions League. Und Bordeaux hatte im Viertelfinale den großen AC Mailand ausgeschaltet. In unserer Mannschaft entstand eine gewisse Dynamik, jeder hatte Bock auf diesen Wettbewerb. Aber klar: Bei Bayern herrscht das Anspruchsdenken, immer das Höchstmögliche erreichen zu können.

Dass Bayern überhaupt im Uefa-Cup dabei war. . .
. . .hatten wir den Gladbachern zu verdanken, die 1995 den DFB-Pokal gewannen. So sind wir nach einer brutal schlechten Saison mit Platz sechs überhaupt noch in den Uefa-Cup reingerutscht. Weil Gladbach als Fünfter im Pokal der Pokalsieger antrat.

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Sie spielten im Rückspiel neben Thomas Helmer Innenverteidiger. Lothar Matthäus war Libero. Auf der anderen Seite: ein gewisser Zinédine Zidane, damals 23 Jahre jung.
Im Hinspiel hatte er wegen der Folgen eines Autounfalls gefehlt, war auch im Rückspiel noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Trotzdem konnte man schon erkennen, dass er kein Schlechter ist (lacht). Als wir bereits 3:1 führten, trat er mir auf einmal von hinten voll in die Hacken. Daraufhin habe ich ihn auf gut Bayerisch beschimpft und gefragt: Was machst Du da für einen Sch...? Plötzlich verpasste er mir eine saubere Watschn. Eigentlich Rot. Hatte aber keiner gesehen, Zidane bekam nicht mal die Gelbe Karte. In Zeiten des Videobeweises völlig undenkbar. Ich war völlig verdutzt, bin wie eine bayerische Eiche stehengeblieben, konnte mich aber zusammenreißen. Dann habe ich ihm mit den Fingern den Spielstand angezeigt: drei zu eins für uns, Junge! Der Heißsporn steckte also schon in ihm drin. Im Sommer 1996 ist er dann zu Juventus Turin gewechselt und startete seine Weltkarriere. Was für ein eleganter Fußballer!

Und der FC Bayern verpflichtete ein Jahr später Bordeaux-Kapitän Bixente Lizarazu.
Ein fantastischer Linksverteidiger, Top-Qualität, sehr diszipliniert. Ein sensationeller Mitspieler und lustiger Typ.

"Rehhagel passte einfach nicht zum FC Bayern"

In der Liga wurde Bayern hinter Dortmund abgeschlagen Zweiter. Im April musste Trainer Otto Rehhagel gehen.
Eine wilde Saison, trotz Startrekord ein Desaster. Der FC Hollywood in Reinkultur! Wir waren ein zerstrittener Haufen, da war kein Miteinander, nur ein Gegeneinander. Und Rehhagel passte einfach nicht zum FC Bayern. So leid es mir tat für ihn, weil er kein schlechter Trainer war, aber die Spieler hatten nicht mehr den nötigen Respekt vor ihm. Da war der Franz natürlich eine andere Hausnummer, er hat wieder Ruhe und Disziplin reingebracht. Der Fokus stimmte wieder.

Schwenken wir zum aktuellen Fußball. Wie sehen Sie als ehemaliger Abwehrspezialist Bayerns Verpflichtung von Dayot Upamecano von RB Leipzig?
Ein Top-Transfer. Upamecano bringt alle Voraussetzungen für einen sehr guten Innenverteidiger mit. Er wird technisch immer besser, spielt in der Spieleröffnung richtig gute Bälle nach vorne. Der Junge macht mir Spaß, auch wenn er in manchen Szenen noch Lehrgeld zahlt wie jetzt im Pokalfinale als er gegen Dortmunds Superstürmer Erling Haaland im Zweikampf nicht gut aussah. Aber das kann passieren. Ob Upamecano allerdings den zuletzt bärenstarken Jérôme Boateng eins zu eins ersetzen kann, wird sich zeigen.

Die Bayern planen kommende Saison in der Abwehrmitte mit Upamecano und Lucas Hernández.
Damit sind sie nicht schlechter aufgestellt als mit Boateng und David Alaba. Hernández ist bissig, zweikampfstark, für mich ein Old-School-Verteidiger, der viel grätscht. Kein Stürmer spielt gerne gegen ihn. Und dann haben die Bayern ja auch noch Niklas Süle.

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