Schäfer-Gümbel: Darum bin ich aus dem FC Bayern ausgetreten

Der Spitzenkandidat der hessischen SPD im AZ-Interview über seine bayerischen Wurzeln und warum er trotz Hoeneß-Affäre Fan des FC Bayern bleibt
| Angela Böhm
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Auf ihmn setzt die Hessen-SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel. In Hessen wird am 22. September gewählt.
dpa Auf ihmn setzt die Hessen-SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel. In Hessen wird am 22. September gewählt.

Der Spitzenkandidat der hessischen SPD im AZ-Interview über seine bayerischen Wurzeln und warum er trotz Hoeneß-Affäre bleibt

FRANKFURT Alle schauen auf Bayern und Berlin. Dabei findet am 22. September noch ein spannende Landtagswahl statt: Im Nachbarland Hessen hat die SPD gute Chancen nach 15 Jahren CDU-Regierung die Macht zu erobern.

Die „Südachse“, der Unions-Länder, auf die die CSU einst so setzte, wäre damit endgültig zerfallen. In Baden-Württemberg regiert nach fünf Jahrzehnten CDU bereits Rot-Grün. Der Herausforderer von CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier ist Thorsten Schäfer-Gümbel. Er wurde lange verspottet, als ihn Andrea Ypsilanti zu ihrem Nachfolger machte, nachdem sie mit ihrem Versuch, eine von den Linken gestützte Regierung zu etablieren, gescheitert war. Der 43-jährige Politologe aber hat sich überraschend zum Hoffungsträger gemausert.

AZ: Herr Schäfer-Gümbel, wie viel Bayer steckt eigentlich in Ihnen?

THORSTEN SCHÄFER-GÜMBEL: Meine Mutter war Sonthofnerin und ich bin in Oberstdorf geboren und bis zu meinem fünften Lebensjahr aufgewachsen. Selbstverständlich wurde ich auch katholisch getauft. Seitdem lebe ich in und um Gießen und bezeichne mich manchmal spaßhaft als Hesse mit Migrationshintergrund. Tatsächlich führen manche mein rollendes R auf meine bayerische Vergangenheit zurück - allerdings haben Mittelhessen und Bayern eines gemein: beide haben Dialekte, in denen das R gerollt wird. Und ich muss sagen: ich esse gerne auch Weißwürste mit sehr wenigen Ausnahmen nur bis mittags.

Schmerzt es Sie nicht, dass Sie als Fan des FC Bayern aus Protest gegen Uli Hoeneß aus dem Verein ausgetreten sind?

Fußball ist für mich etwas sehr Emotionales. Mein Austritt ist meine persönliche Angelegenheit, ich bin Fan der Mannschaft und bleibe das. Der Umgang der Vereinsspitze und des Aufsichtsrats mit der Steueraffäre Hoeneß ist nicht in Ordnung.

Mit einem 800-Millionen-Jutesack machen Sie Wahlkampf gegen Steuerflüchtlinge und Steuervermeider. Werden Sie damit CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier in den Sack packen können?

Die Steuerkampagne ist ein Mosaikstein in einem umfangreichen Katalog der SPD für ein besseres Hessen, wir wollen damit das Steuersystem gerechter gestalten. Es kann nicht sein, dass einige wenige ihre Millionen vor dem Staat verstecken und Millionen dafür bezahlen müssen. Außerdem setzen wir uns ein für bessere Bildung, gute Bedingungen am Arbeitsmarkt und soziale gerechte Bedingungen für alle Hessen.

Vor ein paar Wochen lagen Sie in den Umfragen noch weit vorne, inzwischen liefern Sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU. Woran liegt's? Schwächeln Sie auf den letzten Metern?

Hessen war immer eng, das sage ich schon sehr lange. Rot-Grün liegt weiterhin in allen Umfragen vor FDP und CDU. Spürbar ist eine ausgeprägte Wechselstimmung im Land. In Hessen wird es auf den letzten Metern immer knapp.

Sie wollen SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aufs Pferd setzten, damit er mit seiner Kavallerie gegen Steuersünder ausrücken kann. Braucht Steinbrück dazu Sie? Peer Steinbrück hat die Kavallerie angekündigt und ist Begründer des klaren Kurses der SPD gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung. Nun gehen wir gemeinsam aktiv und nachdrücklich dagegen vor. Man könnte sagen, wir reiten gemeinsam Seite an Seite.

Haben Sie vielleicht auch noch einen Last-Minute-Rat für Christian Ude in Bayern?

Christian Ude ist ein sehr erfahrener Politiker und weiß sehr gut, wie man Wahlkampf macht. Er braucht von mir keine Ratschläge

 

 

 

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