Mitgliederzahlen: Kleine Parteien – großer Zuwachs

Bei fast allen Gruppierungen wächst die Zahl der Mitglieder kontinuierlich an – bei Grünen, AfD und Satirikern sogar besonders stark. Nur die Piraten und die SPD erleiden im Freistaat einen Schwund.
| Julia Sextl
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Mit Satire zum Erfolg: ein Plakat der Partei auf einer Demonstration vergangenes Jahr in München.
imago/Alexander Pohl Mit Satire zum Erfolg: ein Plakat der Partei auf einer Demonstration vergangenes Jahr in München.

Hoffnung für die Bayernpartei: Einst, vor 60 Jahren, noch mit 27 Prozent der Wählerstimmen im Landtag, schrumpfte sie nach der Spielbankenaffäre zur Splitterpartei und blieb es bis heute. Dennoch legt sie jetzt – für heutige Verhältnisse – kräftig zu. So wuchs die Mitgliederzahl in den letzten eineinhalb Jahren um knapp 20 Prozent – von 5.225 (Stand Ende 2017) auf aktuell 6.127 Mitglieder. Darunter: knapp 150 Neumitglieder im ersten Halbjahr 2019 .

"Dass in Wahlkampfzeiten Mitglieder dazukommen, ist nicht ungewöhnlich. Interessant ist aber der Zuwachs in 2019", sagt Hubert Dorn, Generalsekräter der Bayernpartei, der AZ. "Ich erkläre es mir so, dass der heutige Kurs der CSU offenbar Kräfte freisetzt bei Menschen, die dezidiert bayerische Politik wollen. Ich hatte gerade wieder Anfragen von Leuten, die eigentlich sehr CSU-affin sind. Aber die CSU ist ja schon fast wie ein Landesverband der CDU."

ÖDP: Zuwachs um 18,5 Prozent

Auch die ÖDP hat Grund zur Freude: Sie hat im selben Zeitraum in Bayern um 18,5 Prozent an Mitgliedern zugelegt. Waren es Ende 2017 noch 3.996, gehören heute schon 4.737 Bayern der Partei an. Zum Vergleich: Ende 2018 waren es noch 4.286 Mitglieder. Das Bienen-Volksbegehren dürfte hier einiges zum Erfolg der Partei beigetragen haben.

"Wir freuen uns sehr über die positive Mitgliederentwicklung, die seit zwei Jahren kontinuierlich nach oben zeigt und den Höchststand seit Parteigründung darstellt. Mit großen Schritten gehen wir auf die 5.000er-Marke zu", sagt die stellvertretende ÖDP-Landesvorsitzende, Agnes Becker. Besonders freue sie der steigende Anteil an weiblichen Mitgliedern, die aktuell gut 46 Prozent der Mitglieder ausmachen.

Die Partei als großer Gewinner

Absoluter Spitzenreiter beim Zuwachs ist die Satirepartei Die Partei. Sie hatte Ende 2017 exakt 3.145 Mitglieder – und zuletzt knapp 5.000 Unterstützer mit Parteibuch. Möglicherweise könne der Zustrom mit dem Erfolg bei der Europawahl zusammenhängen, meint Parteienforscher Oskar Niedermayer: "Die Partei hat ja immerhin zwei Sitze bekommen. Dadurch hatte sie zuletzt viel Medienaufmerksamkeit."

Die Linke ist seit Ende 2017 immerhin um knapp fünf Prozent gewachsen, von 3.147 Mitgliedern Ende 2017 auf aktuell 3.300. "Auffällig ist bei uns, dass sehr viele Junge dazukommen", sagt Linken-Landesgeschäftsführer Max Steininger.

Der Altersdurchschnitt der Linken in Bayern liegt bei 43,5 Jahren (2018: 43,9) – und damit sogar deutlich unter dem Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung mit knapp 46 Jahren (Stand: Ende 2018). "So nah dran ist meines Wissens keine andere Partei", sagt Steininger. Auch dies führe in der Folge teils zu Parteieintritten. Viele der jungen Linken-Mitglieder bauten beispielsweise "Fridays für future" mit auf. "Für sie ist der Klimawandel das Resultat des Kapitalismus", so Steininger.

Neun Prozent Schwund bei den Piraten

Verlierer sind unter den kleinen Parteien die Piraten: Sie verzeichnen laut BR mit 1.196 Mitgliedern einen Schwund von neun Prozent innerhalb der letzten eineinhalb Jahre.

Bei den im Bayerischen Landtag vertretenen Parteien gab es ebenfalls beträchtliche Zuwächse. So legten die Grünen im letzten Halbjahr gewaltig zu: Aktuell haben sie in Bayern 14.065 Mitglieder (Ende 2018: 11.585, Ende 2017: 9.317). Die AfD wuchs von 3.914 in 2017 und 4.946 in 2018 auf 5.200 Mitglieder zum Stichtag 31. Juli 2019 an.

Die CSU hat derzeit 140.297 Mitglieder (Ende 2018: 138.370). Auch die Landesvereinigung der Freien Wähler findet Zulauf, Anfang dieses Jahres waren es 3.500 Mitglieder – ein Plus von rund acht Prozent zum Vorjahr.

Die SPD kämpft nach wie vor mit Schwund: Hatte sie 2017 noch 59.323 und 2018 noch 58.717 Mitglieder, sind es aktuell 57.209.

Lesen Sie auch: Union und FDP machen Front gegen Grün-Rot-Rot im Bund

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