Hitler-Foto von Pegida-Chef sorgt für Verwirrung

Am Mittwoch wollen Zehntausende Islamgegner in Leipzig auf die Straße gehen. Auch mit dabei: Pegida-Gründer Lutz Bachman. Der betont stets, seine Bewegung sei nicht ausländerfeindlich - dabei postete er einst ein Foto von sich als Hitler auf Facebook.
| Michael Burner
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Umstrittene Person am rechten Rand: Pegida-Gründer Lutz Bachmann
dpa/screenshot twitter Umstrittene Person am rechten Rand: Pegida-Gründer Lutz Bachmann

Am Mittwoch wollen Zehntausende Islamgegner in Leipzig auf die Straße gehen. Auch mit dabei: Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Der betont stets, seine Bewegung sei nicht ausländerfeindlich - dabei postete er einst ein Foto von sich als Hitler auf Facebook.

München/Dresden - Am Mittwoch wird in Leipzig wieder marschiert: Zu einer Demonstration des dortigen Pegida-Ablegers Legida werden 30 000 bis 40 000 Teilnehmer erwartet, zunächst war sogar von 60 000 die Rede gewesen. Menschen, die laut Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel, aus einem "Gefühl der Sorgen und Ängste" um ihre Zukunft heraus Woche für Woche durch Deutschlands Städte ziehen und "Wir sind das Volk" skandieren.

Dass es sich bei den Demonstranten nicht nur um "normale Bürger aus der Mitte der Gesellschaft" handelt, wie Oertel kürzlich im ARD-Talk bei Günther Jauch behauptete, zeigt ein Blick auf die Teilnehmer der Bagida ("Bayern gegen die Islamisierung des Abendlandes")-Kundgebung am Montag in München. Unter den Demonstranten waren erneut etliche stadtbekannte Neonazis, Rechtspopulisten und auch vorbestrafte Gewalttäter. In anderen Städten setzt sich das rechte Teilnehmer-Spektrum bei den Pegida-Kundgebungen ähnlich zusammen.

Lesen Sie hier: Die Köpfe hinter Pegida in München

Einer, der ebenfalls vorbestraft ist und durch rechtspopulistische Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat, ist Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Die Hackervereinigung Anonymous veröffentlichte Screenshots aus dem mittlerweile gelöschten Facebook-Profil des 41-Jährigen.

In einer Konversation um ein Flüchtlingslager im September 2014, bezeichnet Bachmann Asylsuchende als "Gelumpe", "Dreckspack" und "Viehzeug". In einem Post behauptet Bachmann sogar, es gäbe keine "echten Kriegsflüchtlinge". Schließlich hätten sich alle Flüchtlinge, die hier ankommen, die Überfahrt nach Europa leisten können. Nach Bachmanns Denkweise kann es dort also gar nicht so schlimm sein, wenn fürs Reisen Geld da ist.

 

 

Wenn Bachmann sagt, er und seine Pegida-Anhänger wollen nicht in die rechte Ecke gedrängt werden, dann ist das schwer nachzuvollziehen, wenn er gleichzeitig ein Hitler-Bild von sich mit Bärtchen und stramm gekämmtem Seitenscheitel auf Facebook postet. Das Foto ist mittlerweile ebenfalls gelöscht, kursiert aber noch durchs Internet.

 

 

Bachmann selbst soll laut Bild-Zeitung gesagt haben, er habe das Foto zur Veröffentlichung der Hitler-Satire "Er ist wieder da" bei Schauspieler Christoph Maria Herbst an die Pinnwand gepostet. Diesem habe es gefallen, so Bachmann. Herbst spielte Hitler in der Verfilmung von "Er ist wieder da".

Am Nachmittag ließ der Schauspieler über seinen Anwalt mitteilen, dass er gar keine eigene Facebook-Seite habe und das Bachmanns Foto daher auch nicht "geliket" habe.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat sich bereits eingeschaltet. Es werde der Anfangsverdacht einer Straftat geprüft, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Wolfgang Klein, am Mittwoch in Dresden. Infrage kämen Beleidigungsdelikte, unter Umständen auch Volksverhetzung.

Der Vorfall müsse Konsequenzen haben, sagte Rene Jahn mit Blick auf das "Hitler-Foto" der "Bild"-Zeitung. "Mit so etwas will ich nichts zu tun haben." Jahn ist Mitglied im Vorstand des islamkritischen Pegida-Vereins, dem Bachmann vorsitzt. "Es geht hier um die gesamte Bewegung und nicht nur um eine Person", sagte er.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi. Jeder sollte sich überlegen, ob er solchen Rattenfängern hinterher läuft."

Für Montag hatte die Polizei alle Kundgebungen in Dresden aus Sicherheitsgründen verboten. Grund war eine Morddrohung gegen Bachmann. Derzeit steht der Islamgegner unter Polizeischutz.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren